and the real me

Masken fallen: The Real Me & The Real Ex

Veröffentlicht: Samstag, 19. November 2011

Ich bekomme viele Mails von Menschen, denen ich offensichtlich aus dem Herzen spreche. Das macht mir ein bisschen Angst. Laufen da draußen denn wirklich so viele kaputte Singles rum, die für die Hoffnung auf die große Liebe gleichfalls Dates mit emotionalen Krüppeln, Beziehungsspastikern und quasi epileptischen Liebhabern riskieren? Ich kam nicht umhin mich zu fragen, wie viel Brad in euch steckt. Everybody’s got a little secret, everybody’s got a darker side…

 

Every actor needs an audience / Every action is a performance“

(Pet Shop Boys, Flamboyant)

Einer meiner besten Freunde sagt immer zu mir. „Hätte mir vor drei Jahren jemand gesagt, dass ich mal werde wie du, hätte ich ihm einen Vogel gezeigt. Oder den Mittelfinger.“ Er kommt mit dieser Feststellung übrigens immer dann, wenn er sich auf der Heimfahrt von einem Date befindet, dem mindestens zwei in der gleichen Woche vorausgegangen waren. Ich bin dazu übergegangen, für ihn zu beten.

Who’s bad: Verderbe ich meine Freunde?

Folgende Frage stellt sich: Habe ich meine Freunde in den moralischen Abgrund gestürzt, oder habe ich nur Ventile geöffnet, die raus ließen, was sowieso raus wollte? Und musste?! Denn eins steht fest: Als alter ego funktioniert Brad wie ein Ventil. Er dient in besonders katholischen Momenten nicht nur als Medium des moralischen Abgleichs, sondern auch als Opium für eure Seelen. „Denn eigentlich“, wie ein Kumpel nach der Lektüre eines Textes gestern erleichtert bemerkte, „geht es mir ja gar nicht so schlecht.“

Fiktion und Realität

Mir geht es auch nicht so schlecht. Trotzdem wäre ich manchmal ganz froh behaupten zu können, Brad wäre so fiktiv wie Bridget Jones. Dieser Zustand würde zwar meine eigene Seele retten, hätte mir andererseits mindestens 10000 richtig gute Lacher und ebenso viele Orgasmen vorenthalten. Also bleiben wir bei der Wahrheit.

Wahrscheinlich könntet ihr auf meine Ex-Freunde liebend gern verzichten, meine Fuckbuddys hättet ihr aber schon gern. Come on! Genau das ist der Punkt. Brad ist keine Satire auf den frustrierten Single der Post-Moderne. Er ist die Realität. Zum Anfassen. Und trotzdem frage ich mich jedes Mal, wenn ich die eine oder andere Geschichte aus der Distanz eines Schreibers Revue passieren lasse, ob ich nicht doch in einem schlechten Film gelandet bin. Und wer da eigentlich die Hauptrolle spielt – Brad oder ich?

Huren und Heilige

Ich konnte mich noch nie wirklich entscheiden, ob ich Huren oder Heilige attraktiver finde. Deshalb habe ich bereits als Jugendlicher demonstrativ Madonna-Videos konsumiert und im Dezember trotzdem zum St. Nikolaus gebetet, er möge mir irgendwas Schönes in die Socken stecken. Zum Beispiel ‘nen tollen Typ – was in diesem Fall stets ein wenig frommer Wunsch war. Bin ich schizophren?

Web 2.0-Selbstdarstellung und Brads Wahrheit

Die Antwort ist in den geschönten Demo-Versionen unserer selbst verschlüsselt, die wir im Web 2.0-Zeitalter aufzubauen gelernt haben. (mehr zur Selbstdarstellung im Internet HIER).

Das wahre Leben ist nämlich weitaus vielfältiger als ein Facebook-Profil. Es gibt mindestens so viele Brad- wie Barbie-Modelle – mit dem Unterschied, dass keines Pumps trägt. Ich bin missgünstig und wohlwollend, süß und asozial, romantisch und brauch’s dreckig. Ich motze über den Soli und genieße die Jungs aus dem Osten. And if I was a bitch, I’d be a benedict one!

Mein Vater hat meinen Bruder und mich immer verglichen. Einmal sagte er, er habe einen schönen und einen intelligenten Sohn. Ich war die zweite Kategorie und wirklich intelligent genug, um in den meisten Situationen den richtigen Brad animieren zu können. Ich tue nie etwas ohne Intention. Und für alle, die wissen wollten, wie viel Wahrheit in Brad steckt: 90 Prozent – und zehn Prozent Understatement. Aus Rücksicht auf die Gefühle der anderen.

Wer ich wirklich bin, verschwindet nur scheinbar zwischen Rollen wie Büro-Brad, Barbecue-Brad und bad Brad. Du kannst den Typen mit breit hessischem Akzent erzählen, dass du aus Nürnberg kommst. Du kannst ihnen erzählen, dass du 23 bist obwohl du gerade von zehn Jahren Berufserfahrung berichtet hast. Du kannst ihnen sogar erzählen, Schwede zu sein, während du dir die schwarzen Haare nach hinten streichst. Sie glauben es dir. „Weil sie dich hot finden“, sagt Basti.

Masken fallen, Fassaden bröckeln

Die wirklich wichtigen Dinge im Leben erzählst du aber nur wichtigen Menschen. Erst in längeren Beziehungen fallen die Masken wirklich. Dann entscheidet sich nämlich, ob wir nicht nur mit der Demoversion, sondern gleichfalls mit „The Real Me“ können. Ich wollte.

In meiner letzten Beziehung fielen die Masken schnell. Lange nach dem Aus bröckelte im vergangenen Sommer dann noch der beschönigende Concealer. Manchmal macht mir dieser Grad des Nacktseins Angst, selbst wenn er nur per WhatsApp-Nachricht präsent ist. Dann setzte ich mir eine besonders schöne Maske auf, gehe in ‘nen besonders schönen Club und habe besonders viel Spaß.

Klappt übrigens stets bis zu jenem Moment, in dem ich ihm zufällig über den Weg laufe. Kein Make-up der Welt könnte dick genug sein, um uns auch nur im Vorbeigehen den authentischen Blick auf den anderen zu verwehren. Wahrheit kann bitter sein, aber gleichsam heilend.

The real me keeps on going

In diesen Momenten sieht keiner, was ich sehe. Vor allem sind plötzlich alle Charaden hinfällig. Viellicht ist Brad Shaw keine Carrie Bradshaw, die am Ende doch vor dem Altar landet. Aber eins habe ich aus der „Sex and the City“-Folge „The Real Me“ (S04/E02) gelernt:

When real people fall down in life, they get right back up and keep walking.“

I’m real,

Mehr zur Selbstdarstellung im Internet – HIER!

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Mehr aus Brads Single-Leben – HIER!

Kommentare

  1. Gepostet von Milli am Samstag, 19. November 2011

    ♥ Du bist du. Und du bist großartig! Der ein oder andere kann mehr als froh sein, dass Brad nie ohne Concealer in die Öffentlichkeit geht. Manchmal steckt hinter scheinbarer Eitelkeit eben doch wahre Größe. Manchmal. ♥

  2. Gepostet von Mister T. am Samstag, 19. November 2011

    einer der schönsten Texte bisher. Spätestens wer bis hier hin gelesen hat weiß hoffentlich, dass du keine benedict bitch bist. Und wenn sist du dabei unglauiblich gut auss :) hat mir aus dem Herzen gesprochen!!!

    T.

  3. Gepostet von Jan am Samstag, 19. November 2011

    Du bist so real wie J-Lo nie war. Deshalb lieben sie alle diesen Blog! Ich ruf später mal an. Mal sehen welchen Brad ich ans Telefon bekomme haha

    Janni

  4. Gepostet von Brad am Samstag, 19. November 2011

    Used to have a little now I have less. But I’m still, I’m still Braddy from the block! Do so, dude!

  5. Gepostet von Brad am Samstag, 19. November 2011

    Das ist schön. Ja, mir ist auch einer abgegangen, als ich die Collage gemacht habe :) Generell: Kathryn Merteuil zu sein wäre auch nicht schlecht. Dann hätte ich ‘nen tollen Mitbewohner :) Danke für das Feedback. Freue mich immer über die Mails. Frage mich dann nur, ob ich mich als Identifikationsfigur eigne :)

  6. Gepostet von Brad am Samstag, 19. November 2011

    Concealer wäre trotzdem toll. Besonders, wenn Brad Milli erwartet <3

  7. Gepostet von Diva am Samstag, 19. November 2011

    Falls es dich tröstet, Mädels geht’s nicht besser. Sei nicht traurig und genieß dein Wochenende. was ist das nächste Thema? Emotions-Concealer :) ? deine Diva aus Erlangen

  8. Gepostet von markus am Samstag, 19. November 2011

    heut schreib ich auch mal was – an rollenspielen ist ja gar nix verkehrt. man darf nur nie vergessen, was “the real me” ist. und das hast du in den letzten neun jahren nie. musste letztens dran denken wie wir in würzburg jedem erzählt haben, dass wir wir aus italien sind :) oder: “hello, do you have rosaries?” hahahaha. Miss you! Markus

  9. Gepostet von Jones am Samstag, 19. November 2011

    Einfach ein schöner Text

  10. Gepostet von Brad am Samstag, 19. November 2011

    eigentlich das Dschungelcamp :)

  11. Gepostet von Brad am Samstag, 19. November 2011

    Ich hab den Rosnekranz noch, Alter! Yeah, good memories!

  12. Gepostet von Brad am Samstag, 19. November 2011

    Vielen Dank, Jones! Samantha, is it you? :)

  13. Gepostet von BAM am Samstag, 19. November 2011

    Keep walking fabulous Brad ;)

  14. Gepostet von Brad am Samstag, 19. November 2011

    Mit Freunden wie dir fällt das nicht schwer :) But I don’t walk in heels <3

  15. Gepostet von Andi am Samstag, 19. November 2011

    faszinierend ist, dass man immer denkt dich zu kennen, wenn man deine sachen liest. und manchmal wünschte man es wäre so. übrigens muss man nicht zwischen den zeilen lesen um zu merken dass da viel zwischen den zeilen steht. aber diese geheimnisse behälst du wohl für dich. hmmm. text regt zum nachdenken an wie der über den marktwert. toll gemacht. ich liebe bradsticks. das emsland liest mit. ganz liebe grüße von andreas

  16. Gepostet von Brad am Samstag, 19. November 2011

    Lieber Andreas,

    da hast du sicherlich recht. Aber ein bisschen Interpretationsspielraum hat nie geschadet. Greetz back *Brad*

  17. Gepostet von Corinna am Samstag, 19. November 2011

    geht mir genauso, andi. lesen schafft hier nähe. natürlich liest der ruhrpott auch weiter mit

  18. Gepostet von Brad am Sonntag, 20. November 2011

    Der Pott rockt – und flirtet!

  19. Gepostet von Floo am Montag, 21. November 2011

    Ein echt guter Text!

    I <3 Brad :D

  20. Gepostet von Brad am Montag, 21. November 2011

    Danke Dir! LG

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