Maryanto

Wenn du dein Leben verschwendest – nicht

Veröffentlicht: Samstag, 30. Mai 2015

Ich glaube, es gibt kein schlimmeres Gefühl, als jemanden zu vermissen. Weil es nie zu Ende ist. Weil es ist, wie es ist: Ein Kreislauf, den ich immer wieder kurz anhalte. An Abenden, an denen wir uns sehen. Und wenn ich dich morgens nicht loslassen will, dann vor allem, weil ich weiß, dass es dann wieder losgeht. Das Vermissen. Und mich noch tiefer in den Strudel reißt. Von Gefühlen, von Gedanken. Gelegentlich von maßloser Enttäuschung und entsprechenden Gegenmaßnahmen.

Ehrlich gesprochen: Wenn du in einer Nicht-Beziehung lebst, musst du nicht nur damit leben, nie genug zu bekommen, sondern auch damit, ständig in die Fresse zu kriegen. Gelegentlich sogar von deinen Freunden, die es eigentlich gut meinen, wenn sie meinen, du verschwendest dich und deine Hingabe. An irgendjemanden, der beides nicht verdient.

Zugegeben, es gibt Momente, in denen ich darüber nachdenke, ob sie Recht haben, wenn sie mir die Perspektive geben, einfach ewig zu warten. Auf den richtigen Moment, der vielleicht nie kommt. Ich kam nicht umhin, mich zu fragen: Wenn du weißt, dass es nur einen geben kann, könntest du jemals mit einem anderen glücklich sein?

Ich will keine Beziehung. Tatsächlich passen Bindungen derzeit überhaupt nicht in meinen Lebensplan. Und trotzdem plane ich mit dir. Weil du der Einzige bist, für den ich meinen Kreis durchbrechen würde. So entschied ich mich für diese ewige Achterbahn der Gefühle. Als sie sagten, ich solle aussteigen, setzte mich in die erste Reihe – und sah mir das Ding zwischen dir und mir einfach weiter an. Aus nächster Nähe zwar, und dich trotzdem immer ein wenig aus der Distanz.

Weil es so schwer ist, dich zu fassen. Gerade bei dieser Geschwindigkeit, in der wir uns seit zwei Jahren immer wieder aufeinander zu und voneinander weg bewegen. In diesem ewigen Kreislauf. Wie Kugeln beim Roulette, die manchmal zu meinen Gunsten liegen, manchmal nicht.

Im Grunde verhält es sich mit der Liebe ja auch wie mit einem Glücksspiel. Wer den Jackpot wirklich will, muss investieren und warten – und hat letztendlich nie Garantie. Dennoch spielen wir weiter. Weil niemand den Trostpreis nimmt, wenn er den Hauptpreis beim Namen nennen kann. Weil wir irgendwann zu viel investiert haben, um einfach auszusteigen.

Kann sein, dass das der erste Schritt in den emotionalen Bankrott ist, vielleicht aber auch nicht. Denn Menschen, die immer dazu raten, auszusteigen, wissen nicht, dass alles Festhalten an selbst gewählten Träumen nie ein komplettes Verlustgeschäft ist. Denn wir bekommen immer etwas zurück. In jeder neuen Runde des Kreislaufs. Wie eine laufende Rendite. Diese perfekten Momente an perfekten Abenden, an den wir ankommen – und wieder wissen, warum wir uns weiter festhalten, statt einfach loszulassen.

Wie Kugeln beim Roulette drehen wir uns also weiter im Kreis, auf verschiedenen Umlaufbahnen durch denselben Kreis, bis wir uns wieder begegnen, um zu investieren. In die nächste Runde, auf der nächsten Etappe Richtung Gesamtsieg.

Ich könnte auch gar nicht anders als dich zu lieben. Weil sich meine Gedanken immer um dich drehen, wenn auch oft einsam ihre Runden. Aber das ist okay, solange sich dieses Spiel nicht totläuft – oder wir zusammen aussteigen. Mit gebrochenem Herzen, oder nicht.

Ehrlich gesprochen: Wenn du in einer Nicht-Beziehung lebst, lebst du immer mit dem Risiko, schutzlos aus der Kurve zu fliegen. Aber eben auch mit der unerschütterlichen Hoffnung, den Kreis zu brechen, und das Vermissen zu beenden. Sonst hättest du dich längst für das Zweitbeste entschieden. Oder ich. Und dann würden wir das Leben wirklich verschwenden.

Herz drum, fertig.

Brad Unterschrift

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