Asshole

Warum wir Idioten antworten, statt ihre Nummern zu blocken

Veröffentlicht: Donnerstag, 26. Juni 2014

Seit sich sogar sehr intime zwischenmenschliche Kommunikation auf Kurznachrichten verlagert hat, musste ich kurzerhand feststellen, dass es nicht mehr erstrebenswert ist, immer das letzte Wort zu haben.

Denn dem anderen beim Texten das letzte Wort mitzugeben, bedeutet gleichzeitig immer auch, mit dem großen Schweigen danach zu leben. Und der großen Frage, was der andere jetzt denkt. Ob er gekränkt ist. Oder doch traurig.

Weil wir es eben nicht mehr mit einem Gegenüber zu tun haben, das die Augen rollt oder dem Tränen aus den Augen kullern. Heute ist der Coolere immer der, der das vorletzte Wort hat – und den anderen über seine Gedanken in der Schwebe lässt. Weil er weiß, dass der andere gerade mit dem Kopf über dem iPhone schwebt und auf zwei grüne Haken wartet. Im Idealfall auf eine Antwort.

Ich kam nicht umhin mich zu fragen: Warum antworten wir trotzdem? Vor allem auf Nachrichten, die tendenziell weniger eine Antwort als das Blocken einer Telefonnummer provozieren sollten.

Ich kämpfte zwei U-Bahn-Stationen gegen mein Selbstwertgefühl und sendete dann doch raus, was gesendet werden musste. Wohl wissen, dass die Antwort wieder zwei Tage brauchen würde; wohl wissend, dass ich mich bereits eine Station später tierisch darüber ärgern würde. Weniger über die vorerst ausbleibende Antwort als über die Schwäche, mit der ich mich gerade wieder dem großen Schweigen ausgesetzt hatte.

Denn seit sich sogar sehr intime zwischenmenschliche Kommunikation auf Kurznachrichten verlagert hat, ist sie phasenweise phänomenal ärgerlich, wobei dieser Ärger in drei Phasen verläuft:

1: Sich über eine Antwort ärgern.

2: Sich ärgern, warum man überhaupt auf die ärgerliche Antwort geantwortet hat.

3: Sich ärgern, warum eine Antwort ausbleibt.

Asshole

Aber warum antworten wir überhaupt? Antwort: Weil Worte Macht sind. Und wenn sie nur die Macht haben, jemandem zu sagen, dass er ein Arschloch ist.

Manchmal reicht das. Vielleicht für ein, zwei Stationen der U3. Das große Schweigen begann erst in der U2. Was soll ich sagen?

Enjoy the silence:

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Words are very unneccessary, the can only do harm,

kurz-unterschrift2

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