Brad Shaw kommt

Die Putzparty: Moppen / Mobben

Veröffentlicht: Dienstag, 6. Juli 2010

Vor meinem 30. Geburtstag habe ich nie verstanden, warum sie ausgerechnet aus dieser Zahlenkombi stets eine magische Grenze machen – sogar außerhalb von Frauenzeitschriften, die neben Erfahrungsberichten derer, die in den Neunzigern noch als undefinierbare “Generation X” galten, gleich noch Werbung für Anti-Aging-Produkte drucken.

Älter zu werden ist nicht schwer, jung zu bleiben dafür umso mehr!

Irgendwann kam die Einladung zu “10 Jahre Abitur” samt Einsicht, dass die anderen “Generation X”-Mitglieder heute nicht einmal mehr auf Ü30-Partys tanzen, sondern die Samstage stillend vor dem Fernseher verbringen, um Sendungen wie “Wetten, dass..?” oder den “Tatort” zu schauen. Weil der Mensch als soziales Wesen aber nicht aus dem Rahmen fallen, und schon gar nicht als Berufsjugendlicher gelten will, war Radikalismus angesagt: weniger Partys (nicht mal Ü30), weniger Cocktails und vor allem mehr darüber nachdenken, was in fünf Jahren ist, als was gestern Nacht war.

Kurz: Weitsicht. Nach drei Monaten mit neuer Attitüde fühlte ich mich so richtig gesetzt, erwachsen, reif und fast so langweilig wie Markus Lanz (aber trotzdem noch so gutaussehend). Und dann kam sie – die PUTZMITTELVERKAUFSPARTY bei einer Freundin, die sonst eher für ihre Designerklamotten bekannt ist. Und die soll putzen können? Come ooooon!

Der Putzmittelvertreter

Bitteschön: Zwischen jungen Eltern und anderen ehemaligen Mitgliedern der “Generation X” merkte ich schnell, dass ich weniger häuslich bin als ich jüngst annahm. Schließlich sprach Verkäufer Roland (geschätzte 55 Jahre alt) aus Mücke/Vogelsberg den Satz, der der magischen Grenze 30 den Schrecken nahm: “Meine Damen, wenn sie montags und donnerstags mit dem Alleskönner richtig durchwischen, wird dienstags nur noch kurz mit diesem Aufsatz durchgemoppt.” Und diese Weisheit ist von meiner Welt ungefähr so weit entfernt wie Britney Spears von der Supernanny.

Sex oder Selters?

Die nächste Stunde fühlte ich mich aufgrund unterschiedlicher Interessenslagen kurz auf einen anderen, schmutzigeren Planeten weggemobbt. Vielelicht auch, weil mir Roland übel nahm, dass ich nicht begeistert “Ohhh” rief, als ich am Geschirrspülmittel “Handi” riechen durfte. Andererseits ist es manchmal ganz gut, daran erinnert zu werden, dass man immer so alt ist wie man sich fühlt. Und dass man für knapp 40 Euro zwar ein Mikrofaserputztuch, aber eben auch ‘nen Orgasmus bekommt – und einen Caipirinha, einen Mojito und einen Cosmopolitan. Cheers!

Mit freundlichen Grüßen,

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