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Weil heute der schönste Tag deines Lebens ist

Veröffentlicht: Mittwoch, 18. Mai 2016

Zwischen Hamburg und München liegt immer mindestens eine Flugstunde. Daran hat sich nichts geändert, daran können selbst soziale Netzwerke, Google-Hangouts oder Megabite an via Whatsapp versendete Fotos nicht ändern. Wir schon gar nicht.

Ja, wir mussten uns immer richtig anstrengen, um Zeit miteinander zu verbringen. Egal ob wir gemeinsam in der Welt unterwegs waren, um Topmodels zu interviewen, um Modenschauen anzusehen, oder um über eine Messe zu gehen. Und wenn ich manchmal schmunzelnd an deine Hochzeit denke, wird mir immer wieder bewusst, wie lang Wege wirklich sein können, obwohl man sich so nah fühlt.

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Wir kennen es ja nicht anders. Schon während des Studiums sind wir aus verschiedenen Richtungen mit ICs und ICEs stundenlang zur Uni gependelt – und haben uns trotzdem nur über Umwege kennen gelernt. Über einen anderen Mann. Ich meine, hätte er dir damals nicht derart penetrant den Nacken massiert, hätte ich dich wahrscheinlich nie angesprochen.

Derzeit ist mein Nacken verspannt. Gestern derart schlimm, dass ich mir gegen acht eine Schmerztablette einschmiss und versuchte, einzuschlafen. Es war nicht das erste Mal, dass ich zuletzt völlig gegen meine Gewohnheiten gehandelt hatte. Tatsächlich stellte ich den Klingelton meines Handys in den letzten Tagen nicht wie gewohnt auf lautlos. Ich habe sogar während meines Sonntagabenddates immer wieder heimlich meine Messages gecheckt. Hat dem Typ nicht sonderlich geschmeckt, aber egal. Manchmal muss man Prioritäten setzen.

Milli, Brad (unt Tobi) sagen Danke für die schöne Zeit - und bis bald in Hamburg, Happy Family!

Milli, Brad (und Tobi) sagen Danke für die schöne Zeit – und bis bald in Hamburg, Happy Family!

So wie heute Morgen. Gegen fünf beschloss ich, mich an den Schreibtisch zu setzen, und etwas zu schreiben. An dich. Auf dem Blog, zu dem du mich mal überredet hast, und der vor lauter Liebeskummer, Arbeit und Feierei viel zu lange unberührt blieb. Obwohl ich immer wieder gesagt habe, dass es mal wieder an der Zeit wäre, irgendetwas zu texten.

Vorgestern habe ich tatsächlich versucht, ein paar Zeilen zu Papier zu bringen – um schließlich festzustellen, dass ich derzeit eigentlich gar nichts zu sagen habe. Nichts Neues zumindest. Bis heute Nacht.

Ich hatte das Handy im Halbschlaf gehört, deine Nachricht gesehen und sogar geantwortet, aber erst gegen vier Uhr morgens vollends realisiert, was wirklich passiert war. Und plötzlich hatte ich wieder so viel zu sagen. Vor allem, wie sehr ich mich für dich freue – und wie sehr ich es gerade bereue, damals nicht nach München gezogen zu sein. Dann hätte ich diesen wichtigen Moment in deinem Leben sicherlich nicht verpennt.

Milli und Brad

Gerade muss ich daran denken, was wir trotz aller Entfernungen alles miteinander erlebt haben. Zumindest hat es der Journalismus immer möglich gemacht, dass wir uns sehen. Auf Modenschauen, auf Fernsehaufzeichnungen, während Messebesuchen. Wir sind diese Wege so lange über die Distanz gemeinsam gegangen: die freie Mitarbeit bei Regionalzeitungen, das Publizistikstudium, die Praktika, die Großverlage – und so oft haben wir abends telefoniert, um uns zu erzählen, wie anstrengend dieser Job sein kann. In Berlin, in Frankfurt, in Hamburg oder in München.

Aber nicht in letzter Zeit. Entgegen unserer Gewohnheiten haben wir über Kinderkleidung gesprochen, über Kinderzimmereinrichtungen und natürlich über Kindernamen. Ich weiß noch, dass eine der ersten Nachrichten auf diesem Blog war, dass ich deinen Brautstrauß gefangen habe. Die viel schönere kann ich sechs Jahre später schreiben: Er ist da! Oder: Du bist Mama!

Du glaubst nicht, wie sehr ich mich seit heute Morgen um 4 Uhr für dich freue, wie ich plötzlich hellwach war und das gefeiert habe. Ganz für mich, fast 800 Kilometer entfernt von dir. Und gerade wünsche ich mir, möglichst bald in München zu sein. Weil ich weiß, dass das der schönste Tag deines Lebens ist. Und weil es deshalb auch meiner ist.

Ich vermisse euch so sehr hier oben – ab heute meine damit unbekannterweise euch drei. Wenn ich genauer darüber nachdenke, ist München ab sofort wieder direkt um die Ecke.

Alles, alles Liebe aus Hamburg,

kurz-unterschrift11

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