Brad Shaw ist auf Männerdiät

Brad auf Männer-Diät

Veröffentlicht: Dienstag, 28. Februar 2012

Vielleicht gibt es wirklich Leute, die von Luft und Liebe leben. Vielleicht aber auch nicht. Ich gehöre definitiv nicht zu dieser Spezies, sonst wäre ich längst verhungert. Sicher ist, dass Singles an Mangelerscheinungen leiden – im Gegensatz zu Frutariern zumeist unfreiwillig. Was die Versorgung mit emotionaler Vollwertkost betrifft, bin ich noch immer auf Nulldiät. Glücklicherweise ist auch Junk Food lecker, macht satt und setzt manchmal sogar Endorphine frei. Problem: Ungesunder Lebenswandel rächt sich. Leckere Männer bringen uns zumeist leider ebenso weit von der Ideallinie weg wie ein Happy Meal. Und sind sie abgefrühstückt, hinterlassen sie nicht mal ein Plastikspielzeug. Dafür steigt der Bedarf an Junk Food, sobald es sich ausgespielt hat. Ein Happy Meal reicht zur Kompensation selten, Plastikspielzeug schon gar nicht.

Ideallinien sind schwer zu erreichen und noch schwerer zu halten. Während uns besagtes Junk Food lediglich die Kalorienbilanz versaut, bringen Jungs gleich noch den gesamten Hormonhaushalt durcheinander. Zu viele Männer mit Testosterongeruch und gottgegebenem Waschbrettbauch hatten meinen Hormonhaushalt in manische Depressionen gestürzt. Um meine Kalorienbilanz war es nicht besser bestellt: gleichfalls eine Berg- und Talfahrt, bedingt durch Hungern und Hanteln in der Vordating-Phase und Frusten und Fressen in der Nachdating-Phase. Schlimmer als der Jojo-Effekt sind tatsächlich nur zwei Jojo-Effekte, die nahezu parallel ablaufen.

Fasten: Erlöse mich von dem Bösen

Als der Leidensdruck den Leibesdruck überflügelt hatte, beschloss ich, den Kurven den Kampf anzusagen. Sprich: meine Bälle 40 Tage lang flach zu halten. Nicht hoffend, in der Karwoche genagelt zu werden. Vielmehr, um endlich Erlösung zu erfahren. Erlöse mich von dem Bösen: Vordating-Magersucht, Nachdating-Bulimie und allen anderen Gefühlsschwankungen, die nicht nur Vorzeigesingles wie Bridget Jones von Schokolade zum Frühstück an den Rand des Wahnsinns getrieben haben.

Ich legte die erste DVD ein. Es dauerte genau 5.17 Minuten und da war er: Genau jetzt. Genau jetzt war dieser Moment. Plötzlich wurde mir etwas klar: Wenn sie nicht bald etwas ändert, würde auch ich die wichtigste Beziehung meines Lebens mit einer Flasche Wein haben. Und ich würde schließlich fett und vereinsamt sterben und drei Wochen später von Schäferhunden angefressen aufgefunden werden. Oder ich würde wie Bridget in ihrem unverfilmten Vorleben enden: in Affären mit Alkoholikern, Workaholics, Beziehungspanikern, Spannern, Größenwahnsinnigen, emotionalen Flachwichsern und – Perversen!

Pet Shop Boys – It’s A Sin von EMI_Music

Abstinenz und Kompensat

Es fing alles am Aschermittwoch an, in meinem 32. Jahr als Single. Irgendwo zwischen restalkoholischem Heldentum, gesundem Heringssalat und Asche auf meinem Haupt: meine Männerdiät. Von halbherzigen Versuchen, das Rauchen auf die Zigarette danach zu beschränken, hatte ich mich noch nie wirklich mit Abstinenz beschäftigt. Da ich allerdings längst der Meinung war, dass man die meisten Typen ohnehin in der Pfeife rauchen kann, war es einen Versuch wert. Vielleicht war das wirklich der Moment, der alles ändern wird.

Vielleicht aber auch nicht, denn eines haben alle Diäten gemeinsam: Sie verlangen Kompensation. Wer, ob freiwillig oder nicht, auf Liebesentzug ist, wird jede Gelegenheit nutzen, um an Schokolade zu kommen. Und wer keine Schokolade mehr will, will lieber einen Mann.

Die einzige Möglichkeit, diesem Kreislauf zu entkommen, lag auf der Hand: sämtliche Sinnesorgane ausschalten! Denn es reicht eben nicht, nur die Augen vor schönen Männern zu verschließen. Das habe ich von meiner bildhübschen Single-Freundin Kimber gelernt. Kimber schwört nämlich auf eine extreme Form der Luft-‘Am Essen wird lediglich geschnuppert, die Bissen gelangen jedoch nie in den Mund’-Diät. Wenn sie mal wieder der Meinung ist, wegen zu viel Dolce Vita bald den Dolce & Gabbana zu sprengen, atmet sie einfach „sehr intensiv“ ein, statt zu essen.

Der Kompensationseffekt ist offensichtlich: Statt den Körper mit Kalorien zu geißeln, versorgt Kimber ihr Gehirn mit Sauerstoff. In einem besonders intensiven Moments der Genialität hatte sie schließlich eine Eingebung. „Selbst bei der Luft-Diät gilt es zu differenzieren: Die Luft von McDonald’s ist kalorienreicher als die in einem Sushi-Restaurant“, flötete Kimber und roch angewidert an der Umgebung meines Happy Meals.

Ab unter die Burka?!

Wenn also Kalorien durch die Luft fliegen, dann wohl auch Testosteron. Deshalb habe ich die Startphase meiner Männerdiät unter einer Burka verbracht. Denn bei allem Respekt: Unter dem Ding kriegt man nicht wirklich viel Luft und Blicke von Männern schon gar nicht ab. Doch ausgerechnet unter einem Kleidungsstück, das Männer mit eingeschränktem Blickfeld Frauen aufzwingen, befreite ich mich schließlich von allen Diätzwängen, weil ich plötzlich wieder klar sah: Der Hüftumfang meiner Freundin Kerstin, seit mehreren Jahren glücklich liiert, hatte sich merklich erweitert. Das sah ich sogar durch den schmalen Guckschlitz. Sie war außer Form, unausgeglichen und gerade auf Diät.

Ob Kerstin nun akuter Beziehungsfrust Hormonhaushalt und Kalorienbilanz versaut hatte, oder doch jene Nachlässigkeit, die Paare erfasst, sobald die knackigen Erdbeeren auf dem Nachttisch durch lasche Chips auf dem Wohnzimmertisch ersetzt werden, war mir egal. Ich riss mir druckvoll die Burka vom Leib, öffnete meine Sinne und wusste: Schwankungen sind alle unterworfen – Solisten und Duos. Doch während Menschen in Beziehungen einfach mit ihnen klar kommen müssen, können Singles Notfallnummern anrufen, bevor Libido und Hüften ganz aus den Fugen geraten,

Back to Meat

Bevor wir also an scheinbarem Mangel an Vollwertkost verzweifeln, frusten und schwanken, sollten wir uns das ausgewogene Menü einfach aus allen verfügbaren Leckerbissen mischen. Was Süßes, was Herzhaftes, was Scharfes, was Knackiges: Gegessen wird abwechslungsreich, serviert wird immer heiß und abtrainiert gemeinsam. Das ist gesund und vor allem adrenalinreicher als Salzgebäck und Sonntags-Tatort. Sofort ist der Jojo-Effekt kein Endzustand der Völlerei mehr, sondern eine allgemein akzeptierte Entschuldigung für Fleischeslust: Wer seinem Körper nämlich das Existenzielle radikal entzieht, steigert lediglich den Hunger. Und zumindest Körper mit sauerstoffgefluteten Gehirnen holen sich irgendwann zurück, was sie brauchen.

Meine Männerdiät hat immerhin das Genusslevel erhöht – bereits nach 56 harten Stunden. In meinem Fall ist nach der Diät trotzdem zum Teufel mit der Diät und ohne weitere Umwege zurück zum Mehr-Gänge-Menü. Denn beim Fasten wäre ich beinahe gestorben – an Langeweile! Ich schwöre auf das nächste Abendmahl und die Zigarette danach. Moralapostel bitte weiter zum letzten Abendmahl. Denn nur Erbsenzähler sind schlimmer als Menschen, die Kalorien zählen, und Diäten was für Victoria Beckham.

Eat my shorts,

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Kommentare

  1. Gepostet von Vorstadtprinzessin am Donnerstag, 1. März 2012

    Hm Diäten halten leider nie lange :) Dabei ist es manchmal einfach besser konsequent zu sein…

  2. Gepostet von Brad am Donnerstag, 1. März 2012

    das stimmt allerdings. und alles gute zum Geburtstag nachträglich :) hoffe, du hast nicht zu viel sahnetorte gegessen :)

  3. Gepostet von Vorstadtprinzessin am Donnerstag, 1. März 2012

    ne, hab einen Trockenkuchen gemacht und nur ein Stück gegessen :)

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