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Liebesspiele

Veröffentlicht: Montag, 2. Dezember 2013

Die Leute sagen, dass die Liebe viele Gesichter habe. Gesetzt den Fall, dass sie Recht haben: Wäre das quasi das endgültige Ende der Monogamie oder bereits das Quantum Trost für alle, die in zu viele Augen gesehen haben, um ein Zeichen der Liebe zu erkennen? Bezeichnenderweise sehen wir die Liebe zumeist in einem Gesicht. Einem einzigen. Dem einzigen, das es schafft, uns mit seinen Blicken derart zu durchdringen, dass wir uns nackt fühlen, bevor wir uns ausgezogen haben.

Ich schaute lieber weg, während ich mein Shirt anzog. Einfach, weil ich nicht wollte, dass er mich durchschauen konnte. Weil es an der Oberfläche komplett so aussah, als wäre er nur eins der vielen Gesichter, die wir anschauen, ohne ein Zeichen zu erkennen. Das Gegenteil war der Fall: Ich hatte längst zu tief in seine Augen geschaut, er zu tief ins Glas, um das wirklich zu bemerken. Nüchtern betrachtet war es ein Desaster und der einzige Trost waren seine himmelblauen Augen, die mich irgendwie vergessen ließen, dass wir bereits einmal an diesem Punkt angekommen waren. Damals hatte ich die Augen verschlossen und einfach den Moment genossen. Woche für Woche. Und war irgendwann abgesprungen. Aus Angst, enttäuscht zu werden.

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Diesmal war nichts anders und alles gleich. Sicher hatte er nicht gesehen, dass ich ihm noch lange nachgesehen habe. So lange, bis er rechts hinter den Bäumen am Ende der Straße verschwunden war. Ich zumindest konnte mir an diesem Morgen nicht ins Gesicht sehen. Weil ich wieder so getan hatte, als wäre ich easy wie eine Cro-Platte. Platt gesagt: Ich hatte mich aufgeführt wie ein Vollidiot. Einfach, weil ich annahm, dass ich für ihn nicht mehr war als eines dieser vielen Gesichter der Liebe, ihrer lieblosen Spielarten.

Insgeheim hoffte ich trotzdem, dass er das gleiche Spiel spielte wie ich. Aber ich traute mich nicht, zu fragen. Zu fragen, ob er irgendetwas sah, wenn wir uns ansahen, ob er irgendetwas spürte, wenn er mich berührte, ob wir vielleicht doch mehr gemeinsam hatten als dieses Feuer. Neun Monate später war zumindest klar, dass es mehr war als ein Strohfeuer. Zu oft hatte ich mich verbrannt und hatte trotzdem wieder Feuer gefangen – wenn es mich verzehrte, nichts von ihm zu hören, wenn ich dahinschmolz, wenn er in durch die Tür kam, wenn die Funken flogen, sobald wir bei einem kühlen Bier auf dem Sofa saßen. Und ich ganz cool sagte: „Wie war deine Woche?“ Woche für Woche.

Die Leute sagen, dass die Liebe viele Gesichter habe. Ich glaube, sie haben Recht. Ich erkannte sie in meinem fragenden Gesicht, wenn ich auf eine Nachricht wartete, in meinem friedlichen Gesicht, wenn sie endlich eintraf, in meinem freudigen Gesicht, wenn er endlich eintraf und in meinem frechen Gesicht, wenn er sich verabschiedete und ich ganz cool sagte: „Wir sehen uns!“

Aber was sind schon Worte, wenn Blicke töten können – oder lieben. Wenn wir die Augen nicht vor dem verschließen, was wir sehen. Woche für Woche, um nicht enttäuscht zu werden.

Ich hatte die Liebe geleugnet wie andere den Treibhauseffekt, mit dem Effekt, mich bis an jenen Punkt zu treiben, an dem ich gar keine großen Gefühle mehr wollte. Aus Angst, das Feuer aufzugeben und enttäuscht zu werden. Und manchmal an solchen Abenden sitze ich mit einem Martini am Schreibtisch und will sie doch wieder, die ganz großen Gefühle. Obwohl ich mir irgendwann schwor, das nie wieder zu schreiben, oder über ihn. Höchstens heimlich an sie zu denken. Und genau dann denke ich immer an ihn.

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Und ich schrieb: „Lust auf ein Bier?“, hier – und ihm. Das war kein zielsicheres Zeichen. Aber ganz sicher so gemeint. Maximal sogar.

Herz drum, fertig.

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