Natalie Harapt über das Schluss-Machen

Natalie Harapat: Schluss.Aus.Ende.

Veröffentlicht: Mittwoch, 9. November 2011

Im Dandy-Roman „Picture of Dorian Gray“ schreibt Oscar Wilde: „The worst of having a romance of any kind is that it leaves one so unromantic.“ Die bittere Wahrheit erwischt uns umso härter, seit der Mensch die SMS erfunden hat. Sich auf maximal 160 Zeilen empathisch zu trennen ist nämlich weitaus schwieriger als unter 160 Männern einen zu finden, der nach 160 Minuten nicht gleich ins Schlafzimmer will. Lehrreiche Geschichten rund um das Thema „Schluss machen“ gibt es in Natalie Harapats Printdebüt „Schluss.Aus.Ende.“ Brad liest – und lernt!

„Schluss.Aus.Ende.“ passt zu diesem Blog wie ich zu Lukas Podolski. Denn hätte nicht laufend irgendjemand mit mir Schluss gemacht, wäre ich nicht Single. Und dann gäbe es BradSticks gar nicht.  Das Buch erzähle davon, was passiert, wenn die Liebe endgültig das Zeitliche segnet“, heißt es beim Berliner Schwarzkopf Verlag. „Schluss mit dem Happy End – willkommen in der Realität!“

Ein Buch, 33 Trennungsgeschichten

Auf der Suche nach den witzigsten, absurdesten und gemeinten Trennungsgeschichten hat Natalie Harapat 33 Männer und Frauen zum großen Liebes-Showdown befragt. Die unverblümten Berichte versprechen intime Einblicke in alltägliche Beziehungsdramen.

Wenn es um unausweichliche Trennungen geht, ist die Frage zumeist folgende: Fühle ich mich in der Rolle des Täters oder in der des Opfers wohler? Leider verlaufen die Grenzen fließend. Um sich auf einer Seite einzufinden, braucht es zumeist mindestens ein definierendes Mini-Drama. Wie folgendes:

„Ein Protagonist erzählte mir, dass er seine Ex-Freundin so lange mit herumliegenden Handtüchern schikaniert hat, bis diese ihn aus der gemeinsamen Wohnung geschmissen hat“, erzählte Harapat in einem Interview. Hat der Mann nun unbedacht oder vorsätzlich gehandelt, um ihr den Schwarzen Peter zuzuschieben?

Sechs Trennungen, eine Expertin

Um zu erfahren, wie Natalie so tickt, habe ich ihr sechs Fragen gestellt und versuche jetzt, ihre Antworten auf die Welt der Schönen und Reichen zu übertragen. Brads Welt!

Fall 1 = stillos: Dieter Bohlens und Veronas, damals Feldbusch, Scheidung war 2007 das heiße Klatschthema überhaupt. Zwei Wochen Kurzehe waren genug für viele böse Worte. Er nannte sie im „Stern“ eiskalt. Sie konterte und beschimpfte ihn als verhaltensgestört. „Jeder Psychologe würde sagen: ein schwieriger Fall.“

Fragen wir die Expertin: Wie läuft eine stillose Trennung ab?

Natalie Harapat: „Respektloses Verhalten im Allgemeinen ist für mich stilloses Schlussmachen. Ob das Beschimpfungen sind, oder ein ‘Antwort schuldig bleiben’, ist dabei für mich irrelevant. Meiner Meinung nach ist man dem Menschen, den man mal geliebt hat ein respektvolles Verhalten schuldig. Die stilloseste Art Schluss zu machen, ist für mich das Vorspielen falscher Tatsachen. In meinem Buch habe ich ein sehr schönes Beispiel dafür thematisiert: Ein Pärchen macht zusammen einen super romantischen Ausflug. Die Freundin ist wahnsinnig happy mit ihrem einfallsreichen Freund, bis die beiden im Auto sitzend den Rückweg antreten und er ihr mal ganz locker steckt, dass der Ausflug zwar toll war, er aber jetzt Schluss macht. Es gibt wirklich niemanden auf der Welt, der sich nach so einer Aktion nicht verarscht vorkommt.’

Fall 2 = stilvoll: Demi Moore und Bruce Willis ließen sich 2003 nach 13 Jahren Ehen scheiden. Die Trennung verlief wohl auch wegen der Kinder sauber. Als Demi Ashton Kutcher das Ja-Wort gab, war der Ex sogar Ehrengast. Wenig ergiebig für die Yellow Press, dafür ein Break mit Vorbildcharakter.

Fragen wir die Expertin: Wie läuft eine Trennung mit Stil ab?

Harapat: „Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten, denn stilvolles Schlussmachen hat sehr viel mit der vorherigen Beziehungsstruktur zu tun. Ist das Paar immer schon harmonisch miteinander gewesen, hat sich aber auseinandergelebt, ist es stilvoll miteinander zu reden und danach getrennte Wege zu gehen. Ist das Paar dagegen eines, was massive Probleme hat, sei es beispielsweise Fremdgehen, kann ein großer Abgang, mit kaputtem Geschirr und höllischem Geschrei auch mal passend sein – und durchaus stilvolle Züge haben.“

Fall 3 = Horror-SMS: „Ich habe dich gern, aber ich habe es mir noch mal überlegt. Es geht nicht. Ich wünsche dir alles Gute“ – mit diesen Worten machte Naddel 2002 mit Ralph Siegel Schluss und gab damit die Promi-Vorlage für die Trennung per SMS.

Fragen wir die Expertin: Wenn du per SMS Schluss machen müsstest, Umständen geschuldet, wie würdest du die Botschaft in 160 Zeichen packen, ohne dabei stillos zu erscheinen?

Harapat: „Auch wenn ich auf diese Frage wirklich gerne eine Antwort gehabt hätte, habe ich keine. Es gibt bestimmt Menschen, die das gut können. Zu denen gehöre ich wohl nicht.“

Fall 4 = abgelenkt: Essen, Freunde und guter Sex. Wie Model Jesus 2010 dem „Page Six Magazin“ verriet, sind das die besten Mittel, um Liebeskummer zu verdrängen. Zumindest habe er so die Trennung von Madonna überwunden.

Fragen wir die Expertin: Was ist die beste Therapie für Menschen, die gerade verlassen wurden? Schuhe kaufen? Frisör?

Harapat: „Das kommt drauf an, wie man sich fühlt. Es gibt Menschen, die sind unfassbar traurig und wollen nicht mal raus. Denen empfehle ich Filme, Bücher und Musik. Dazu von Mama trösten lassen und viele lange Gespräche mit Freunden. Hat man dagegen das Gefühl, in der Beziehung etwas verpasst zu haben, dann sollte keine Gelegenheit zum Feiern ausgelassen werden. Am besten therapiert man sich mit Beschäftigungen, die einem schon immer Spaß gemacht haben. Dazu gehört shoppen genauso wie ein neuer Look. Den Rest erledigt die heilende Zeit.“

Fall 5 = späte Versöhnung: An Jennifer Aniston hatte Brad Pitt wirklich einiges gut zu machen. Zum Leidwesen von Angelina Jolie sind die beiden heute wieder befreundet (mehr HIER). Selbstverständlich ist das nach Jennifers öffentlicher Demütigung nicht.

Fragen wir die Expertin: Können Ex-Partner nach Trennungen wirklich Freunde bleiben?

Harapat: „Durchaus. Aber das ist alles andere als einfach und sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Voraussetzungen für eine Freundschaft ist der Wille von beiden Seiten. Möchte der Expartner nichts mehr mit einem zu tun haben, hat man das zu akzeptieren, auch wenn das schwer fällt. Die zweite Voraussetzung ist die Bereitschaft zur Arbeit. Man hat nicht heute eine sexuelle Beziehung und morgen eine perfekte, platonische Freundschaft. Der Weg dorthin ist lang und steinig. Am wichtigsten ist, auf die eigenen Gefühle zu hören. Schmerzt es im eigenen Herzchen, wenn der Ex eine/n Neue/n hat? Dann sollte man, im Sinne des eigenen Wohls, besser wieder auf Abstand gehen. Gefühle kann man weder an- noch ausschalten. Dessen muss man sich bewusst sein.“

Fall 6 = On-Off: Bradshaw und Mister Big sind wohl das einprägsamste Zitat, das die Popkultur für eine On-Off-Beziehung gefunden hat. Dass die beiden am Ende glücklich das Standesamt verlassen, ist lediglich der Sucht amerikanischer Kinogänger nach Kitsch zu verschulden.

Fragen wir die Expertin: Was hältst du von On-Off-Beziehungen?

Harapat: „On-Off-Beziehungen sind meiner Meinung nach, das Schlimmste was man sich selbst antun kann. Es ist ein Schlussmachen auf Zeit. Es ist anstrengend und unfassbar schmerzhaft. Vergleichbar mit einem Pflaster, das jemand dir ganz langsam von der Haut zieht. Die Beziehungs-Pausen treiben einen auseinander. Man gewöhnt sich daran, dass der andere nicht mehr da ist, man gewöhnt sich an den Gedanken, dass jetzt ‘für immer’ Schluss ist. Dann sieht man sich, wird wieder schwach und gibt der Beziehung eine neue Chance. Man klebt das Pflaster wieder auf die gleiche, empfindliche Stelle. Mit dem Unterschied, dass das Pflaster mit jedem weiteren Abziehen immer weniger hält. Auch wenn die Trennung nur einen Tag andauert, es verändert etwas Elementares: Das Vertrauen in die Beziehung geht verloren. Man ist nicht mehr sicher in der Beziehung, sie kann kein Zuhause mehr sein, sondern nur noch ein Bunker in dem man ausharrt und bereits auf den nächsten Bombenangriff wartet. Die Hemmschwelle zum Schlussmachen sinkt. Mein Fazit: On-Off-Beziehungen schmecken wie zwanghaft aufgewärmter, kalter Kaffee. Sie erreichen nie mehr das Vertrauen vom Anfang und sind unnötig schmerzhafte Zeitverschwendung.“

Das Buch ist kein Ratgeber

In ihrem Buch plädiert Harapat für respektvollen Umgang im Moment des Liebesaus’. Aber eignet sich „Schluss.Aus.Ende.“ als Ratgeber?

„Am besten zieht man aus meinem Buch keine Lehren. Die meisten meiner Protagonisten haben etwas falsch gemacht. Wenn sie alles richtig gemacht hätten, wäre das Buch voll mit 33 langweiligen ‘Wir haben uns auseinander gelebt’-Geschichten, die keiner lesen möchte“, sagt Natalie Harapat. Sie empfiehlt für eine ‘gute Trennung’ einfach nur offen, ehrlich und respektvoll zu sein. „Schließlich trenne man sich von einem Menschen, den man mal geliebt hat. „Das sollte man bei einer Trennung niemals vergessen.“

Demnächst verrät uns Natalie Harapat zehn Methoden, um bestmöglich mit einer Trennung klar zu kommen. Seid gespannt!

HIER geht es zu Natalie im Schwarzkopf-Verlag

HIER ein Interview mit Natalie im Magazin „Streifzug“

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Mehr Literatur:

Nostalgiker-Sachbuch „Lexikon der Jugendsünden“ – HIER!

Mario Gallas Fashion-Biographie „Mit einem Bein im Modelbusiness“ – mehr HIER!

Reiseführer „Vergiss Berlin“ – HIER!

 

Kommentare

  1. Gepostet von linda am Donnerstag, 10. November 2011

    kann das buch nur weiterempfehlen

Antworten

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