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Shakespeare für Fortgeschrittene: “To-be or not To-be”

Veröffentlicht: Dienstag, 20. Oktober 2015

Als Shakespeare seinen „Hamlet“ schrieb, war er vielleicht besoffen und ahnte gar nicht, dass sich viele Menschen seit 400 Jahren diese Frage stellen; was die Schulliteratur in uns auslöst. Die Sinnfrage: „To be or not to be?“

Ich will mich da gar nicht ausnehmen. Schon gar nicht, seit ich verkatert aus meinem liebestrunkenen Sommernachtstraum erwachte und die Welt wieder nüchterner betrachte.

Aber wollte er sie wirklich? Diese Nüchternheit? Shakespeare, der die kitschigsten Romanzen und die kältesten Morde zu Papier brachte. Sicherlich nicht!

Spätestens seit ich selbst ein Buch geschrieben habe, bin ich mir sowieso sicherer denn je, dass jeder Versuch, Literatur zu interpretieren, höchstens ein Annährungsversuch an die viel gesuchte Intention des Autors sein kann.

Umgekehrt ist sich dieser nicht immer wirklich darüber bewusst, welch großen Effekt ein kleiner Satz beim Leser auszulösen vermag. Manchmal ganz banale Sachen, wie ein Lachen. Bei jemandem, dem du liebend gern den Feierabend rettest.

The moment when cute guys from the hood read your book. Made my day

Posted by BradSticks – Lifestyle-BLOG on Dienstag, 20. Oktober 2015

 

Um 19.15 Uhr rette mir so eine Statusmeldung, die um 18.50 Uhr irgendwo auf der Strecke zwischen Altona und dem Jurassic Park dieser Stadt geschrieben worden sein musste, gleich den ganzen Abend.

Dabei war ich mir nicht mal sicher, ob sich der Verfasser darüber bewusst war – bevor ich mir darüber bewusst wurde, dass das auch gar nicht wichtig ist. Weil das Wesen des Schreibens jenseits der Nachricht meistens weniger ist, etwas zu vermitteln, als etwas auszulösen.

Manchmal geschieht das unbewusst bis ungewollt.

So löste ich mich von der nüchternen Frage nach dem „To be“ or not „To be“, strich den Shakespeare in mir hastig doppelt durch, rückte die Dinge in meinem Kopf anschließend wieder gerade und landete schließlich bei „To-be or not To-be“.

„To-be or not To-be“ – Während ich mir das grafische Ergebnis meiner Auseinandersetzung mit Shakespeare genauer ansah, dachte ich an die Nachricht, die mir mein Ex-Freund Tobi am Samstag um 17.45 Uhr geschickt hatte:

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Ich las mir erst die Nachricht vom Wochenende und dann die Statusmeldung von 18.50 Uhr noch einmal durch. Dann stimmte ich Tobi zu.

Ich meine, wer würde schon der Staatsgewalt widersprechen? Besonders, wenn sie sich mit einem nachdrücklichen Ausrufungszeichen an dich wendet. Ich nicht. Nicht wirklich.

An diesem Abend kam ich wirklich spät nach Hause. Und war trotzdem nicht müde. Also setzte ich die Partybrille auf, die ich beim Aufräumen am Samstag neben der Kaffeemaschine hatte liegen lassen, und hatte einfach gute Laune.

Zugegeben: Rosarote Brillen kamen auf diesem Blog bisher IMMER schlecht weg. Weil sie uns die Nüchternheit nehmen, wenn es um die Beantwortung der großen Sinnfragen des Lebens geht.

Andererseits: Wir müssen die Dinge ja nicht immer sinnbildlich nehmen. Warum nicht öfter einfach wie sie sind – Gute-Laune-Garanten. Wie die „Pyramus und Thisbe“-Episode im „Sommernachtstraum“.

Denn, hey! Ich war wieder bei Shakespeare. Shakespeare, der von geilen Waldteufeln und Sexy-Sein unter dem Balkon geschrieben hatte. Oder im „Sommernachtstraum“ über Menschen, die in all den wahnwitzigen Irrungen und Wirrungen des Lebens die Suche nach dem Wahren nicht aufgeben.

Dieser William Shakespeare hätte sicherlich nicht gewollt, dass sich seine treuen Leser ständig mit schweren Gedanken herumschlagen und dabei das Shaken vergessen.

Ich legte den Tunnelblick ab und drückte mir die rosarote Partybrille tiefer ins Gesicht. Wie damals in den 90ern auf Raves in stillgelegten Tunneln.

Aus der Stille der Frage nach der Sinnhaftigkeit wurde in meinem Ohr plötzlich dieser Track, der damals gelegentlich lief, und an den wir uns heute erinnern könnten, wären wir damals nicht immer so besoffen gewesen:

Denn das Wesen der Literatur ist das gleiche wie das der Musik. Sie will etwas auslösen. „Kaum eine Woche zurück an der Schulliteratur und ich benehme mich wieder wie ein Teenager in der Hochpubertät“, dachte ich. Grinsend. In dieser Nacht kam ich nicht mehr runter.

Was wir daraus lernen: Wenn du wissen willst, wie die Dinge wirklich sind, streiche die schweren Sinnfragen doppelt durch, rücke die Gedanken in deinem Kopf wieder gerade und dann shake. Wie Will Smith – mit William Shakespeare im Kopf.

Ach ja, und dann mach‘n Herz drum. Fertig!

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