Yavi von Cococucina schreibt auch eine Reisekolumne für Handelsblatt.de.jpg

Yavi Bartula von Cococucina: Love happens but it’s your choice – Letters 4 Brad/Part 3

Veröffentlicht: Dienstag, 22. November 2011

Coquettes Brief an Brad hat nicht nur Milli auf den Plan gerufen. Jetzt meldet sich auch Yavi Bartula vom Blog Cococucina zu Wort. Gemeinsam mit mir bildet sie im Dialog um Beziehungslust und Singlefrust die breite Front der Alleinstehenden UND bietet interessierten Jungs sogar ihre Handynummer an. Die heiße Offerte wird aufgrund der hohen Zahl an schwulen Lesern vorerst wenig Effekt haben. Vorerst, denn von Samantha Jones wissen wir: „Erst kommen die Schwulen, dann die Teenie-Mädchen und schließlich kommt die Industrie!“ Und die Medienindustrie wird klopfen. Schließlich werden Schreiberinnen wie Yavi überall mit Kusshand veröffentlicht und dann von aufstrebendem Politikern vom Markt geheiratet. Heute seid ihr die alleinigen Nutznießer: Der folgende ist nämlich ein Essay zum Genießen!

Vier Menschen und ein Wunsch

Ein Dreier ohne mich? Ohne mich. Schon in voller Ekstase sind Milli: die glückliche Ehefrau, Coquette: die zweifelnde Beziehungsfrau und Brad: der liebesbedürftige Dauersingle. Mitspielen will auch ich: der Profi-Single mit Herzfehler. So unterschiedlich wir auch alle sind, so identisch ist unser aller Wunsch: die fehlerlose Liebe.

Seifenblasen platzen

PENG! Blase geplatzt, die gibt’s nämlich nicht. Liebe ist wie Technik: Läuft, oder eben nicht. Beispiel Fernbedienung: Wer keine Ahnung hat oder keine Lust hat, schüttelt die Fernbedienung, wer will oder sich auskennt, akzeptiert den Fehler und bleibt bei dem Programm – oder er wechselt die Batterie.  Natürlich ist Liebe mehr als eine kaputte Fernbedienung, sie ist eigentlich ein natürlicher Herzschrittmacher: Es gibt ihn als einfache Standard-Version oder mit Premium-Funktionen. Beide funktionieren, auch wenn die Qualität unterschiedlich ist. Doch wenn du krank bist, musst du deinen Brustkorb für einen Lebenshelfer  öffnen, ihn in dein Herz einbauen und ihn auch mit kleinen Aussetzern akzeptieren.

Ich bin weder auf Wolke Sieben mit meinem Traumprinzen, noch suche ich verzweifelt einen mit diesem ganzen Märchen-All-Inclusive-Kram oder träume von einem besseren, weil meiner auf seinem weißen Gaul nicht reiten kann. Grund: Ich habe nämlich GAR keinen Prinzen (außer Nate von Gossip Girl natürlich, aber er weiß noch nichts von seinem Glück). „Waaas? Eine Frau wie du allein?“ Ja, Mann. „Wie kann so etwas passieren?“ Wie ich diese Frage hasse. Während ich einer lallenden Nervensäge im Club aber keine intellektuelle und auch für ihn verständliche Antwort geben kann, nutze ich jetzt und hier die Gelegenheit und hoffe inständig, dass einer meiner misslungenen Disco-Flirts lesen kann:

Funktioniert nicht nur in der Wirtschaft: die Ich-AG

Ich bin nicht allein und bestimmt nicht frustriert! Denn ich führe eine kleine, erfolgreiche Ich-AG. Man nennt sie auch: Mono-Beziehung. Klingt langweilig, ist es aber nicht. Sie ist sogar sehr intensiv und mit vielen Auf und Abs. Ja, wir streiten uns manchmal, auch wenn nur wegen Banalitäten wie Schlafenszeit, Hormone oder Kalorien, wir lieben uns (manchmal nur wir zwei, manchmal auch andere) und wir hassen uns (am Samstagmorgen beim Blick in den Spiegel zum Beispiel).

Im Alltag sind wir ein tolles Team: wir schleppen Wasser und Bier gemeinsam in den 4. Stock, wir kochen in trauter Zweisamkeit Spaghetti Bolognese, bloggen anschließend gemeinsam darüber und lösen technische Probleme mit Google. In unserer Freizeit gehen wir gerne in freizügigen Klamotten feiern oder auf der Suche nach ihnen shoppen und entscheiden, ob wir die Manolos kaufen  – und lachen darüber, wenn sie kaputt gehen. Am liebsten mit unserer besten Freundin, für die wir ganz viel Zeit haben und ihr ein Stück unserer grenzenlosen Liebe geben können. Mindestens genauso viel Aufmerksamkeit bekommt unser wöchentliches Beauty-Programm und der Frauenarzt, mit dem wir viele intime Momente teilen – physisch und geistig. Ich sag’s euch: Harmonie und Erfüllung pur!

Seid ehrlich zu euch selbst

Bullshit. Genauso wie: Ich bin kein Beziehungstyp. Wer diese These über sich aufgestellt hat, hat auch mindestens 150 Studivz-Gruppen erfunden oder die wahre Liebe noch nicht gefunden. Denn wenn der Richtige erst einmal da ist und man das auch kapiert, ist man automatisch ein Beziehungstyp. Das einzige Hindernis: das Herz. Ist ein scheinbar gesund und intakt, meint man, es bräuchte keinen zusätzlichen Stromgenerator und verlässt sich auf seine Eigenleistung. Ist es krank, die Anzeichen dafür aber undefinierbar, kämpft man tagtäglich mit Symptomen und weiß sie nicht zu beheben. Nach zwei Jahren „Selbstständigkeit mit Berufserfahrung“ weiß ich da aber zufällig eine medizinische Maßnahme mit Garantie: Herzschrittmacher.

Mir kann also kein Dauer-Single erzählen, dass er das auch für immer bleiben möchte. Ok, außer Gargamel vielleicht. Aber jeder gesund denkende Single verspürt irgendwann Rhythmusstörungen seines Herzens und sehnt sich früher oder später nach Liebe. Schade nur, dass man sie nicht im Katalog bestellen, sondern nur mit ein wenig Glück gewinnen kann. Einzige Teilnahmebedingung: die Teilnahme und die Bereitschaft, das Paket anzunehmen. Dass Liebe ein glücklicher Gewinn ist und mit ein wenig Eigenleistung garantiert ist, sollte sich jeder anspruchsvolle Nörgler mal klar machen und aufhören, in seinem Gegenstück die einzig wahre Perfektion zu suchen.

Nobody is perfekt.

Wenn mich in Zukunft wieder ein Idiot fragen sollte, warum ich immer noch Single bin, schrei ich ihm auch notfalls neben einer vibrierenden Musikbox ins Ohr: Liebe passiert halt und ich entscheide, wann! Denn darum geht’s doch bei der Liebes-Philosophie, um die immer so viel Wind gemacht wird. Ob diese Liebe passiert, ist aber nicht nur eine Frage des Gewinns, sondern auch der eigenen Teilnahme. Und dann ist es wie in der Organspende-Lotterie: du verlierst oder gewinnst.

Dann kann es schnell heißen: Love Shit happens. Denn bleiben wir mal realistisch: Der natürlichste Herzschrittmacher der Welt kann von Anfang an einen Produktfehler oder hin und wieder technische Aussetzer haben. Ist er aber einmal gekauft und eingebaut, ist der Umtausch gar nicht mehr so einfach. Da kannste dann auch nicht mehr nachträglich ankreuzen, ob dein neues Herzstück twittern, Hackfleisch braten oder Einkaufstüten tragen können muss. Aber dann ist es auch scheißegal, denn dein Herz schlägt und du lebst dank ihm. Es ist lediglich deine Entscheidung, ob du die Symptome deines kranken Herzens erkennst und ihn als Teil des neuen Lebens anerkennst – mit all seinen Fehlern.

Meine lieben Lieblingsbloggerinnen: ihr habt gewonnen. Gratulation! Brad: Deine Nummer ist auf der Organspenderliste ganz oben und du bist der Nächste – ich spüre das. Und ich? Man soll aufhören, wenn’s am Schönsten ist. Und da meine Ich-AG auf dem Höhepunkt ihres Erfolges steht und ich merke, dass Erfolg nicht alles ist, höre ich langsam auf meinen Herzschlag und vernehme … Rhythmusstörungen.

(Meine Handynummer gibt’s auf Anfrage)

Eure Yavi

Mehr von Yavi:

Auf ihrem Blog Cococucina lässt euch Yavi aktuell an ihren Mitbringseln aus aller Welt TEILhaben – mehr HIER!

Den ersten Teil von Yavis Reiseserie auf Handelsblatt-Online lest ihr – HIER!

Yavi schreibt auch Kolumnen für das Mode-Portal styleranking. Mehr lest ihr – HIER! Für diesen HIER über A&F in Düsseldorf hat sie übrigens mehr Hass als Liebe geerntet :)

Yavi und Brad haben bereits gemeinsame Sache gemacht. Ihre Fashion-Sale-Aktion – HIER – läuft inzwischen unter anderen Bedingungen.

Kommentare

  1. Gepostet von Milli am Dienstag, 22. November 2011

    Lieber habe ich das Wort (Herz)Rhythmusstörungen nie gelesen! Und wie Recht du doch hast.
    So manche Liebe beginnt übrigens mit “Ich will auf keinen Fall ‘ne Beziehung. Nur Spaß. Keine Gefühle … und enden nach einem Jahrzehnt trotzdem in Weiß ;D

  2. Gepostet von Brad am Dienstag, 22. November 2011

    Ihr drei seid so toll. Nach Lektüre all eurer drei Texte fühle ich mich besser als nach einem “richtigen! Dreier! I fly!

  3. Gepostet von Coquette am Dienstag, 22. November 2011

    Mir geht’s wie Millie! Als eingefleischter Hypochonder habe ich das Wort ‘Rhythmusstörungen’ zum ersten Mal ohne Atemnot und in den linken Arm ausstrahlende Schmerzen gelesen.
    @ Brad… bekommt ein bisschen Online-Liebe: ♥

  4. Gepostet von Tom am Mittwoch, 23. November 2011

    Braaaad! Danke für die Lese-Empfehlung. Yavi schreibt super. Hat Spaß gemacht. Mehr!

  5. Gepostet von Martin am Mittwoch, 23. November 2011

    Hallo…Yavi im Januar in Berlin erbitte ich ein Date :) Das wär jawohl mal der perfekte Grund die Press area zu verlassen :)

    look-scout.blogspot.com/

Antworten

Teil mir Deine Meinung mit. Ich freue mich über Feedback!