Bloggger Brad Shaw

Tötet mich: Mein Marktwert ist DESASTRÖS!

Veröffentlicht: Sonntag, 7. August 2011

Es gibt Leute, mit denen man zu Stoßzeiten samstags nicht durch einen Club gehen kann, ohne dass sie einem an jeder Ecke irgendjemanden zeigen müssen, den sie mal flachgelegt haben. Damit untermauern die Erzähler nicht nur ihr eigenes Selbstverständnis. Vor allem steigern sie den Marktwert der Dritten. Denn menschliche Marktwerte werden doch vor allem von Rezensionen der anderen bestimmt. Trauen dürfen wir ihnen trotzdem genauso wenig wie jubilierenden Kundenberichten im Internet. Eben weil sie menschgemacht sind.

Das Problem liegt im Profilierungsdrang des Erzählers. Schließlich möchte er uns mit seinen Geschichten kein home entertainment, sondern vor allem sein Image als toller Hecht verkaufen. Da ich selbst viele Jahre viele Geschichten zu erzählen hatte, weiß ich: Weil sich Hecht eben nur mit Hecht und nie mit Flunder brüstet, bleibt der Marktwert eine ziemlich oberflächliche Größe.

Wie berechnet sich der Marktwert?

Ich will mich wie gesagt gar nicht ausklammern. Zugegeben: Ich habe ein paar Jahre gebraucht, um einzusehen, dass sich der wahre Wert eines Menschen nicht aus der Formel

(Fitness-Studio-Aufwand + Style-Note + PS des Autos) : Alter

ergibt. Glücklicherweise habe ich diese Milchmädchenrechnung jüngst entlarvt.

Ich seh‘ in dein Herz

Eigentlich sollten wir samstags durch die Clubs ziehen und zu unseren Jungs sagen: „Hey, der Typ da drüben ist ein richtig netter!“ oder „Man, die Frau da hat ein richtig gutes Herz.“ Dass das nie passieren wird, liegt schlicht an den Gesetzen des Marktes: Charakterliche Vorzüge sind den optischen unterlegen, weil zumeist derart unsichtbar, dass als Accessoires fürs Ego völlig unbrauchbar. Und deshalb sind sie wenig gefragt. Über jemanden zu sagen, er sei ein netter Kerl, klingt heutzutage ohnehin mitleidig, wenn nicht sogar beleidigend!

Dauerdater = Dauersingles

Gestern habe ich einem Freund, übrigens ein echt netter Typ, auf die Frage, warum er trotz Dauerdatings Dauersingle sei, Folgendes geantwortet: Weil aus Unverbindlichkeiten nichts entsteht außer ein größeres Ego. „Und sie wissen nicht, was sie verpassen!“

Sexy aber irgendwie voll arm

Fatal ist, dass sich selbst allgemein als attraktiv anerkannte Zeitgenossen ins Abseits katapultieren, sobald sie beginnen, nett zu sein. Einfach, weil sie damit die gewisse Verbindlichkeit ausstrahlen, die die Schlampen im Club stets mit ihrer Unkompliziertheit und dem Quäntchen too much Dekolletee ausstechen. „Arm aber sexy“ wird schnell zu „Sexy aber arm“ – eine Akzentverschiebung, über die man kurz nachdenken sollte.

Mein Marktwert: desaströs!

Ich habe mir die letzten Tage viele Gedanken über meinen Marktwert gemacht. Und als ich oben genannte Formel anwendete, las sich das Ergebnis derart desaströs, dass ich mir sofort die Pulsadern aufschneiden wollte. Ich ließ es bleiben, denn in letzter Minute fiel mir ein: Ich bin ein netter Typ. Und ich habe ein gutes Herz.

Das endlich öffentlich zuzugeben, zerstört vielleicht jenes Image, das ich an jedem Abend, während dem ich gekonnt gelangweilt durch Clubs gezogen bin, mühsam aufgebaut habe. But you know what? Ich bin verdammt stolz drauf! Heute kenne ich nämlich die wahre Marktwertformel:

Herzensgüte + Nettigkeitsfaktor + X = Marktwert

… wobei X die Variable ist, die die individuellen Attribute des Probanden einbezieht. Beispielsweise Humor – oder sexy Beine.

Startet die Wertedebatte

Wahrscheinlich sollten wir uns regelmäßig selbst sagen, dass unsere wahren Qualitäten auch außerhalb von Laufstegen und Schlafzimmern relevant sind.

Am besten jeden Samstag um 22 Uhr und mittwochs nach dem Aufstehen. Auf jeden Fall mindestens so oft wie wir über die Schlampen mit dem Fick-mich-Dekolletee schimpfen (which is in fact quite often).

Dann verkaufen wir uns vielleicht zukünftig zu unserem tatsächlichen Marktwert. Und vor allem nicht mehr unter Wert.

 

Übrigens: Wenn X mit Liebe gleichzusetzen ist, tendiert der individuell zugeschriebene Marktwert IMMER gegen unendlich. Selbst wenn bei Herzensgüte und Nettigkeitsfaktor Verbesserungsbedarf besteht. Und das ist die eigentlich gute Nachricht des Tages: Ich bin Mathematiker – der erotischste, den ich kenne.

Deshalb für alle, die ihn hören wollen, einer der schönsten Dein-Marktwert-ist-so-hoch-für-dich-geh-ich-durchs-Feuer-Songs ever written (Video HIER).

Macht eure Rechnung nie ohne Brad, vor allem: rechnet – bitte mit der richtigen Formel,

PS: Ich habe gar kein Auto…

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Kommentare

  1. Gepostet von CD am Sonntag, 7. August 2011

    Auf jeden Fall richtig… aber nicht sooo passend für meine momentane Situation. Im Gegenteil, im Grunde ging es mir besser als ich die oberflächliche Berechnungsformel genommen habe. Da war ich vor so einem emotioalen Super-GAU wie gerade jetzt verschont.
    Erst das Anwenden der Formel mit dem “X” macht wirklich verletzbar.

    Schlaf gut!

  2. Gepostet von Conny am Dienstag, 9. August 2011

    Wahre Worte! Weise Worte!

  3. Gepostet von Brad am Dienstag, 9. August 2011

    Nna, das hoffe ich doch

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