Wort zum Sonntag Seitenwechsel Pastoralreferentin Verena Maria Kitz

Fremdschämen: Seitenwechsel beim “Wort zum Sonntag”

Veröffentlicht: Sonntag, 15. Juni 2014

Nachdem ich gerade die Reaktionen im Netz gelesen habe, bin ich beruhigt, dass ich nicht der Einzige war, dem in der Halbzeitpause „Italien gegen England“ beim Wort zum Sonntag kurz die Knabbereien in der der Kehle stecken blieben.

Bis heute morgen fühlte ich mich nämlich wirklich schlecht, die grundsätzlich richtigen und wichtigen Worte der Frankfurter Pastoralreferentin Verena Maria Kitz belächelt zu haben.

Das Wort zum Sonntag Fußball Seitenwechsel


Kitz äußerte sich in ihrer Kurz-Predigt zu den Favela-Protesten in Brasilien, auf der darüber liegenden Ebene um Ungerechtigkeit – die ungleiche Verteilung von Privilegien auf dieser Welt. Wohl wissend übrigens, dass „sie es mit einem flüchtigen Publikum zu tun hatte“, wie Spiegel Online treffend schreibt:

Halt! Laufen Sie nicht weg jetzt gleich zum Getränkeholen für die zweite Halbzeit! Ich möchte Ihnen was sagen. Die Spieler in Manaus würden in der Kabine ja auch gerade – Achtung, höhö! – ins Gebet genommen. Und für die Zuschauer gebe es das Wort zum Sonntag.“

Als Aufhänger diente Kitz der Seitenwechsel als große Metapher für das Leben. Prinzipiell alles richtig gemacht, nämlich den Rezipienten dort abgeholt, wo er sich gerade befindet.

Nur mag der Ausdruck ihrer Überraschung über den Seitenwechsel – „Huch, die spielen ja auf das falsche Tor“ – erstens die Befindlichkeiten aller geweckt haben, die meinen, Frauen sollten nicht öffentlich über Fußball sprechen, geweckt haben; und zweitens klang die inhaltliche Brücke derart an den Haaren herbeigezogen, dass man sich selbige im weiteren Verlauf des Vortrags nur noch raufen konnte.

Ich fühlte mich quasi genötigt, schnell zum Kühlschrank zu rennen, um mich nicht weiter fremd schämen zu müssen.

Dennoch möchte ich der Grundbotschaft der Pastoralreferentin, die ja im Grunde alles richtig gemacht hat, nicht alle Wichtigkeit absprechen. Ganz und gar nicht. Schade eigentlich, dass die Form den Inhalt in diesem Fall völlig verdorben hat. Andererseits hatte das Wort zum Sonntag am Second Screen wahrscheinlich lange keine so große Aufmerksamkeit mehr.

Die ARD nahm es mit Humor. Und ihr wollt es doch auch, oder?

Das Wort zum Sonntag Seitenwechsel

Mit Klick auf das Foto kommt ihr zum Video!

Bleibt formvollendet,

kurz-unterschrift11

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Kommentare

  1. Gepostet von Charlotte am Sonntag, 15. Juni 2014

    Ich glaube mir ging’s ähnlich wie dir. Die Verpackung und die überschwänglich gekünstelte Mimik waren einfach zu viel. Dabei war die Message dahinter gar nicht schlecht. Aber vielleicht brauchte einfach diesen schlechten Aufhänger, um mitten in der Nacht noch die ungeteilte Aufmerksamkeit der Fußball-Anhänger zu erheischen. Schade nur, dass die eigentliche Message auf der Strecke bleibt.

    Liebste Grüße
    Charlotte

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