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In die Tasche gelogen: Unaufgeregt ist nicht aufregend!

Veröffentlicht: Donnerstag, 17. Oktober 2013

Da stand ich nun. Frustriert, frisiert, aber wenig frisch. Auf dem Weg zu einem Rendezvous, das vielleicht das wichtigste der letzten fünf, vielleicht auch der letzten zehn Jahre werden sollte: das erste Date mit mir selbst. Die Voraussetzungen waren merklich schlecht. Heißt: die Herausforderung, das Hangover von Samstagnacht bereits sonntagmorgens weniger wild wirken lassen als es wirklich war.

Rückblick: Vor etwa sechs Stunden war das Solidaritäts-Saufen mit anderen Singles nach dem siebten „Sex on the Beach“ irgendwie in die Hose gegangen, beziehungsweise darauf. Aber ich hatte aus dieser Nacht gelernt: Anstatt frustriert und vereinsamt an einer Überdosis Cocktails zu verrecken, wollte ich lieber frisch gestylt und mit dem Besten vereint sterben, was mein Leben aktuell zu bieten hat: mich selbst. Meinetwegen auch an Cocktails. Aber unaufgeregt Ganz ohne Drama.

Für mein erstes Date mit mir selbst hatte ich mir bewusst den Typ Typ ausgesucht, bei dem die Wahrscheinlichkeit für eine ernsthafte Bindung am wahrscheinlichsten ist: den „Good on paper guy“ – den guten Jugend durch und durch. Den Softie, den Langweiler, der auf Langfristigkeit, nicht aber auf Leidenschaft ausgelegt ist. Doch wer brauch schon Feuer im Bett, wenn auch Ferrari-Fahren ganz nett ist? Die Leute sagen, Softies seien gut für das Wohlbefinden. Vor allem für die Herzfrequenz. Weil keine Ausschläge zu erwarten sind. in Irgendeine Richtung. Außer auf dem Tacho. im Ferrari.

„Good on paper guys“ sehen gut aus, haben einen guten Job und gute Aktien. Sie sind gut erzogen, gut gekleidet und ganz gut im Bett. Sie sind wirklich in allem gut, dafür in wenigem überragend oder unterirdisch, weshalb man sich mit ihnen richtig gut langweilen kann. Und sie sind anstrengend. Weil man sich stets bemühen muss, mit den gut situierten Gutmenschen in ihren gut sortieren Haushalten in ausgesprochen guten Wohngegenden mitzuhalten.

Ich gab mir alle Mühe und putzte, bevor ich mich zwischen Kaffeetassen und Red-Bull-Dosen in Schale warf. Denn diesmal wollte ich alles in die Waagschale werfen. Vor allem Anpassungsfähigkeit. Heißt: Raus aus den Jogginghosen, rein in die skinny Jeans. Abgewetzte Turnschuhe durch farblich auf die Hose abgestimmte Lederschuhe eintauschen. Ganz wichtig: Die Sporttasche weglassen und durch einen feschen Leder-Bag ersetzen. Einen, der sagt: Ich liege dir nicht auf der Tasche, ich kann aus eigener zahlen.

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Jacke: Adidas Neo (Hamburg) / Jeans: H&M / Schuhe: Vans

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Cap: Vans / Tasche: Aunts and Uncles von Stilwahl

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Das Date mit mir war genau, wie ich es erwartet hatte: Im Kunstmuseum führte ich intelligente Selbstgespräche vor Wandteppichen, beim Waldspaziergang wagte ich es nicht, auf den Boden zu spucken, und im veganen Café machte ich auf Nulldiät, wenn ihr versteht. Dinkeltorte ist die Pest!

Ich wünschte mir Dirty Talk statt Dinkeltorte, Feuer statt Ferrari und wenigstens Heavy Petting.

Als nach dem dritten Gesund-Tee ohne Schuss klar war, dass man bei Langweilern wirklich langen Atem braucht, und ich heute definitiv nicht zum Schuss komen würde, gab ich meine „Good on paper guy“-Geschichte an der Garderobe ab, verließ das Café und wechselte in mein Wohnzimmer. Nur die fesche Tasche nahm ich mit. Denn in der waren fabelhafte Dinge, die jeder frustrierte Single für einen famosen Abend allein braucht:

Tasche Bag Aunts and Uncles

Was ich daraus gelernt habe: Wir sollten uns nicht in die Tasche lügen und so tun als wäre unaufgeregt auf einmal aufregend, nur weil die Leute sagen, dass „Good on paper guys“ gut für uns sind. Langweilen kann ich mich auch mit mir selbst.

Das nächste Mal Date ich mich als Bad Boy. Für mehr Joy.

Stay fashionable,

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