Gossip

Nichts ist wirklich für die Tonne

Veröffentlicht: Dienstag, 17. Dezember 2013

Manchmal schreibe ich für Fame – und manchmal fast unbemerkt. Für die Schublade. Auch 2013 sind viele Texte aus verschiedensten Gründen gar nicht auf Bradsticks erschienen. Gelegentlich, um Ärger zu meiden, gelegentlich versehentlich und sicherlich auch, weil der eine oder andere selbst nach stundenlangem Sinnieren trotzdem keinen Sinn ergab. Hier sind Ausschnitte aus den besten nicht veröffentlichten Texten 2013. Weil sie ganz für die digitale Tonne irgendwie doch zu schade wären:

Wiese

Dezember: Über Marcel – „Flecken“

Es gibt Menschen, die hinterlassen Flecken in deinem Leben. Andere hinterlassen erst Flecken dann, Spuren. Ich hatte nicht die Spur einer Ahnung, dass er in die zweite Kategorie fallen könnte. Langfristig gesehen. Denn kurzfristig betrachtet, war er unbedingt der Typ Typ, für den man einen unbefleckten Sommersonntag unbedingt aufs Spiel setzen würde, um sich noch vor dem abendlichen Tatort abartig schmutzig zu machen. Zum Glück verläuft das Leben selten wie in einem Klischee-Porno. Er sollte keine Flecken auf meiner Bettwäsche hinterlassen, sondern dort, wo es wirklich schmerzt. Weil Gefühle im Spiel waren. Große Gefühle. Er war der heiße Kumpel meiner Hamburger Katastrophenliebe. Und dann kam alles, wie es nie kommen sollte. Auf einer Wiese im Park um die Ecke. Das Leben steckt voller Überraschungen. Ich witterte die Chance auf die erhoffte Hochzeit – und gewann einen Homie. Daran denke ich immer, wenn ich meinen Lieblingspulli zurück in den Schrank lege. Weil er Grasflecken hat. Weil wir nur auf der Wiese saßen und redeten.

August: Über den Umzug nach Hamburg – „Der schönste Grund“

Es gab viele Gründe, die Heimat zu verlassen. Und du bist der schönste. Das wusste ich nur noch nicht, als ich meinen Koffer Richtung Taxi zog und mich nicht mehr umdrehte.

Hamburg Alster Jungfernstieg

Mai: Über Frauen – „Neckisch“

Neckisch muss nicht nackig sein sein! Voll gut. Vor allem für Menschen, die wirklich meinen, dass es beim Paarungsprozess primär auf Persönlichkeit, oder peinlicher, auf Parship-Punkte ankommt: Frauen! Frauen schauen beim Online-Dating tatsächlich auf Übereinstimmungs-Punkte, die potenzielle Partnern passgenau überprüfen. Und trennen so Prince Charming von Perversen. Pillepalle! Das weibliche Punkte-Prinzip macht die Partnersuche zwar produktiver, die männliche Perspektive dagegen nicht weniger problematisch: am Ende drängt, am Ende hängt doch alles am Paaren. Obwohl Frauen das nie zugeben würde. Denn wenn auf süßen Portwein endlich sexy Paarungsrituale folgen, wollen sie eine gute Figur machen – ohne sich gleich nackt zu machen. Gut für Frauen, dass die Bekleidungsindustrie für sie in die Bresche springt: in Millionen Wäschekollektionen. Meinst du wirklich, dass nur Engel „Victoria’s Secret“ tragen? I’m gonna tell you a secret: Nein! Neckisch muss nicht nackig sein – weil ungezogene Mädchen angezogen noch anziehender wirken! Express yourself, don’t undress yourself!

September: Über eine Blog-Lüge – „Gar nicht solo“

Es gibt für jede Liebe eine Zeit und für jede Zeit eine Liebe. Diese Liebe kam mit der Zeit. Und plötzlich war es an der Zeit zuzugeben, dass ich gar nicht so solo war, wie ich vorgab; dass das nur ein Kunstgriff war, den ich aufgab. Als ich heute Morgen aufwachte…

Gar nicht solo 2

Mai: Über Stress – „Auf zur Alster, Alter!“

Allen Anstrengungen zum Trotz: Arbeitstiere kennen die Postkartenmotive ihrer Stadt oft nur von Postkarten. Oder von Facebook. Denn wenn Arbeit Freizeit verhindert, bleibt mir offensichtlich nur der Blick auf die Timeline, um am Leben teilzuhaben. Am Leben der anderen. Am Leben aller, die sich nach Dienstschluss dienstags am Hafen erholen, sich nach Feierabend freitags auf der Großen Freiheit vergnügen oder einfach jeden Abend an der Alster Astra trinken.

Februar: Über Heimweh – „Bibel“

Für manche meiner Freunde ist die Vogue die Bibel, für andere der Kicker und für wieder andere die Bibel. Für mich sind meine Freunde die Bibel, beziehungsweise das „Meine Freunde“-Buch, das sie mir inklusive Überraschungsabschiedsparty geschenkt haben.

freunde

Dezember: Über das Warten auf den Sturm – „Xaver“

Warten auf Xaver – bisher gestaltete sich dieses Unternehmen in Hamburg ein wenig wie Warten auf Godot. Weil nicht viel passierte – außer, dass man das Warten thematisierte. Vor allem auf den Online-Kanälen: in spöttischen Posts, teils originellen Posts, seltener in ängstlichen. Doch bisher war nichts zu sehen, außer dem Phänomen, das hier oben jenseits des Sommers ständig beiläufig zu beobachten ist: die Paarung von Regen, Wind und Dunkelheit. Während wir immer mal wieder aus den Bürofenstern schauten, dachten wir: „Es wird Zeit!“ Zeit, dass er kommt, der Xaver. Einfach, damit er wieder vorbeizieht. Weil wir nach all dem Hype fast nicht gehen wollten und das Warten langsam zum Event wurde. Dabei sollte eigentlich der Wind das Event werden.

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Juli: Über Reaktionen auf Texte – „Der Tod steht mir gut“

Seit gestern Abend habe ich endgültig Angst, jemals wieder in Clubs zu gehen. Weil ich keine Lust habe, allein an der Bar zu stehen und nicht angesprochen zu werden. Weil dann eins zum anderen kommen, und der eine zum anderen sagt könnte: „Spaß beiseite, sprich den nicht an. Später bringt der sich um!“ Weil eine Nacht ohne Telefonnummer zumindest der soziale Tod wäre, entschied ich mich, den Freitagabend zuhause zu verbringen und nachzudenken. Denn irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich für die Welt bereits gefühlt tot bin. Weil ich über Wolken am Himmel geschrieben habe. Hält mich die Welt für lebensmüde? Wenn ja, warum rettet mich dann niemand? Mal ehrlich: Wer würde wissen wollen, dass ich gestern feucht-fröhlich im Gras gesessen und einen Gugelhupf gegessen habe? Es gibt nichts Ermüdenderes als über Perfektion zu lesen. Ohne Reibung entsteht eben kein Höhepunkt – weder beim Schreiben, noch im Leben, schon gar nicht in der Liebe. Und wegen ‘nem Typ ins Gras beißen, wenn der Gugelhupf viel besser schmeckt? Come on… Dafür will ich dann doch noch zu viel – von der Liebe und vom Leben.

Nichts ist wirklich für die Tonne,

kurz-unterschrift11

Mehr Highlights 2013 – HIER!

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