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Resteficken und andere fatale Fehlentscheidungen

Veröffentlicht: Sonntag, 18. Oktober 2015

„Wir machen in einer Stunde Schluss“, sagte der Kellner, „deshalb gibt es nur noch, was sich jetzt auf dem Band befindet.“ Während sich der Rest des Restaurants auf die Resterampe stürzte, verging mit der Appetit. Nachhaltig.

Bei genauerem Betrachten erinnerten mich die spärlichen Reste auf dem Sushi-Band kurz vor Feierabend an das Restficken in Clubs kurz vor der Sperrstunde. Eigentlich wollte ich mich sperren und gehen. Denn bei genauer Betrachtung ist das Sushi-Förderband wie so viele andere Dinge eine Allegorie auf alltägliche Aspekte des Lebens.

Höherstehende: Zur Rush Hour kommen die erlesensten Leckereien vorbei. Der dumme greift trotzdem nicht zu. Nach dem Lustprinzip. Weil er wartet, dass noch was Besseres kommt. So kommt es, dass die schlauen Leute zugreifen, während die anderen noch zögern. Kurz vor Schließung geben jene die Hoffnung auf den dicksten Brocken Lachs dann doch auf und greifen hungrig bis gierig nach den Resten. Nach dem Verlustprinzip. Oder dem der Minimalbefriedigung.

Bei genauerem Nachdenken fand ich viele Parallelen zwischen dem Förderband in der Sushi-Factory kurz vor Schließung und dem Resteficken in nem Club kurz vor Sperrstunde. Am Ende nahm ich doch die Makrele…

Posted by BradSticks – Lifestyle-BLOG on Donnerstag, 15. Oktober 2015

 

Bevor wir zahlten, schnappte ich mir doch den Teller mit der Makrele, bevor ich noch unbefriedigt ins Bett gehen musste. Wir sind einfach darauf konditioniert, uns nur mit den ganz dicken Fischen zufrieden zu geben, bis vor immer wieder kleinlaut zugeben müssen, dass das die falsche Strategie ist.

Zumindest, wenn wir glücklich werden wollen. Weil das Größte nicht unbedingt der augenscheinlich dickste Brocken sein muss, beziehungsweise unsere festgefahrene Vorstellung von jenem.

Deshalb geben wir denen, die sich außerhalb unseres engmaschigen Rasters befinden so selten eine Chance. Wahrscheinlich bis wir merken, dass das Perfekte extrem unperfekt enden kann, wenn zwischen Idealbildern und Bildern des alltäglichen Lebens keine Annäherung stattfindet.

Wer nicht bereit ist, die Maschen des auf maximal optimierten Lustprinzips in seinem Kopf zu lockern, dem geht am Ende nichts ins Netz außer Makrele – auf der Resterampe im Sushi-Restaurant ebenso wie im Reeperbahn-Club.

Ist es nicht so? „Höher, schneller, weiter“ bringt uns vor allem weg von dem, was wirklich wichtig ist, nämlich die schönen Dinge mit Freude anzunehmen, ohne heimlich Hoffnungen zu hegen, dass es irgendwo noch etwas Schöneres gibt. Für den Teller, das Bett oder das Haus mit Garten. Wir dürfen sicherlich auf das Richtige warten, nicht aber immer auf das „Richtigere“. Genau das ist der fatale Fehler.

Nachdem ich die Makrele verdaut hatte, schütteten wir zur Sicherheit noch ein paar Drinks nach. Nach dem Frustvermeidungsprinzip. Ich kam nicht umhin, mich zu fragen: Bekommen Menschen, die sich ständig aufführen wie die schnäubige Prinzessin in „König Drosselbart“ beim Warten nicht mehr als einen Bart, schon gar keinen Prinzen?

Herz drum, fertig

kurz-unterschrift11

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