Zum Welt-Aids-Tag läuft die Aktion Blogger gegen Aids - Zeigt Schleife und bietet mit - mehr Infos inside

HIV

Veröffentlicht: Mittwoch, 30. November 2011

Das erste Mal hatte mir bereits das Herz zerrissen. Das zweite umso mehr. Und es gab keine Erklärung. Weder für mich – noch für die anderen. Die war auch gar nicht mehr nötig. Denn manche Dinge lassen sich nicht ändern. Aber wir machen das Beste daraus. Lange gehörte auch ich zu den Menschen, die HIV für ein Gespenst auf dem afrikanischen Kontinent hielten. Maximal noch für den unwahrscheinlichen Fall, der beim Sohn der Großcousine einer Freunden meiner Mutter auftritt. Irgendwo. Wahrscheinlich haben die meisten von Euch schon einmal mit dem Feuer gespielt. Wir sitzen alle in einem Boot. Hetero, schwul, Frau, Mann. Egal.

In der Vergangenheit habe ich Interviews anlässlich des Welt-Aids-Tages geführt, in der kein einziges Mal das Wort „schwul“ fiel. Ein Fall ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Da erzählte mir eine Frau, die inzwischen seit 14 Jahren mit dem Virus lebt, wie sie sich im Alltag schlägt. Wie sehr sie ihre Medikamente körperlich fertig machten, wie erniedrigend es sei, wenn sie Zahnärzte als Patienten ablehnen. Aber auch wie sehr ihr Mann, der nicht infiziert ist, sie liebe. Das gibt ihr Kraft. Kraft, die sie braucht.

Die Biographien der Betroffenen sind verschieden. Vielleicht schwul. Aber nicht zwangsläufig. Ich habe meinen Bruder missioniert. „Man verhütet nicht nur, um ungewollte Schwangerschaften zu unterbinden“, habe ich ihm damals gepredigt. Wie große Brüder das eben so tun. Mit erhobenem Zeigefinger. Und mit Erfolg. Dabei hatte auch ich schwache Momente. Es gab vier Tage in meinem Leben, da war ich 100 Prozent sicher, infiziert zu sein. Vier Tage lang machte ich kein Auge zu. Vier Tage lang lief mein Leben immer und immer wieder im Zeitraffer vor mir ab. Dann legte sich ein Schalter im Kopf um.

Dabei weiß ich eigentlich, dass HIV kein Todesurteil ist. Ganz im Gegenteil: Ich kenne Leute, die ganz gut mit ihrer Immunschwäche leben. Das macht mich glücklich. „Bevor sie sich setzen, es ist alles in Ordnung“, sagte mir der Arzt nach den vier Tagen, die die längsten in meinem Leben waren. Ich verließ die Praxis heulend. Vor Erleichterung. Glück haben ist menschlich.

Trotz aller Freunde habe ich mir in diesem Moment die Schock-Kampagnen der 80er und 90er Jahre zurückgewünscht. Ich meine, zuletzt unterscheiden sich die Aufklärungsplakate an den Bahnhöfen nicht wirklich von Haribo-Werbung. Das gibt es Früchte zu sehen, viele bunte Farben und irgendwo Gummis. Eher als Randerscheinung. Manchmal kann es ruhig die Holzhammermethode sein. Lieber als vier Tage ein Brett vor dem Kopf.

Wenn Menschen morgen als Zeichen der Solidarität mit den Opfern der Immunschwächekrankheit wieder rote Schleifen an ihre Kleidung pinnen, werde ich besonders an zwei Menschen denken. Zwei Menschen, die verdammt gut aussehen, die beide gern Sport treiben und die sich beide sehr für Pasta begeistern. Zwei Menschen, die nicht besser oder schlechter sind als ich oder ihr. Auch nicht schlauer oder dümmer. Aber eben zwei Menschen, die in einem entscheidenden Moment Pech hatten. Pech haben ist menschlich.

Eines habe ich durch sie gelernt: Irgendwann bringen uns Fragen nicht mehr weiter. Antworten ebenso wenig. Manchmal geht es einfach darum, nach vorn zu schauen und weiter zu leben. Nicht so, als wäre nichts passiert, sondern im Wissen, dass da draußen Freunde sind. Denn das ist das Schöne am gemeinsamen Menschsein: Niemand ist unfehlbar, aber eben auch nicht allein.

HIER geht es direkt zu den Informationsseiten zum Welt-Aids-Tag.

(Think!)

UPDATE: Christians Statement zum Thema ” Safer Sex” HIER / Antwort an alle, die im Laufe des Tages Mails und Kommentare geschrieben haben HIER!

Aids geht uns alle an,

Um Geld für die Deutsche Aids Hilfe zu sammeln, haben viele deutsche Blogs eine große Charity-Aktion gestartet und versteigern Designermode und viele andere schöne Dinge für den guten Zweck. Nähere Informationen gibt es HIER bei Maurizio von Mau-Fashion, der „Blogger gegen Aids“ ins Leben gerufen hat. Danke dafür! Und ich checke gleich mal mein Konto. Will mitbieten!

Cococucina: Desinermode & Accessoires aus aller Welt

StylesYouLove: Denim Kleid aus der Derek Lam für eBay Kollektion in Größe 38

Sue loves NYC: Charity Leder-Armband von Dorothee Schumacher gesponsert plus passender Rosen Ring von One Orange Owl gesponsert

Zukkermaedchen: Charlotte Roche Buch mit Autogramm, gesponserter Schal von Vero Moda, gesponserter Cardigan und Tasche.

Jen-Gossip: Gesponserte Handtasche, Blacky Dress Ledergürtel, Schmuckset von H&M, Dior 5er Lidschatten Palette, M.A.C Paint Pot, zwei paar Schuhe und einige andere Sachen, die noch festgelegt werden müssen

Ein Zimnmer voller Bilder: zwei paar Schuhe und einige andere Sachen, die noch festgelegt werden müssen

NeverEverEver: eine Fake-Fur Winterjacke von S.Oliver, eine Schlangenlederclutch und blaue Herzchenballerinas

Isabelle Gloria: Designer inspired Cocktail Ring, Rouge Bunny Rouge ‘Feline Gaze’ Eye Pencil

I Vomit Triangles:Union Jack Print UK-Kleid, Accessoires-Set bestehend aus einem Rosenquarz-Anhänger und Schwalbenring

Comme Fraternité: vintage Jeansjacke von Lee, eine ganz alte Akten/Schultasche aus braunem Leder und WESC Kopfhörer (Ricky Powell – street photography – special edition) zusammen als Paket!

StylishKidsInRiot: Das ultimative Indie Package mit zwei Ausgaben vom INIDE Magazine, Fred perry Buttons, 2 Vinyl Platten (Simian Mobile Disco “Hustler” & Gossip “Yr mangled heart”) sowie dem SKIR Illuminati Lemur T-Shirt und ein T-Shirt von Blood is the new Black Patrick Jilbert. Und die Justice DVD “A Cross the Universe”

Josie Loves: Das “berühmte” Top von Jenny Humphrey aus Gossip Girl, Produkte aus der limitierten Les Rouges Or Kollektion von Dior und Armbänder von LeChat Vivi.

Mode4You: zwei WILDFOX COUTURE T-Shirts, Versace&H&M T-Shirt, OPI mini Nailgellackset

Leonie Rachel: Strick-Ketten-Schal von einer Jungdesignerin

My Berlin Fashion: schwarze Ledertasche von ESTELLE

The Limits of Control: Sammlung alter Vogue Zeitschriften + 1 Paar Buffalo Schuhe

I heart Berlin: “Cool Kids Can’t Die?” T-Shirt (unisex, oversized) + “Berlin Now” Buch

Fashionpuppe: Paillettenkleid und Mett & Greet mit Anna Frost

Art Director’s Diary: Topman-Schuhe und Buch “Savage Beauty” von Alexander McQueen

AnnieWear: Zara Jacke mit übergroßer Kaputze

Mia Fashionista: Pailettenkleid von Belounged

Berlin Fashion Fou: stylische Jutebeutel

Mexican Diary: Lederjacke von Tigha

Provinzkindchen: Ohrringe von JEWLSCPH

Ali Avenue: D&G Schmuck und Schuhe von Monki

Dudes and Chicks: Shopping-Gutscheine

Caught in Cloudland: High Geels von Asos und Buch

Les Neiges: Jeans von Castro Men

… Übersicht auch bei Style Taxi

Kommentare

  1. Gepostet von Coquette am Mittwoch, 30. November 2011

    Sehr schön und eindringlich geschrieben! Gerade was dieses Thema anbelangt, herrschen so viele Vorurteile:.Schwul— infiziert— Selber schuld! Krankheiten können uns alle treffen, einiges kann man beeinflussen, vieles leider nicht! Und im Ernstfall zeigt sich oft, was wirklich wichtig ist im Leben, und auf wen man zählen kann. Insofern birgt selbst der größte Schicksalsschlag auch ein Geschenk.: Das Leben intensiver zu leben und sich mit Menschen zu umgeben, denen man wirklich etwas bedeutet.

  2. Gepostet von Brad am Mittwoch, 30. November 2011

    Schöne Antwort auf meinen Text. Danke!

  3. Gepostet von Milli am Mittwoch, 30. November 2011

    Coquette ist nicht viel hinzuzufügen. Du hast mich im Herz und Bauch getroffen mit deinem Text. Bin bei dir und denke mit an an die, an die du denkst. Aber wie du schreibst: Ein Schicksalsschlag macht aus einem Menschen keinen schlechteren Menschen. Nur eben auch keinen besseren.
    PS: Die Kampagnen unserer Jugend wären tatsächlich nicht allzu verkehrt, es infizieren sich immer mehr blutjunge Mädchen.

  4. Gepostet von Brad am Mittwoch, 30. November 2011

    Ich habe mir auch jedes Jahr sagen lassen, dass die Infektionsrate deutscher Freuen merklich und stetig ansteigt, auch wenn diese Gruppe in absoluten Zahlen nicht die meisten Betroffenen stellt. Das mit dem PC-Virus ist tragisch. Alter!!!

  5. Gepostet von Floo am Mittwoch, 30. November 2011

    Sehr schön geschrieben Brad. *Gänsehaut*

    Wenn einfach mehr Menschen HIN- anstatt WEGschauen würden…

  6. Gepostet von Brad am Mittwoch, 30. November 2011

    Hi Floo, das gilt ja leider in vielen Lebensbereichen. Wie gesagt, wer ein wenig eigennützig helfen möchte, schaut einfach bei der Blog-Aktion vorbei. Werde später mal links dazu posten

  7. Gepostet von Peter am Mittwoch, 30. November 2011

    Worte können eine Waffe sein, auch und gerade wenn man für etwas gutes kämpft. Dein Text ist sicherlich einer der besten, die sich eine Aufklärungskampagne wünschen kann…..

  8. Gepostet von Leni am Mittwoch, 30. November 2011

    manchmal lese ich deinen Blog und bin ergriffen… falls dein Ziel ist, Gefühle zu transportieren – 100 Punkte!

  9. Gepostet von Anonymus am Mittwoch, 30. November 2011

    Hallo Brad,

    danke für diesen Blogpost. Hut ab und nochmals DANKE.

    Da ich mich selbst in der Fashion-Blogosphäre bewege, freue ich mich sehr, dass so viel Tiefgang auch bei uns möglich ist, die sich tagtäglich sonst mit Schnitten, Farben, Trends und Co. auseinandersetzen

    Ich bin selbst infiziert und lebe trotzdem “auf der Überholspur” ohne große Einbußen zu haben. Das ist heute glücklichweise mit den modernen Therapien möglich. Nichts desto trotz ist HIV eine riesige Gefahr, auf die immer wieder eindringlich aufmerksam gemacht werden muss.

    Dein Engagement und deine Courage, sich mit dem Thema hier auf sehr persönlichem und hohem Niveau auseinander zu setzen, ist sicher ein weiterer Schritt gegen die Stigmatisierung HIV-Infizierter und AIDS-Erkrankten in unserer Gesellschaft.

    Liebe Grüße und eine besinnliche Adventszeit für dich.
    Anonymus

  10. Gepostet von Brad am Mittwoch, 30. November 2011

    Mein Lieber,

    da Du selbst schreibst, wirst Du nachempfinden können, dass Feedback wie Dein Kommentar hier mich unglaublich glücklich macht. Ich kann wirklich nicht behaupten, Ahnung von Mode zu haben. Dieser Blog ist eher textlastig, deshalb habe ich den Fashion-Part gern den Kollegen überlassen.

    Wovon ich aber Ahnung habe, sind Makel. Wie jeder von uns. Ich bewundere Menschen, die offensiv mit ihren Andersartigkeiten umgehen. Ich gehöre nur bedingt dazu.

    Was Du als mutig bezeichnest, ist einfach mein Bedürfnis, Solidarität auszudruecken – gegenüber jedermann, der in irgendeiner Form an irgendeinem Ort anders ist. Weil auch mich diese Solidarität gestützt hat. Nicht im Fall HIV – aber wie gesagt hat jeder seine eigenen Standardabweichungen. Und ohne guten Zuspruch meiner Freunde und schlauen Zeitungsartikeln von klugen Menschen hätte mich die eine oder andere Krise wohl auch umgehauen. Und den positiven – auch wenn das Wort hier doof klingen mag – Esprit gebe ich gern weiter. Jeder tut das auf seine Weise. Ich eben in Texten. Ein Vermoegen, um der Aids-Hilfe regelmaeßig viel Geld zu spenden, habe ich nicht. So that’s my way of being supportive.

    Ich wuensche Dir alles Gute und hoffe, Du klickst mal wieder auf unserem Blog vorbei. Ich bin durchaus dankbar über Leser, die Plan von Fashion haben. Die könnten mich vor der einen oder anderen Stylingsünde bewahren ;) Auch schlechter Stil kann nämlich ein Makel sein. Aber wie bei HIV gilt: Jeder Makel liegt nur im Auge des Betrachters. Und ich glaube, dass die Menschen hierzulande toleranter geworden sind – hier und auch da.

    (Sitze im Zug, hoffe das Schriftbild vom iPhone ist nicht allzu übel)

    Stay fashionable ;)

    Braaaad

  11. Gepostet von Toni am Donnerstag, 1. Dezember 2011

    toller Text einfach nur. toll!

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