Danke

Offener Brief an meine Freunde

Veröffentlicht: Montag, 8. Dezember 2014

Man muss sich erst einmal daran gewöhnen, wieder ohne Liebeskummer zu leben. Obwohl es mir derzeit lieb wäre, Liebeskummer zu haben. Weil eben nichts aus dem Nichts kommt, aber viel von Liebe. Aus der Liebe. Mit der Liebe. Vor allem, wenn sie auf der Kippe steht. Oder ganz vergeht.

Das Problem an einem Blog, der sich irgendwann mal als „Sex and the City“ definiert, und dann durch Liebeskummer etabliert hat, ist folgendes: Er verliert an Profil, wenn du nicht permanent Dates akquirierst oder Liebeskummer generierst. Für beides hatte ich zuletzt weder Kopf, noch Zeit. Und jetzt ist der Zeitpunkt, an dem sich das rächt. Denn über was sollen wir schreiben, wenn wir uns gerade an nichts aufreiben?

Auf der verzweifelten Suche nach Ansatzpunkten für neue Texte habe ich vor ein paar Tagen alle Texte überflogen, die 2014 auf BradSticks gelandet sind. Da fiel mir auf, dass dieser Blog längst mehr ist als das, was es mal war. Gefühlt – und an Zugriffszahlen ebenso gemessen wie an Beiträgen in bestimmten Kategorien. Und unter den vielen tragen die zahlreichsten und stärksten Texten längst das Label „Freunde“.

Deshalb habe ich meinen sieben Hamburger Herzbuben letzte Woche eine Nachricht zukommen lassen, die sich zumindest in Teilen hier posten lässt – als offener Brief sozusagen. Weil es Dinge gibt, die mal gesagt werden müssen. Vor allem auf Blogs, die den Anschein erwecken, sich nur um die Liebe zu drehen. Dreieinhalb Jahre nach dem Launch ist BradSticks vor allem ein Buddy-Blog. Weil sich eben nicht alles um mich dreht, oder den Typ.

 

Hey,

ich muss mal ‘ne Ansage machen. Aus folgendem Grund: Ich bin gerade alle Artikel durchgegangen, die ich in diesem Jahr veröffentlicht habe. Dabei ist mir Folgendes aufgefallen:

Wir haben 2014 echt viel miteinander erlebt. Und mir ist – weil ich ja so bin – schon beim Lesen der Überschriften der Blog-Einträge das Herz aufgegangen. Es ist ein gutes Gefühl, so tolle Freunde zu haben, und mit ihnen so schöne Tage zu verbringen – vom Grillen bei André über Chillen an der Alster, Ausflüge zur WM oder einfach nur kurze Bahnfahrten, während denen ich manchmal einen von euch angucke, mich freue, und später einen Text darüber schreibe.

 

Ich finde das nicht selbstverständlich. Ich bin nicht mal 2,5 Jahre in Hamburg, da kann ein Sozialleben auch anders aussehen. Ich bin sehr dankbar dafür. Es ist mir wichtig, euch das mal zu sagen, aus zwei völlig unterschiedlichen Gründen.

Erstens: Der Blog ist mir unglaublich wichtig, weil ich mich hier täglich meiner Freude am Kerngeschäft, dem Schreiben, vergewissere. Nun ist es aber so, dass ich überhaupt nichts zum Schreiben hätte, wenn ich nichts erleben würde. Meine wie auch immer geartete Beziehung zu dem Typ macht ein Drittel des Contents der letzten zwei Jahre aus. Die anderen beiden Drittel entfallen auf „Diverses“ und eben meine Freunde, auf euch. Davon lebt das Ding.

Zweitens: Viele spannende Unternehmungen und Begegnungen sowie reizvolle Aufträge als Texter, nicht zuletzt mein Buch, sind Mehrwerte, die direkt über den Blog kamen. Mir ist heute aufgefallen, dass ich euch das noch nie so gesagt habe, obwohl ich auch nicht selten bitte, Model zu spielen, irgendetwas zu tun, oder Texte auf Facebook zu teilen – eben um den Support, den ich brauche, damit es weiter voran geht.

Dem Typ dagegen sage ich das regelmäßig. Meistens im Streit, etwa so: „Du bist echt ein Vollidiot, aber ich reibe mich jeden Tag so an der Sache zwischen dir und mir, dass ich extrem gute Texte schreibe. Irgendwie entsteht immer dann diese Kreativität, die sich kommerziell verwerten lässt, weil sich so viele darin wiederfinden. Immerhin…“

Ich sage euch das anders: Ihr gebt mir oft so viel, ohne, dass ihr es überhaupt merkt. Ihr sorgt unbewusst dafür, dass ich diese anderen, diese positiven Texte schreiben kann, von denen sich ebenso viele Menschen da draußen angesprochen fühlen wie von den Liebeskummertexten. Liebe, Freundschaft, … das sind eben die Themen, mit denen sich Menschen identifizieren. Liebe und Freundschaft… Das ist der Typ – aber das seid vor allem ihr.

Der Typ motiviert mich oft über Wut, auch über den Wunsch, Anerkennung von ihm zu bekommen, an mir zu arbeiten und ständig besser zu werden.

 

Ihr dagegen gebt mir ganz oft Auftrieb, wenn ich überarbeitet und uninspiriert bin. Manchmal ganz speziell, weil ihr etwas tut, an anderen Tagen einfach, weil wir einfach so viel Spaß zusammen haben.

Das kann durchaus „nur“ der Sonntagskaffee sein oder ein Spaziergang an der Alster. Es ist ein unbezahlbarer Wert, sich gut aufgehoben zu fühlen, manchmal beschützt oder einfach nicht allein, wenn irgendwas nicht stimmt. Es ist immer ein tolles Gefühl, über euch zu schreiben. Das wollte ich einfach mal sagen.

Herz drum, fertig.

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