Maryanto Fischer

Schizo-Shit: Me, I am Maryanto

Veröffentlicht: Mittwoch, 4. Juni 2014

Dieser Text könnte genauso „Me, myself & Brad“ heißen. Heißt er aber nicht. Er titelt „Me, I am Maryanto“, weil es hier nicht darum geht, wer ich nicht bin, sondern wer ich wirklich bin. Weil ich meine, dass wir nach über drei Jahren und 1033 Texten Tacheles reden können. Auf diesem Blog. Über mich und mein Leben im Bett mit Brad. Wo wir jeden Abend gemeinsam einschlafen und jeden Morgen gemeinsam aufwachen. Manchmal sogar zu dritt. Zum Beispiel heute Morgen.

Alter ego, Alter!

Ursprünglich war Brad als Alter ego angelegt. Meine böse Seite, die mir nur dann ähnlich ist, wenn ich besoffen bin. Weil Brad immer sagte, was ich lediglich dachte – und erst nach dem fünften Wodka angesprochen hätte. Dann allerdings ausgesprochen explizit und schonungslos. Das war er – und da war dann noch ich. Weil einen Menschen manchmal nicht nur ausmacht, was er sagt, sondern vor allem, was er nicht sagt.

Sagen wir mal so: Je mehr ich mich beim Schreiben meines Buches mit teils fiktiven Charakteren befasse, desto bewusster wird mir, dass sich Brad und Maryanto im Grunde gar nicht so strikt voneinander trennen lassen wie ursprünglich gedacht. Weil beide vom Leben gefickt werden. Und zurück ficken. Mit vereinten Kräften. Wir erzählen die gleichen Geschichten lediglich anders. Der eine hinter verschlossenen Türen, der andere öffentlich.

Maryanto. Das ist übrigens mein Name, den ich manchmal ablege, wenn ich bei Starbucks eine Latte ordere. Weil ich den Weg von der Bestellung in meinem Mund nicht durch viersilbiges Buchstabieren verkomplizieren will. Dann nutzte ich meinen Zweitnamen, der übrigens nicht Alejandro – entstand in einer Gaga-Laune – lautet, sondern Sebastian. Sprich: Basti. Wollte ich so.

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Klingt zuerst nach stürmischer Schizophrenie, ist es aber nicht. Nicht mehr. Nicht mehr seit ich eingesehen habe, dass mein Dauerdate mit Brad irgendwie dazu geführt hat, dass wir miteinander verschmolzen sind – was, nebenbei gesagt, ja der erstrebenswerte Ausgang jedes Dates ist. Zumindest für Romantiker. Und so sehr wir uns manchmal auch bemühen, das zu verbergen – im Grunde sind sowohl Brad als auch ich hoffnungslose Romantiker. Obwohl wir das abends im Bett nicht immer raushängen lassen. Zum Beispiel, wenn wir zu dritt sind.

Es gab diesen Zeitpunkt auf diesem Blog, da wurden die Texte persönlicher. Echter. Weil die Kunstfigur Brad endlich klar kam – und aufhörte, sich in „Hey ho, here we go!“-Phrasen zu ergießen. Sie bediente sich fortan lieber der lyrischen Sprache. Mit all ihren Stilmitteln, die schnell Mittel zum Zweck wurden, um Brad nicht mehr ganz so bad aus dem Hoodie schauen zu lassen. Bald trug er auf dem Blog sogar Hemden. Wie Maryanto Alejandro damals auf Pressekonferenzen.

Plötzlich war Brad ich

Plötzlich war Brad wie ich: Ein Typ, der gern mal aussieht als wäre er Analphabet, sich aber schon lange vor dem Abitur alles reingezogen hat, was an Literatur vorrätig war. Weil ich auf Literatur stehe. Vor allem auf Drama, weshalb ich William Shakespeare natürlich als meinen Lieblingsautor angebe. Immer.

Fakt ist: Ich spreche weniger in Wiederholungen und Stabreimen als Brad. Dafür sage ich weitaus häufiger „Digger“, „Alter“ oder Phrasen wie „Hey ho, here we go“.

Manchmal bekomme ich Mails, in denen mir Menschen erzählen, wie aufregend sie mein Leben finden. Dann denke ich so: „What? Du beneidest mein Dasein als Dauersingle in einer Großstadt, die diesen Zustand allein aufgrund des allgemeinen Überangebots an schönen Jungs noch frustrierender erscheinen lässt? Wow! Arme Sau, Alter!“

Doch gerade in diesen Momenten wird mir klar, dass sich die Kunstform irgendwann nicht mehr von ihrem Kreativen trennen lässt. Denn ja, ich führe ein Leben, das ich liebe, aber eben auch erleide. Das aufregend ist, aber auch aufzehrt, an mir zerrt. Das mich lachen lässt und weinen, manchmal im gleichen Moment. Ich bin einfach Maryanto. Goldmarie und Pechmarie in Personalunion. Irgendwie ganz normal. Manchmal bad ass, manchmal Bambi. Wie du und er, sie, es.

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Ich date den extrem heißen Hammertyp mit den Hammerarmen, wegen dem ich mir meistens die Haare raufe. Ich habe herrliche Zeiten in Hamburg, aber auch höllische Hangover. Ich habe die heißen Buddys, die immer dann zum Problem werden, wenn sie auf der gleichen Party den gleichen Typen aufreißen wollen. Oder im Stadion. Manchmal möchte ich ausreißen und lieber das Leben der anderen führen. Dann bleibe ich doch. Weil ich die Extreme in Wahrheit liebe. Genauso wie das Leben mit zwei Sprachen. Oder drei.

Die Wahrheit ist eine Quersumme 

Die Wahrheit ist auf diesem Blog eine Quersumme. Aus sprachlichen Finten. Aus Rhythmen und Repetitionen. Aus Tönen. Den leisen und den lauten. Weil ich untertreibe, wenn die Wahrheit zu hart für FSK16 ist. Weil ich überspitze, wenn die Wahrheit selbst 16-Jährige nicht mehr schockieren würde. Weil es sich unterhaltsam leichter liest.

Aber immer ist sie FKK: Seelenstriptease. So real wie J. LO und so gereimt wie Jay-Z. Oft cool und komisch, an anderen Tagen tragisch bis katastrophal. Meistens chiffriert, damit in Härtefällen nur ich und du und er, sie, es kapiert, was der Text im Text außerdem sagen will. Wie bei William Shakespeare das Theater im Theater. Heute schreibt Brad nicht mehr, was ich nicht sagen will, sondern was ich wirklich aussprechen muss. Das eint uns. Endlich.

Also egal unter welchem Namen ihr mich kennt, oder ich euch mal kann – als Maryanto, als Maryanto Alejandro, als Brad oder Basti, bitte: Don’t be fooled by the rocks that I got. I’m still, I’m still Mary from the Block! Heute nur mit Blog. Sowie zwei bis vier Namen, was mir manchmal selbst Freud’sche Versprecher unterlaufen lässt.

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Wenn also Brad bad ass literature ist, Basti assi und Maryanto Alejandro business – dann ist Maryanto einfach das Beste aus allem. Die Quersumme:

Me, I am Maryanto.

Think about it,

kurz-unterschrift11

Mehr aus meinem Tagebuch – HIER!

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