Madonna MDNA - Foto von Universal

Quergelesen: Madonnas MDNA erscheint und nicht alle pöbeln und prügeln

Veröffentlicht: Freitag, 23. März 2012

Weil ab heute Madonnas zwölftes Studioalbum in den Plattenläden steht, noch ein kleiner Nachschlag zum Thema „MDNA“. Fairerweise, denn nicht jeder Rezensent hämmert hemmungslos auf der Platte rum wie Jenni Zylka auf Spiegel-Online (sieher HIER) und sonst nur Madonnas Beats auf dem Trommelfellen zumeist homosexueller Hörer. Auf Zeit-Online versucht Moritz von Uslar Madonnas neuesten Inszenierungsversuch als personifizierten Jungbrunnen zu ignorieren und sich ganz auf die Musik zu konzentrieren. Fazit: „Die Musik klingt zu auftrainiert. Es steckt da zu viel drin: zu viele Einfälle, zu viel souveränes Produzenten-Kunsthandwerk.“ Ein Sound, der von Uslar im Schnitt allerdings gut zu gefallen scheint. In der Printausgabe der FAZ von gestern geht Dietmar Dath noch einen Schritt weiter und befindet Madonna „Im höchsten Amt bestätigt“ – ein feuilletonistischer Hochgenuss, der nicht „Bitches“ und „Girls“ zählt, sondern stattdessen die laut Dath beste Madonna-Zeile seit dem legendären „Don’t go for second best, baby, put your love to the test“ (Express Yourself) in den Fokus rückt: „Hold me like you hold your money“ (Love Spent).

Ab heute hat alle Spekulation ein Ende, denn „MDNA“ kann in Deutschland offiziell gekauft und gedownloaded werden. Damit geht es nur noch um Geschmack. Die Plattenkritiken der letzten Tage vergleichend zu lesen, macht trotzdem Spaß. Denn an Madonna scheiden sich mal wieder nicht nur die Geister, sondern gleich noch die Kritiker. Wenn Dath in der FAZ schreibt, dass William Orbit Madonna in „Falling free“ als „mit Leuchtfingerfarben bemalten Luftballon in die Stratosphäre“ schießt, hat er uns mit seiner Beschreibung der Platte sprachlich längst selbst in in andere Galaxien katapultiert. Seine Meinung zum Song „Turn up the radio“ im Folgenden:

Die Musik dazu besteht aus in Lalala-Schokolade eingepacktem Puderkram, platzt bald wölkchenförmig auf und lässt seinen bunten Talmifrohsinn aus den Boxen stäuben, als wären Menschenohren aus besonders saugfähiger Silberwatte.“

[youtube_sc url=”http://www.youtube.com/watch?v=TVseKwFIS0M”]

Von Uslar belässt es auf Zeit-Online dabei zu bedauern, dass „Turn up the radio“ nicht als erste Single ausgewählt wurde:

Ein Hit, ein Ohrwurm, purer Pop. Es fällt einem die Neodisco von Daft Punk ein und der Ibiza-Sound von David Guetta (…).”

Sehe ich übrigens auch so: toller Song!

Mama oder Gaga?

Zur Kernfrage, wer denn nun auf den Pop-Thron gehört, Madonna oder Lady Gaga, kommen die beiden Autoren zu unterschiedlichen Urteilen:

Stuss wie ‘Sie ist gealtert, der Thron steht Lady Gaga zu’ (Zitat)“, will Dath erst diskutieren, „wenn die nächste Bruce-Springsteen-Tournee von entsprechenden Erörterungen männlicher Alterblasenschwäche unter Stadionkonzertbedingungen begleitet wird“.

Von Uslar dagegen möchte das Zepter sofort an Lady Gaga weitergeben. Und an Lana. Und gleich noch an Adele. Seine These:

Die ganz Großen, die mit den Verdiensten, müssen im Alterswerk mittelmäßig sein, um groß zu bleiben. Das gebietet eine Kategorie im Pop, die Madonna, dem Energiemonster, Kontrollfreak, der Selbsterfindungs-Rakete, selbstverständlich vollkommen fremd ist – das gebietet die, Achtung, Lässigkeit. Im Mittelmaß liegt eine eigene Königlichkeit, eine Würde des Alters, das die Königin Madonna mit dem Album MDNA antritt: Respekt. Ihr wird das nicht gefallen, aber uns taugt das.“

Und sonst so?

In der Welt-Online erhebt Michael Pilz Madonna in den Stand des Mainlimes, den eines Weltkulturerbes – ein Bollwerk der großen Pop-Ära. Er schreibt in Bezug auf die Gaga-Generation der potenziellen Erbinnen: „Madonna dagegen ist Weltkulturerbe. Eine historische Figur der Postmoderne, einer Ära, über die man nur noch in Gänsefüßchen spricht.”

Die Frankfurter Rundschau widmete „MDNA“ jüngst eine Doppelseite und Carmen Böker beschreibt in der Online-Ausgabe alles was zählt, zumindest in der Populärmusik: „Ihr zwölftes Studio-Album ist schon jetzt in 50 Ländern auf Platz 1 der iTunes-Charts, derart oft wurde es zum Download vorbestellt.”

Auf die ganze Textlänge gerechnet, kommt Böker wie Zylka auf Spiegel-Online trotzdem nicht ohne ein Übermaß an Lästereien auf herrlich hohem Niveau aus. Sie findet die Platte grobschlächtig und stellt fest:

Man fühlt sich eigentlich die ganze Zeit über, als habe man eine New-Yorker-Filiale betreten oder eine andere Boutique jener knallheiteren Fast-Fashion-Ketten, in der einem die typische Euro-Dance-Musik mit stumpfem Duff-Duff-Duff und Synthesizer-Sirenen erwartet, so brachial wie im Bierzelt.“

Noch besser nur der Schluss:

‘MDNA’ tobt zumeist los wie die versammelten Finalistinnen eines Modelwettbewerbs, die das Herannahen von Heidi Klum fürchten, mit vorgeschütztem Frohsinn, berechnenden Affekten und ein wenig Verzweiflung.

Ich bin gespannt, wie euch die Platte gefällt. Lasst es mich wissen. Hier geht es passenderweise gleich mit „Germany’s next Topmodel“ weiter.

Stay tuned,

mehr Musik – HIER!

Kommentare

  1. Gepostet von Merlind am Freitag, 23. März 2012

    danke fürs vergleichslesen. sehr lustig. bin gespannt auf mdna. merly

  2. Gepostet von Sebastian am Freitag, 23. März 2012

    Rundschau: Leider geil !!! :)

  3. Gepostet von Brad am Freitag, 23. März 2012

    hat spaß gemacht, zu lesen. greetz

  4. Gepostet von Massi am Freitag, 23. März 2012

    L U V Madonna

  5. Gepostet von Alberto am Mittwoch, 28. März 2012

    MDNA ist tatsächlich nicht die Platte mit der alle gerechnet haben. Es ist auch nicht die BESTE Madonna Platte, aber zweifelsohne gehört dieses Album unter den Top 5 der Sängerin. MDNA vereint alle Facetten der Sängerin auf einer Scheibe. Die Qualität der Songs bleibt dabei diskutabel. Dennoch: Love Spent, I’m a Sinner, Beautiful Killer, Masterpiece, Falling Free, Gang Bang, I XXXX up alleine rechtfertigen den Kauf der De Lux Edition. Denn alle Songs sind Leider NICHt auf der Standart Edition zu finden. Einfach die Schwächsdten Lieder der Standart mit den besseren der De Lux Edition austauschen und schwupps, plötzlich hat man schon eine bessere Platte, die weniger von “Girls” und Kirmesdisco dominiert wird. Ich gestehe, ja, ich habe das Album bereits öfter gehört und habe Freude daran…Irgenwie hübsch. Der ewige Vergleich mit Gaga und Madonna ist mitlerweile überholt. Gab es das nicht bereits in den 80gern zwischen der Louper und Madonna und Cher (was ist aus dieser ewig jungen Tante geworden?..Ah stimmt, sie duettiert sich bald mit Gaga…lustig und wie wiedersprüchlich)….alles Medialer Mist. Wie Madonna auf ein Song singen läßt: “There ist only one Queen. And that’s Madonna. Bitch!”. Was die Karrieredauer und die Plattenverkäufe und die Anzahl der Skandale angeht und Rekordkonzertbesuche….Ja, es stimmt. Immer noch.

  6. Gepostet von Brad am Donnerstag, 29. März 2012

    ich bin inzwischen richtiger fan des albums. sogar ohne cd 2. wobei das remix von ‘give me all your luvin’ HAMMER ist! danke für deine meinung und grüße

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