Widmung

Widmung

Veröffentlicht: Samstag, 15. November 2014

Es ist diese Stadt, die mich jeden Tag mitzieht, die mich hoch zieht, wenn ich down bin, die mich runter bringt, wenn ich bis Oberkante Unterlippe im Stress stecke – oder fest auf dieser Durststrecke, bis ich dich wieder sehe. Irgendwo in dieser Stadt, irgendwo zwischen Alster und Elbe. Irgendwo da draußen.

 

Ich kannte das Gefühl, auf irgendetwas zu warten, lange, bevor wir uns begegnet sind. Aber erst seit wir uns getroffen haben, weiß ich wirklich, was ich all die Jahre vermisste. Seither frage ich mich, was sein würde, wäre ich nicht in diese Stadt gezogen wäre – wenn wir uns nie begegnet wären. Wäre ich gerade in diesem Moment glücklicher, weil ich dich nicht so verzweifelt vermissen würde?

Ich bezweifele das. Weil ich mich dann gerade in diesem Moment fragen würde, was mir fehlt. Doch diese Stadt hat mir gezeigt, was alles ist, das für mich zählt. Und obwohl sich an einer Hand abzählen lässt, dass diese Durststrecke noch lange nicht überwunden ist, habe ich gewählt. In all diesen wichtigen Momenten habe ich mich immer wieder für dich entschieden. Ganz bewusst und im Wissen, dass ich sowieso nicht anders könnte als auf dich zu warten.

 

Darauf habe ich dir die Hand gegeben. Weil Worte manchmal augenscheinlich wenig wiegen, wenn man ihrer so viele macht. Wie ich jede Nacht am Schreibtisch, wenn ich diese Geschichten verfasse, die so viele da draußen lesen, die aber nur an dich gerichtet sind. Die versuchen, dich zu fassen, wo du mir immer wieder entgleitest. Manchmal schon am nächsten Morgen, manchmal erst nach drei, vier fünf Tagen, an denen ich nichts von dir höre.

Vielleicht gehöre ich wirklich zu den hoffnungslosen Fällen, die immer so tief fallen, weil sie Hoffnung sehen, wo andere den Sinn nicht verstehen. An etwas festzuhalten, das nie perfekt war und immer fehlerhaft. Wahrscheinlich, weil sie den Fehler machen, den Wert zu übersehen, den du für mich hast. Übersehen, dass es jedes Ziel wert ist, den harten Weg zu gehen. Denn auch das hat mir diese Stadt immer gezeigt. In anderen Zusammenhängen zwar, aber deutlich genug, um zu glauben, dass es nie verschwendete Zeit ist, an etwas zu hängen, von dem du weißt, dass es richtig ist. Selbst wenn du der Einzige bist.

 

Ich glaube daran, dass wir die Dingen verändern können, wenn wir ihnen treu bleiben. Denn was wir treu in unseren Herzen tragen, wächst mit uns, gerade wenn wir es über die langen Durststrecken retten. Über Wochen, über Tage, über Minuten – und über Sekunden, die sich dann und wann anfühlen wie eine Ewigkeit. Immer dann, wenn das Werden im Warten stecken bleibt. Warten, dass irgendetwas passiert, dass uns wieder ein Stück voran bringt. Auf dem weiten Weg zu unseren Träumen.

Für mich war es immer ein Traum, ein Buch zu schreiben. Und als er wahr wurde, wusste ich, dass ich das auch dir zu verdanken habe. Weil du immer der Anlass warst, abends an den Schreibtisch zu gehen, um eine dieser Geschichten über dich und mich aufzuschreiben, die sich in dieser Stadt abspielen, seit du mir über den Weg gelaufen bist.

Es waren diese Geschichten, die mich wieder auf die Autorenlisten gebracht haben, als mich keiner mehr auf dem Zettel hatte. Und es war ein langer Weg vom ersten Satz bis zum ersten Satzlauf dieses Buches. Gleichzeitig war es immer ein Wettlauf gegen die Zeit, gegen die Deadline.

So oft hatte das Schreiben unter Stress anfangs den Effekt, dass ich mal nicht an dich gedacht habe. Bis ich aus Affekt deinen Namen in das Manuskript geschrieben – und die Geschichte schließlich umgeschrieben habe. Bis du mich auf jeder Seite angelächelt, mich in den Arm genommen und mir Sachen gesagt hast, die ich gern mal von dir hören würde.

 

Das alles weißt du, und so wird das hier zuerst wieder eine dieser Geschichte für die da draußen, tief aus meinem Innersten, wo die Liebe für dich über all die Zeit gewachsen ist. Zu irgendetwas, das so groß ist, das ich es manchmal genauso wenig fassen kann wie dich. Immer dann, wenn ich mich frage, was wir eigentlich machen, ob wir es besser machen können – und wie ich dich, gesetzt dem Fall, davon überzeugen könnte. Die letzte Frage meiner Lektorin war auf jeden Fall unfassbar leicht zu beantworten: „Möchtest du eine Widmung?“

Wenn du ein Buch schreibst, dann hast du die einmalige Chance, deine Arbeit einer Person zu schenken. Symbolisch. Als unwiderrufliches Zeichen der Wertschätzung. Weil sich das gedruckte Wort genauso wenig umschreiben lässt, wie unsere Geschichte. Noch während ich mir die Für und Widers für die eine oder andere Widmung durch den Kopf gehen ließ, war mir bereits klar, was am Anfang dieses Werkes stehen soll:

Max aus Hamburg gewidmet.“

Weil es diese Stadt ist, die mich immer wieder zu dem bringt, was ich am meisten will auf dieser Welt, sogar wenn ich down bin, weil Oberkante Unterlippe verliebt: dich. Ich kannte dieses Gefühl nicht, bis ich nach Hamburg kam, bis wir uns zum ersten Mal küssten, bis mir irgendwann klar wurde, dass ich dir irgendetwas besonderes schenken möchte. Einfach damit du weißt, welchen Wert du für mich hast. Deshalb diese Widmung.

 

Herz drum, fertig

Brad Unterschrift

Mehr aus meinem Tagebuch – HIER!

Antworten

Teil mir Deine Meinung mit. Ich freue mich über Feedback!