We had hope - Neuer Blog aus Hamburg

They had hope

Veröffentlicht: Dienstag, 12. November 2013

Es gibt Schlimmeres als hoffnungslose Menschen: Menschen, die mal Hoffnung hatten – und jetzt nicht mehr. Wie die Menschen, mit denen ich abhänge. Und während ich hoffnungslose SMS schreibe, sinnieren sie über ihren Blog. Den haben sie „We had hope“ genannt. Und ich denke mir immer, wenn ich in ihre leeren Gesichter schaue: „Die hatten mal Hoffnung, zur Hölle. Wie schön für sie. Hackfressen!“

Ich dagegen hatte keine Hoffnung. Nie. Niemals! Warum auch? Als ich ein Kind war, kam Tschernobyl über die Welt – oder das, was davon übrig blieb. Als ich Teenager war, kam Lady Diana unter die Räder, und als ich endlich erwachsen war, kamen zwei Flugzeuge nicht mehr runter. Weil sie irgendwo in zwei Türmen festhingen. Damals wollte ich türmen. Irgendwohin. Dorthin, wo die Welt besser ist als das, was vom Paradies übrig blieb. Ein Barbie-Haus mit Fenster zum Hof vielleicht? Nur nicht am Ground Zero, bitte! Danke…

Im Barbie-Haus von fotografin Mariel Clayton

Im Barbie-Haus von Fotografin Mariel Clayton

Aus der Distanz sieht die Welt immer schön aus. Wunderschön. Wahrscheinlich besonders schön, wenn wir am Ende aller Erwartungshaltungen auf der Fensterbank des Fensters zum Hof hängen und springen wollen. Am Ende springen wir trotzdem nie. Warum? Weil die Hoffnung zuletzt stirbt – und es ein schlechter Deal wäre, sich den Kopf vom Boden aufkratzen zu lassen, während die anderen sich im Kopf bereits mit deinem Erbe befassen – in der Hoffnung, dass du mehr besitzt als dämliches Lady-Diana-Merchandising.

Die meisten von uns hofften gerade noch genug, um nicht zu springen – und so warteten wir gemeinsam auf die nächste der vielen Katastrophen, die das Leben mit sich bringen sollte. Was mich betrifft: Robbie Williams Aus bei „Take That“ oder das Aus des Buffalo-Hypes, als ich plötzlich wieder sechs Zentimeter kleiner war als zuvor. Und das Outing, als ich plötzlich kleiner denn je mit Hut war – weil jetzt jeder peilte, dass das post-Tschernobyl-Gemüse meine Sinne degeneriert hatte; dass die Lady-Diana-Liebe nur eine Ausrede war, um nicht mit Diana aus der Parallelklasse knutschen zu müssen; dass ich die Live-Berichterstattung über den 11. September nur bemerkt hatte, weil ich im Vorbeigehen beim Staubsaugen zwei riesige Phallussymbole auf dem Screen gesehen hatte.

Mein Vater sagte immer, bei mir seien Hopfen und Malz verloren. Die Wahrheit war, ich hatte lange Jahre mehr Hopfen, Malz und Korn im Blut als Liz Taylor, Lindsay Lohan und mein prügelnder Nachbar zusammen. Denn ich hatte keine Hoffnung mehr. Bis zu jenem Tag. Der Tag, an dem Britney Spears füllig und gut befüllt über die Bühne der MTV-Music-Awards waberte. Weil ich plötzlich einsah, dass Tschernobyl auch an anderen Menschen meiner Generation nicht spurlos vorbeigegangen war – gleichfalls nicht der Alkohol; weil ich ganz klar sah, dass selbst Mädchen, die in einem Barbie-Haus aufwachsen, irgendwann fallen. Vielleicht nichts aus dem Fenster zum Hof, aber tief.

Es war diese „Gimme, gimme more“-tiefe Genugtuung live von der MTV-Bühne, aus der ich irgendwann doch Hoffnung schöpfte. Obwohl ich für die Kunst gelegentlich so tue, als hätte ich nie Hoffnung gehabt, als hätte ich Lady Diana nie geliebt, als hätte ich jemals aufgehört, heimlich Buffalos zu tragen. Das ist nur ein Trick, damit ich mehr Leser krieg. Und dann kriegte ich plötzlichen „We had hope“ auf den Radar.

Neuer Blog aus Hamburg: We had hope!

Neuer Blog aus Hamburg: We had hope!

Irgendwie wünsche ich meinen Kollegen ja, dass der Blog-Name ironisch gemeint ist wie mein Arschgeweih, dass ich, auweia, trotzdem nie wieder losbekommen werde – weil ich nicht will, dass sich jemand mit ‘nem Laser meinem J-Lo-Popo nähert. Zumindest nicht irgendwer. Und Ärzte daten ist leider voll Neunziger und gar nicht Laser, Digger!

Was die Neublogger betrifft, kann ich euch beruhigen: Hätten sie wirklich keine Hoffnung, wären sie bereits tot. Denn die Hoffnung stirbt zuletzt – erst wenn Mileys letzter String-Tanga zerfetzt und der letzte gutaussehende Typ besetzt ist. Dann werde ich mich übrigens wirklich umbringen. Weil ich mehr nackte Miley nicht ertrage.

Dann lest auf jeden Fall bei „We had hope“ weiter – lohnt sich, obgleich es das 45.769.995 Medium ist, dass Selena ‘Who‘ Gomez‘ Fotostrecke aus dem Flaunt Magazine verbreitet.

Menschen, die die Hoffnung verloren haben

Menschen, die die Hoffnung verloren haben

We hate Selena,

kurz-unterschrift11

Mehr aus meinem Tagebuch – HIER!

Kommentare

  1. Gepostet von Michi am Mittwoch, 13. November 2013

    Cool, dass dir unser Blog gefällt. Bist ein Süßer. Lust auf ein Pony?

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