Lasse geht nach Bremen

Das Beste an Bremen ist nicht mehr die Autobahn nach Hamburg!

Veröffentlicht: Sonntag, 2. Juni 2013

Es hätte einer dieser großen Romanzen werden können. Eine dieser großen Romanzen, über die die Welt spricht. Wie die von Romeo und Julia. Oder von Britney und FedEx. Eine dieser großen Romanzen zwischen heißen Hanseaten und herrlichen Hessen, die das kosmische Karma, beziehungsweise die wahnsinnige Wohnungssuche in einer Großstadt ohne Leerstand zusammengeführt hat. Für immer.

Wurde es aber nicht. Grund: die Einsicht, dass es bestimmt sinnvoller ist, sich seine Nachbarn zu Freunden zu machen, als sich freundlich aber bestimmt an sie heranzumachen. Denn vielleicht muss ja mal eine Spinne aus der Küche getragen oder ein Rohr verlegt werden. Ein richtiges. Einmal hat er mir sogar seinen Bohrer ausgeliehen. Den richtigen. Ich habe ihn nie benutzt. Nett war’s trotzdem.

An der U4 Richtung Ueberseequartier Hamburg

So lebten wir in fröhlicher Freundschaft für zehn Monate fast Tür an Tür an der U2 und hofften gemeinsam, endlich mal eine U4 in den schönen Teil der Stadt zu erwischen. Lasse und ich. Wir feierten in den richtigen Clubs, aßen die richtigen Burger und dateten die falschen Leute. Fast immer gemeinsam. Das verbindet. Für immer?

Lasses Abschiedsbrief

Als mir Lasse meine Wohnungsschlüssel zurückgab, erwischte es mich eiskalt. „Lasse, lass mal!“, habe ich gesagt. Und traurig nachgefragt: „Du kommst doch ab und zu nach Hamburg zurück. Magst du ihn nicht gleich behalten?“ Denn Lasse musste gehen. Dorthin, wohin nur wenige Hamburger gehen, außer sie müssen: nach Bremen. Nicht für immer, zumindest aber für 18 Monate. Bremer statt Hamburger. Die Nordsee wird das amüsieren. McDonald’s weniger. Auch Hessburger auf dem Kiez nicht. Mich ebenfalls nicht!

Ein Hessburger auf dem Kiez geht immer

18 Monate sind eine lange Zeit. Genauer gesagt die doppelten Zeit, die Menschen an der U2 brauchen, um herauszufinden, dass die richtig guten Typen an der U3 wohnen. Oder an der S31. Lasse war eine Ausnahme. Er lebte in Hausnummer 31 mit seinen drei Breakdance-Moves aus dem Videoclip-Dancing-Kurs. Kurzum: Immer wenn ich es gerade überhaupt nicht erwartete, packte er sie aus. Die Moves. Egal ob Jeanette Biedermann lief oder tanzen gerade völlig absurd schien. Absurderweise hat er mit dieser Masche in den Bars mehr Telefonnummern bekommen als die Barkeeper – und meinen Hausschlüssel.

Ich wartete mal wieder allein auf die U4 Richtung HafenCity und beobachte am Berliner Tor frustriert, wie die richtig guten Typen von der U2 in die U3 wechselten, als Lasse anrief. „Das Beste an Bremen ist die Autobahn nach Hamburg“, sagte er. „Hier gibt es nicht einmal Zara!“

Da hatte ich Mitleid. Richtiges Mitleid.

Seither checke ich seinen Blog „Ein Hamburger in Bremen“ täglich, nur um zu checken, dass es ihm gut geht. Denn ich weiß ja, wie schwierig es ist, der Neue zu sein. Ich weiß, wie ätzende die Wohnungssuche in fremden Städten, das Freundefinden in fremden Betten und das bittere Erwachen in bekannten Stellungen sind, wenn wir viel lieber dort wären, wo wir uns wirklich zuhause fühlen. Bei unseren Lieblingsnachbarn. Die immer Eier haben oder einfach einen Hamburger von Burger King mitbringen.

Deshalb lieber Lasse: Lasse es krachen und leb’ dich gut ein! „Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende“, zitierst du Oscar Wilde auf deinem Blog. Deshalb noch ‘ne wilde Nachricht: Bremen bekommt demnächst ‘nen Zara.

So you can stay fashionable!

Ach, Lasse Holstenbeck… Holste’n back für mich?

Mehr aus meinem Tagebuch – HIER!

Kommentare

  1. Gepostet von Lasse Holstenbeck am Sonntag, 2. Juni 2013

    Danke, lieber Brad, für diesen herzerwärmenden Text! Da ist selbst im herbstlichen Bremen sofort wärmster Frühling!

    Ich hoffe, du schaust mal vorbei und dann finden wir zusammen die besten Burger Bremens (jetzt, wo die Fußgängerzonenproblemzone geliftet wurde; danke auch für den Hinweis! ;)!

  2. Gepostet von Brad am Sonntag, 2. Juni 2013

    Lieber Lasse, sollte Arnbautovic bei Werder bleiben, komm ich jedes Heimspiel :)

  3. Gepostet von Nathalie am Sonntag, 2. Juni 2013

    Tjaaa, und ich bin einer Bremerin in Hamburg – seit Ende 2007. Dein Kumpel wird Bremen lieb gewinnen! Keine Frage. Ist eine wirklich schöne Stadt. Keine Metropole wie Hamburg, aber gemütlich. Und die Altstadt ist süß. Und da jetzt auch noch ein Zara kommt: Wat willste mehr?

  4. Gepostet von Brad am Sonntag, 2. Juni 2013

    Na, wenn die ganzen schoenen Frauen wegziehen, wird Lasse bestimmt als unglücklicher Single enden ;)

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