Got me looking so crazy right now. Foto Diana Joseph

Kleiner als drei (and crazy right now) – Brad being… Beyoncé

Veröffentlicht: Sonntag, 13. Mai 2012

Sprache kann verbinden, aber auch trennen. Welten und Menschen. Ich hatte den Anschluss an die Jugendsprache verpasst. „Kleiner als drei“, las ich nochmal und antwortete „Kleiner als drei?“ Die nächste Nachricht brauchte exakt vier Minuten und machte sich zuerst durch sanftes Vibrieren bemerkbar, das das iPhone in der Brusttasche meiner Lederjacke auslöste. Ich stand gerade auf dem Mainfloor, stellte den Drink ab und öffnete sie. „<3“. und eine Minute später: „Gott, wie kitschig.“

Die Massen auf der Tanzfläche, die Laser von der Decke, die Discokugel – plötzlich verschwamm die Welt zu einer großen, bunten Blumenwiese. Ich legte mich ins Gras und atmete tief ein. „Wie süß“, sagte jemand neben mir. Ich stand neben mir und starrte schmunzelnd in den Sternenhimmel. Oder war es die Discokugel? Ich schloss die Augen und fiel in seine blauen.

Ich muss 16 gewesen, als ich Jugendsprache zuletzt bewusst benutzt habe, um Abgrenzung zu schaffen. Als Teenager hatten wir einen Geheimcode entwickelt, um uns auch in Anwesenheit von Erwachsenen oder im vollgestopften Schulbus ungestört über unser Liebesleben zu unterhalten. Ich fühlte mich wieder wie 16 als ich das iPhone noch einmal in die Hand nahm und schrieb: „Bist du inna Stunde noch wach? Will dich vorm Schlafen nochmal hören.“ Inzwischen ging es auf die dritte Stunde zu. Um 3.59 Uhr wählte ich seine Nummer und dachte: „Jetzt bloß nicht so klingen wie zwölf.“ Da klingelte es schon.

Inna Stunde? Während des Telefonats merkte ich, wie meine Sprache sich in Kernsätzen weiter auf das Nötigste verkürzte und in den Nebensätzen immer blumiger wurde. „Sun is up“, hat Inna vor zwei Jahren gesungen. Und nach vielen Worten, die in meinen Ohren klangen wie ein Sommerhit, der die Gedanken um die Sterne kreisen lässt wie Schmetterlinge um Blumen auf der Wiese kreisen, bevor sie sich auf der süßesten niederlassen, war es halb Acht. Die Sonne war aufgegangen – und die Total Eclipse so weit weg wie der erste Kuss mit 16 auf einer Wiese in Südengland.

Ich bin um 10 Uhr aufgewacht und habe Milli angerufen. „Er ist ein doppelter Konsonant“, habe ich gesagt. Vorne ein Explosiv – und hinten: ein H.

H ist die Maßeinheit der Zeit. Aber zwischen den gedachten zwölf, den gesprochenen 16 und den gefühlten 1000 Schlägen, die mein Herz pro Minute abgab, war Zeit irrelevant geworden.

Some people wait a lifetime for a moment like this – others put a record on and have it every minute. Herz drum. Fertig.

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Got me looking so crazy right now. I really need you tonight,

Mehr aus meinem Tagebuch – HIER!

Kommentare

  1. Gepostet von Coquette am Montag, 14. Mai 2012

    LOVE IS IN THE AIR ♥

    Also, wenn deine Sprache sich auf das Nötigste verkürzt, scheint Gefahr im Verzug ;-)

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