Stunde

Verfeiert & vervögelt: Die Stunde für’n Arsch

Veröffentlicht: Samstag, 24. Oktober 2015

An Freitagen ärgern wir uns über die Extrastunde im Büro immer mehr als an Dienstagen. Weil wir nach dem Dienstlichen umso mehr auf das Wochenendrecht pochen – wenn möglich möglichst früh. Ich hatte früh festgestellt, dass das Einzige, was pünktlich sein würde, der Ärger um Punkt 18 Uhr ist. So war es auch. Bis 19 Uhr durchlebte ich Frustration pur. Dabei ging es um eine Stunde nur. Und ich hatte nicht mal was Besonders vor.

Zum Glück kommt es auch vor, dass wir mal Glück haben. Selbst ich. Denn dieses Wochenende schenkt uns Mitteleuropa eine Stunde Zeit. Also genau die Stunde, dich ich gestern länger im Büro, und später auf meinem Sofa saß.

Wenn ich gerade darüber nachdenke, ist es eigentlich total lächerlich, so zu denken. Beziehungsweise, sich über eine Stunde zu ärgern. Denn Folgendes ist wahr:

Früher haben wir genau diese Nacht, wie jede Donnerstag- bis Sonntagnacht, in Clubs verbracht. Je nach Alkoholpegel haben wir uns noch nachts um drei gefreut, eine Stunde länger tanzen zu dürfen, beziehungsweise waren wir am nächsten Morgen erst, aber dann richtig, froh über das scheinbar Gewonnene.

feiern2

feiern 10

Nur leider galt mit etwas Abstand betrachtet immer: Wie gewonnen, so zerronnen. Denn obwohl uns eine verlorene Stunde, vielleicht auf dem Bürostuhl, manchmal unendlich nervig und lang vorkommen kann, können die wenigsten von sich behaupten, mit der Zeitumstellungsstunde jemals etwas wirklich Weltbewegendes getan zu haben – oder wenigstens etwas Besonderes. Außer, auf Barinventarmit mit dem Arsch zu wackeln, ist in irgendeiner Form besonders. War es damals nicht. Nicht für uns. Damit war die Stunde eigentlich für’n Arsch.

Feiern1

Feiern 5

Und so verrinnt diese eine Stunde, die wir uns an so vielen Tagen vehement wünschen, jedes Jahr irgendwo im Nichts. Dabei könnten wir so viel Wertvolles mit ihr machen: Mit Freunden frühstücken gehen beispielsweise, das Wohnzimmer schön dekorieren, oder einfach an der Alster spazieren gehen. Dinge, für die uns sonst immer die Zeit fehlt. Ganz bewusst eine geschenkte Stunde lang.

Doch das werden die wenigsten – und sich Montagmorgen im Bett trotzdem nichts mehr wünschen als „nur noch eine einzige Stunde, oder wenigstens zehn Minuten“.

feiern3

feiern 9

Ich zumindest habe mir vorgenommen, diese Stunde 2015 besser zu nutzen als im letzten Jahr. Für irgendetwas Besonderes, oder jemanden. Ganz bewusst. Statt einfach nur auszunüchtern, rumzuhängen oder random Sex nach der After Hour zu haben.

feiern 8

Am Ende haben wir alle irgendetwas oder irgendjemanden der, die oder das diese eine Stunde goldwert macht. Diese eine Stunde, die so oft fehlt. 60 Minuten lang, was wiederum sechsmal jenen wertvollen Minuten entspricht, die wir an normalen Tagen länger im Bett bleiben wollen.

Haut rein,

kurz-unterschrift11

Mehr aus meinem Tagebuch – HIER!

Antworten

Teil mir Deine Meinung mit. Ich freue mich über Feedback!