Millis-Hochzeit

Lucky Ones

Veröffentlicht: Montag, 22. Juli 2013

Du warst groß, blond und schön. Und du hast mich angelächelt. Wie so viele. Und unter all den Großen, den Blonden und den Schönen kamst du mit der größten Enttäuschung. Hätte ich das damals gewusst, hätte ich dich vielleicht nie angesprochen. Doch irgendwie hatte ich das Gefühl, dich retten zu müssen. Vor diesem Typ.

Er war klein, nicht blond und nicht schön. Ich kam, sah und signalisierte, dass du die Freistunden genauso gut mit mir verbringen könntest. Aus den Freistunden wurde Freizeit, wurden irgendwann viele fröhliche Treffen und viele frustrierte Telefonate. Über die Jahre unter widrigen und witzigen Umständen. Über Distanzen, Differenzen und ein paar Liter Diesel, die ich an deinem großen Tag in meinen kleinen Benziner tankte.

Daran habe ich gedacht, als sie meinen Wagen von der lauten Kreuzung schoben, während ich schon leise ahnte, dass ich deine Trauung verpassen würde, bevor sie begonnen hat. Mit diesem Typ, um den ich dich immer beneidet habe. Weil er großherzig ist, nicht blond, aber wunderschön – besonders neben dir. Also habe ich den ADAC bemüht, deine Schwester beruhigt und einen Mietwagen bestellt. A3, A5, ab in den Süden.

 

Silvester

Milli und Mann Silvester 2012 in Hamburg


Du warst die schönste Braut der Welt. Auch noch auf der Party in deinem Heimatdorf. Doch hätte ich damals gewusst, wie der Abend enden würde, wäre ich vielleicht trotzdem nicht gefahren. Ein wenig habe ich gelacht, als deine Hochzeitsschuhe in den langen Rolltreppen des Münchner U-Bahnsystems stecken blieben. Wie das Versprechen, das du mir an deiner Hochzeit geben hast, irgendwo im Sonnensystem festhängt.

Daran habe ich gedacht, als ich dich am Samstag am Jungfernstieg entdeckt habe. Strahlend zwischen all den Menschen mit Einkaufstüten und Sonnenhüten. Du warst noch immer groß, blond und schön. Und du hast mich angelächelt. Wie damals. Ich hätte dich wieder angesprochen. Aber ich habe nie ausgesprochen, dass du es warst, die mich immer wieder gerettet hat. Vor diesen Typen. Den Großen, den Blonden und den Schönen.
Und weiteren Widrigkeiten.

 

Milli und Brad

Letztes Wochenende in Hamburg


Er war klein, rosa und schön. Und er lag mir zu Füßen. Vielleicht hast du deinen Brautstrauß ja absichtlich in meine Richtung geworfen. Um mir zu sagen, dass wir auch das Liebesglück irgendwann teilen werden. Wie zuvor die Stunden in Seminaren, in Redaktionen und an Telefonen. Daran habe ich an jeder Hochzeit gedacht, die folgen sollte. Weil immer jemand anderes der Nächste war.

Daran habe ich auch gedacht, als ich die Schmucknadeln deines Brautstraußes zuletzt in Händen hatte. Während die große Enttäuschung über ihr verlorenes Versprechen wieder ein wenig pikste. Hätte ich das damals gewusst, vielleicht hätte ich die Blumen einfach liegen lassen und mir lieber noch einen Cosmopolitan geholt. Habe ich aber nicht. Zum Glück, denn sonst hätte ich gar nichts von dir hier, um mich zu piksen, wenn ich mal wieder verrückten Vorstellungen hinterher hänge. Oder großen, blonden Schönen.

Der Brautstrauß als Zeichen für eine baldige Hochzeit also. Aber was ist bald, wenn sich die zwölf Jahre seit dem ersten Semester bereits anfühlen wie eine halbe Ewigkeit? Dann könnte bald – ab deiner Hochzeit gerechnet – nächstes Jahr sein. Oder morgen. Bis dahin werde ich mich einfach an deinem Glück freuen und es mit dir teilen. Wie zuvor die Stunden in Seminaren, in Redaktionen und an Telefonen.

 

Der Brautstrauß

Der Brautstrauß


Ich habe letzte Woche geschrieben, dass wir unseren Freunden öfter sagen sollten, wie sehr wir sie lieben.
Heute sag ich’s dir. Auf dem Blog, zu dem du mich gezwungen hast wie zu so vielem Guten, Wahren und Schönen.

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Every now and then, the stars align.
Boy and girl meet by the great design.
Could it be that you and me are the lucky ones?

With love,

kurz-unterschrift2

Mehr aus meinem Tagebuch – HIER!

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