Flaschenpost

Scheiß auf das Universum, frag das Meer!

Veröffentlicht: Freitag, 2. August 2013

Wenn das Universum die Antworten auf deine Fragen nicht parat hat, frag das Meer. Zumindest wenn du der Meinung bist, dass dir Meerjungfrauen eher als Außerirdische sagen könnten, was du hören willst. Also habe ich das Meer gefragt. Weil Meerjungfrauen besser küssen und ich Arielle schon immer lieber mochte als Alf. Also los, antwortet mir!

Es war der erste Tag in meinem zweiten Jahr in Hamburg. Wir lagen bereits drei Stunden vor den Landungsbrücken als die Sonne unterging. Aber wir wollten noch nicht gehen. Nur kurz zum Kiosk, noch ein kaltes Astra holen. Das vierte. Dann zurück auf den warmen Asphalt, den Blick Richtung Elbphilharmonie.

Ein paar Stunden stille Harmonie in lauten Zeiten, so kitschig das klingen mag. Manchmal schlägt das Leben eben höhere Wellen als die Elbe an windstillen Sommerabenden. Und genau das macht diese Sommerabende so wichtig und so wertvoll. Wie gestern. „War doch ein schönes Jahr, Digger“, sagte Ben. – Genau das, was ich hören wollte. Und ich nickte. Ausnahmsweise ohne Wenn und Aber. Jetzt bloß nicht die Stille zerstören.

Aber ich war fest entschlossen, dass zweite Jahr besser zu beginnen als ich das erste beendet hatte. Auf keinen Fall frustriert an einer Bushaltestelle in Mundsburg. Irgendwie. Und irgendwie hatte Ben gemerkt, dass ich den ganzen Abend auf diesen einen besonderen Moment wartete. Der Moment, der allen abgearbeiteten Alltag wegspült und endlich die Phantasie wieder in Gang setzt, die großen Träume. So wie die Elbe Schiffe, Güter und Menschen mit sich Richtung Meer nimmt, wenn wir am Ufer liegen und uns verträumt fragen, wohin die Reise wohl führt. Für den Moment, für das nächste Jahr, für immer.

Für diesen Moment zumindest hörte ich endlich auf, mir das Herz zu zerreißen und nahm lieber noch einen Schluck Bier. Und plötzlich war er da, dieser ganz besondere Moment. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt eine Flaschenpost abgeschickt hatte. Es muss irgendwann in der Grundschule gewesen sein. Daheim am Main. Ich weiß auch nicht mehr genau, was auf dem Zettel stand. Wahrscheinlich irgendwas völlig Verrücktes.

Flaschenpost in die Elbe

Als Ben mit einer leeren Flasche vom Kiosk zurückkam, musste ich schmunzeln. Ich nahm Zettel und Stift und begann zu überlegen. Von all den großen kleinen Rätseln, die mir Hamburg in den letzten 365 Tagen aufgegeben hatte, gab es nur eines, das ist nicht hatte lösen können; das mich tags explodieren und nachts resignieren ließ; mit dem ich aufwachte und einschlief. Schließlich schrieb ich etwas völlig Verrücktes und setzte meine Mail-Adresse und ein Herz drunter. Fertig.

Seither warte ich, dass das Meer die Lösung zurück an die Elbe spült – oder in meinen Mail-Eingang. Eingangs sagte ich, dass das Universum mich im Stich gelassen habe, als ich Stoßgebete Richtung Himmel schickte und wartete, dass sich sich die Wolken endlich wieder rosarot färben. Doch für einen Moment meinte ich, wieder einen bunten Streifen am Horizont zu sehen – als die Flasche abdrehte und Kurs Richtung Meer nahm. Der Streifen reflektierte sich auf dem Wasser.

Es war fast dunkel als wir die Flasche aus den Augen verloren. Langsam stellte sich Bettschwere ein und plötzlich auch das leichte Gemüt. Weil wir wieder schmunzelnd auf dem warmen Asphalt lagen und sich die große Frage zumindest hier nicht stellte. Ich war mit dem Richtigen vor den Landungsbrücken gelandet. Nicht nur für den Moment. Genau das macht diese Sommerabende so wichtig und so wertvoll: Freunde stellen uns keine dummen Fragen – sie kommen immer mit den richtigen Antworten. „War doch ein schönes erstes Jahr!“ – „Ja, auch wegen dir!“ Diesmal wieder ohne Wenn und Aber.

Mal sehen, wo die Flasche landen wird – und wir in einem Jahr. Und ich und er in weiteren sechs Monaten. Arbeiten wir dran!

Ben an der Elbe

Just do it,

kurz-unterschrift11

Mehr aus meinem Tagebuch – HIER!

Kommentare

  1. Gepostet von Karina am Freitag, 2. August 2013

    Ich hoffe, die Botschaft kommt an und wird erhört. Ich liebe deine Texte und freue mich immer über die tollen Hamburg Bilder. Grüße aus München in meine Heimatstadt

  2. Gepostet von Jules am Freitag, 2. August 2013

    zauberhaft

  3. Gepostet von Brad am Freitag, 2. August 2013

    Das freut mich! Viele Grüße zurück ins schöne Süddeutschland. Brad

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