Zurück zur Traumfigur

Nie mehr Pommes-Pikser-Arme!

Veröffentlicht: Sonntag, 18. Januar 2015

Es gibt Typen, die stehen auf Brüste. Ich stehe auf Bizeps. Beim letzten Lesen meines Manuskripts kam ich trotzdem nicht umhin, mich zu fragen: Wie kann es sein, dass die Oberarme des Typen, der sowohl in meinem Leben, als auch in meinem Buch die männliche Hauptrolle spielt, mindestens ein Eigenleben, wenn nicht sogar eine nicht nebensächliche Nebenrolle haben? Immer dann, wenn Sportlehrer Max in einem engen Shirt im Lehrerzimmer sitzt, und plötzlich „mehr Östrogen in der Luft liegt als Testosteron in der Umkleide des BVB – vor dem Derby auf Schalke.“

Ich habe das letztens mit ihm erörtert. Beziehungsweise sagte ich sinngemäß: Ich glaube, ich steh so auf deinen Bizeps, weil ich selbst keinen mehr habe. Damit habe ich den Nagel selbstkritisch auf den Punkt getroffen. Denn seit ich in Hamburg lebe, das sind bald drei Jahre, habe ich Fitness vor allem gegen viel Schreibtischarbeit getauscht. Und gäbe es da nicht irgendetwas, das ich morgens aus dem Bett schleppen muss, hätte ich zwischenzeitlich fast vergessen, dass ich überhaupt einen Körper habe.

Gerade bin ich wieder an den Punkt gekommen, an dem ich wünschte, ich hätte wirklich keinen. Ja, aktuell habe ich Schmerzen von den Schultern bis in die Waden. Beim Treppensteigen brennen meine Oberschenkel, beim Lachen meine Bauchmuskeln, und wenn ich eine schwere Tür öffne, wird mir die Gegenwart meiner Oberarme bewusster als ich will.

Mit Hanteln auf die Abschlussfahrt

Wer mich derzeit stöhnen und jammern hört, wird kaum glauben dass ich mal zu den Menschen gehörte, die nach zwei Tagen ohne Fitnessstudio verzweifelt versuchten, sich spätestens am zweiten Weihnachtsfeiertag heimlich abzusetzen, um ihr Workout zu absolvieren; die beim Fernsehen IMMER Sit-ups und Liegestützen gemacht haben. Meinen Mitschülern bin ich sicherlich noch als der Fitness-Freak bekannt, der zwei Kurzhanteln mit auf die Abschlussfahrt nach Rom schleppen musste – bei einer langen Low-Budget-Reise mit mehreren Bahnen und Bussen nicht unbedingt unkompliziert.

 

Wer mich aktuell im Fitnessstudio sieht, wird nicht einmal glauben, dass ich jemals eine Hantel in der Hand hatte. Noch einmal bei Null anzufangen, ist in allen Lebensbereichen hart. In diesem besonders – und leider auch besonders sichtbar. Noch schwerer als überhaupt wieder zu trainieren, fällt es mir derzeit, zu ignorieren, dass ich bei vielen Übungen wieder derart intensiv mit der korrekten Ausführung und Koordination beschäftigt bin, dass ich mich kaum komplett auf die ohnehin minimierten Gewichte konzentrieren kann. So kippele ich also vor mich hin…

Man fühlt sich wie ein Körperklaus

Meistens komme ich mir vor wie ein Depp, ein Körperklaus. Wie eine Eisprinzessin, die nach langer Pause wieder aufs Eis geht und dann alle fünf Minuten voll auf die Fresse fliegt – vor Publikum. Das fühlt sich ziemlich scheiße an. Besonders wenn du von Menschen umgeben bist, die aussehen als seien sie als Adonis geboren worden. Manchmal wünsche ich mir dann, dass sich ein Loch auftut, in das ich mich verkriechen kann, bis ich allein im Fitnessstudio bin. Oder wenigstens alle Spiegel im Raum zerspringen, die jede deiner Bewegungen für jeden anderen permanent sichtbar machen.

Brad Shaw damals . Brad Shaw damals 2

Tatsächlich gibt es nur ein Ding, dass sich noch schlimmer anfühlt: mir alte Fotos anzuschauen. Besonders Bilder aus den Jahren 2008 bis 2011 – meiner Meinung nach mein persönlicher Peak. Und dem will ich mich jetzt wieder annähern – und dafür Pain und die Peinlichkeit, vorerst Pipifax-Gewichte zu wuchten, in Kauf nehmen. Allein weil Posen mit Bizeps und Brust einfach mehr Spaß machte. Außerdem, weil ich schon immer der Meinung war, dass ich am besten funktioniere, wenn beide, Body und Brain, parallel auf Höchstlevel laufen.

Bringing sexy back

Während ich mich gerade im letzten Jahr vorrangig intellektuell abgearbeitet habe, ist jetzt wieder der Körper dran. Bis im April mein Buch erscheint, will ich wieder die Form haben, die es braucht, um mit „Sex sells“ zu verkaufen. Bücher, oder mich selbst. Denn davon bin ich aktuell Lichtjahre weit entfernt, was sich ferner seit Monaten auch massiv auf mein Selbstwertgefühl auswirkt.

Der Typ, der in meinem Leben und meine Buch die männliche Hauptrolle spielt, ist übrigens beides: Body and Brain. Genau das ist der Grund, warum ich so unsterblich in ihn verliebt bin – und meine Motivation, mit ihm auf Level zu laufen. Daran werde ich am Dienstag wieder denken, wenn Armtraining angesagt ist; daran werde ich mich hochziehen, wenn mich die Gewichte wieder runterziehen – oder das Gefühl, das unfähigste Mitglied bei McFit zu sein.

Race is on

No pain, no gain“ gilt in allen Lebensbereichen, in denen wir wieder bei Null anfangen. In diesem ist Schmerz allerdings mehr als nur eine mächtige Metapher. Dennoch fühlt es sich phantastisch an, sich selbst wieder zu spüren. Jede Minute in jedem geschundenen Muskel. Noch vier Monate bis zum Book-Release. Bis dahin will ich wieder in meine alten Shirts passen – oder ganz auf das Shirt verzichten können. Race is on!

Um es in den Worten meines Kumpels Marcel zu sagen: Nie mehr Pommes-Pikser-Arme.

Stay fit,

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Mehr aus meinem Tagebuch – HIER!

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