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Boytoy-Bonus: Zehn Euro

Veröffentlicht: Freitag, 4. Mai 2012

Da stand ich also in der engen Umkleidekabine, halb in Schockstarre, halb davor, mir die Klamotten hysterisch wieder vom Leib zu reißen. Dabei saß die Hose perfekt. In der GQ hatte ich gelesen, dass Sportswear die neue Clubwear ist – jetzt endlich auch außerhalb der Hauptstadt. Scheißt auf Schickimicki. „In diesem Sommer braucht man etwas mehr Mut“, mahnte der Style-Guide. Wenn das so ist, dachte ich mir, müssten die Sweatpants wenigstens tight sitzen. Hemden in hängenden Hosen hätten wenig Anziehungskraft, dachte ich weiter und schritt mutig zur Kasse. Jetzt hoffe ich, dass die Türsteher vor den Clubs to be weiterhin nur Ausweise und keine Hosenetiketten kontrollieren. Auf dem meiner neuen Sweatpants steht nämlich „Boys – 12/13 years“. Tight sind sie allerdings. Aber hallo! Und Dirty.

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Der Jugendwahn stellt uns täglich vor große Herausforderungen und setzt Menschen jenseits der 25 minütlich unter Druck. Wir hätten gern die frisch-naive Ausstrahlung von Teenagern zurück und am besten noch ihre Haut. Aber sobald uns irgendwas aus der anderen Welt wirklich steht, ohne unnatürlich berufsjugendlich auszusehen, ist es auch nicht recht. Siehe meine Sweatpants. Oder Demi Moore.

Wann ist ein Mann ein Mann?

Sich zu beweisen, ein ganzer Mann und eben kein Boytoy zu sein, scheint naiv aber unvermeidbar, Ashtons: in der Videothek einen Porno ausleihen, zuhause zwei Liter Bier trinken, Fußball gucken – Oh, sehen die Jungs auf dem Platz heute wieder hot aus – und dann rülpsend ins Bett fallen, neben dem auf einer kleinen Kommode natürlich der Playboy als Nachtlektüre liegt. Zwar nur pseudo, aber was ist schon echt in einer Welt, in der Jugend mit etwas Puder und etwas mehr Photoshop künstlich zurückgeholt werden kann? Und das ist auch gut so!

Die unerwartet unattraktive Situation im Nike-Store zumindest versetzte mich augenblicklich in mein dreizehntes Lebensjahr zurück: Im Radio liefen Rednex, DJ Bobo und die Kelly Family, auf den Straßen liefen uns Grunge-Opfer und Techno-Freaks entgegen und wir selbst liefen jeden Tag Gefahr, zur spät zur Schule zu kommen, weil wir uns irgendwo noch irgendwie einen Eiterpickel ausdrücken mussten. So attraktiv erschien es dann trotz aller Eitelkeiten gleich doch nicht mehr, wieder Teenager zu sein. Spätestens, seit wir gelernt haben, Pickel perfekt zu überschminken.

Mit 13 ging ich übrigens noch davon aus, dass der weitere Verlauf des Teenagerdaseins wie in „Beverly Hills 90210“ vonstatten gehen würde. Mit 14 erkannte ich den Fehler und wollte mich umbringen. Dann entschied ich mich für das Leben ohne Pool und Prada-Pants. Jetzt habe ich den Salat – und die Sweatpants.

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Noch einmal Teenager sein?

Aber wieder Teenager sein? Liebesbriefe schreiben, Billigalkohol trinken, mit Gewichtsschwankungen kämpfen und sich jeden Donnerstag hässliche Nackte in der Bravo ansehen müssen, um mitreden zu können… Klingt wenig tight.

Vielleicht ist es völlig in Ordnung, nicht mehr 13 zu sein – und trotzdem genauso in Ordnung, Sweatpants für Dreizehnjährige zu kaufen. Spart nämlich Geld: Mit den gewonnen zehn Euro Berufsjugend-/Boytoy-Rabatt hätte ich auf dem Nachhauseweg einen Porno ausleihen, zwei Bier und und gleich noch den Playboy kaufen können. Es wäre sogar noch Geld für einen 99er bei Burger King übrig geblieben. Wollte ich aber nicht.

Ich entschied mich dafür, den Zehner in einen guten Concealer zu investieren. Denn wenn ich demnächst schon in Kinderhosen tight vor dem Türsteher ausharren muss, will ich ihn wenigstens mit den strahlenden Augen eines Teenagers anschauen, der gerade sein schlechtes, aber immerhin erstes Mal hinter sich hat. Dabei werde ich sicherlich feststellen, dass sich der Türsteher seine Thirty-Something-Realität sicherlich auch anders vorgestellt hatte.

Wenn ihr die Investition für völlig absurd haltet: Try walking in my pants!

Let’s play, boys & hold tight,

mehr aus meinem Tagebuch – HIER!

Kommentare

  1. Gepostet von Lu am Samstag, 5. Mai 2012

    ich kaufe auch manchmal in der kinderabteilung und spare :)

  2. Gepostet von Sebastian am Samstag, 5. Mai 2012

    sieht süß aus

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