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SM-Spielarten: Wie ich widerwillig Besitz eines 25-Jährigen wurde

Veröffentlicht: Sonntag, 11. September 2016

Ob wir es wollen, oder nicht. In der Liebe geht es nicht nur um Idealismus. Im Grunde ist sie in starkem Maße materialistisch angelegt. An eben diesem Punkt, an dem es irgendwann um „Für immer mein, für immer dein“ geht. Um Besitzansprüche. Denn irgendjemand hat immer die Hosen an…

Gesetzt den Fall, dass ich bis gestern Morgen wirklich in einer Beziehung war, habe ich das Ding wohl versaut. Vielleicht, weil der Grund für diese bemerkenswerte Bindung nicht romantischer, sondern versauter Natur war. Nach einer Woche hervorragendem Sex kam ich nicht mehr umhin mich zu fragen: Könnte ich eine Beziehung ohne für immer SEIN, für immer MEIN führen, die lediglich den Gesetzen von SM folgt?

Ich war nicht der Stimme meines Herzens gefolgt, sondern einfach meinem Hedonismus, meinen Hormonen vielleicht, höchstwahrscheinlich einfach der Frage, ob Bindungen, wie sie uns in „Fifty Shades of Grey“ vorgelebt werden, wirklich zu einem Zustand der vollendeten Erektion dank völliger Ergebung führen können, oder einfach nur zu gähnender Langeweile.

Nicht, dass mein Liebesleben zuletzt langweilig gewesen wäre. Ganz im Gegenteil eigentlich. Einerseits habe ich die längst liebevolle Freundschaft-Plus mit dem neuen Max, aber bis gestern verfolgte ich eben auch dieses Ding mit Dennis. Und das hatte tatsächlich einen gewaltigen Haken: Er hatte mich am Haken. Beziehungsweise befand ich mich plötzlich in einer dieser Beziehungen, in denen uns eben nicht das Anspruchspaket konventioneller Beziehungen zu Füßen gelegt wird.

Ganz im Gegenteil: Ich trat, wenn auch nur zum Schein, sämtlichen Anspruch an ein selbstbestimmtes Leben ab – und legte mich ihm zu Füßen. Einfach weil ich weiß, dass der beste Sex doch immer im Kopf stattfindet, dass guter Sex bindet – und weil ich guten Spielchen noch nie widerstehen konnte.

Fantasien erfüllen

Es ist doch so: Vieles, was wir im Leben tun, ist einzig darauf ausgerichtet, Fantasien zu erfüllen, Träume wahr werden zu lassen. Manchmal die eigenen, manchmal die der anderen. Zum Beispiel die Fantasien derer, mit denen man unglaublich guten Sex hat.

Da ich längst aufgehört hatte, von der perfekten Beziehung zu träumen, brach an diesem Mittwoch Ende August keine Welt für mich zusammen. „Willst du mein Eigentum sein und nur noch tun, was ich will?“, fragte Dennis mit gewohnt strengem Tonfall und  ergänzte nach einer kurzen Pause: „Du darfst dich dann auch nicht mehr mit anderen treffen, außer ich erlaube es dir!“

„Wenn’s dich geil macht…“, dachte ich in der Hoffnung, dass eine mündliche Zustimmung vor keinem Gericht dieser Welt bestehen könnte, und sagte: „Ja, ich will!“ Chardonnay für alle sozusagen. Klang ziemlich romantisch und hatte den positiven Aspekt, dass alle Fragen nach dem aktuellen Beziehungsstatus zu unser beider Zufriedenheit vom Tisch waren – und wir wenig später in der Kiste.

Absurd, aber wahr: Ich war ich wieder in einer Beziehungskiste, fest davon überzeugt, dass es überhaupt keinen Sinn machen würde, dem neuen Max über Dennis‘ Offerten reinen Wein einzuschenken. Bis mir letzterer vergangenen Freitag den nächsten Haken an unserer kleinen, geheimen Beziehung präsentierte:

Er wolle, so schrieb Dennis mir per WhatsApp, dass ich meinen Status auf sämtlichen sozialen Netzwerken sofort von „Ich bin Single“ zu „Ich bin vergeben“ ändere. Nachdem ich zumindest in Bezug auf seine Forderung, den Satz, „Ist jetzt Eigentum von Dennis“, in meine Dating-Portal-Profile einzuarbeiten, die Eier gehabt hatte, mein Veto einzulegen. Ich folgte. Im ersten Fall seinen Forderungen, im zweiten meinen Eiern. Insgesamt betrachtet war der ganze Zustand ein Martyrium, kein Spiel mehr.

Matchwinner

Wenn du zwei Bälle im Spiel hast, ist es manchmal ziemlich schwer, sie flach zu halten. Weil es schwer fällt, sich gleichermaßen auf beide zu konzentrieren. Besonders, wenn sie in verschiedene Richtungen rollen. Dennis wollte also ERNSTHAFT den langen, sicheren Pass Richtung Zukunft spielen, Max einfach locker ein paar Pässe im Mittelfeld kicken. Und beide wollten mich wegflanken.

Nun bin ich niemand, der das Spiel gern aus der Hand gibt. Schnell wurde mir klar, dass es ziemlich schwierig ist, in einer SM-Beziehung mit dem einen, und in einer Nicht-Beziehung mit dem anderen zu sein. Wirklich ein ziemlich anstrengendes Unterfangen ist. Unter Umständen, weil mir bewusst wurde, dass ich nicht Single in sonderbaren Beziehungen geworden bin, um mir von irgendjemandem Vorschriften machen zu lassen.

Dennis hatte sich mit seiner Fantasie direkt ins Aus katapultiert, über die Seitenlinie hinaus aus meinem Fokus.  Der Gang dieser Partie lies also nur einen wünschenswerten Spielzug zu: Den Ball, den er vor ein paar Tagen noch zielsicher Richtung Tor geschossen hatte, jetzt in seinen eigenen Strafraum zurück zu flanken, damit Max einlochen und so zum Matchwinner werden zu lassen. Lasst es mich so sagen: Weil das Gefühl von Verpflichtet-Sein nach den letzten drei Jahren das Allerletzte ist, was ich will.

Will sagen: Ich bin nicht der Typ für SM-geartete Beziehungen. Das mit dem neuen Max und der neuen Nichtbeziehung passt derzeit einfach besser in meinen Lebensplan als eine Bindung, die mich einschränkt. Also verwies ich Dennis in seine Schranken.

Lasse, der dieses Spiel die letzten Wochen gespannt mitverfolgt hatte, kam nicht umhin, mich zu fragen: Konntest du dir wirklich vorstellen, das Eigentum eines 25-Jährigen zu sein?“ – „Hat mich einfach angemacht“, antwortete ich grinsend, „war mehr Schein als Sein.“

Nein, ich konnte nicht Anastasia Steele sein. Ich bin bereits Beyoncé Knowles, you know?!“

Zumindest habe ich für meine alte, neue Freiheit ziemlich guten Sex aufgegeben.

Ladies, it ain’t easy being independent…

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