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Liebeserklärung: Ex And Another City

Veröffentlicht: Dienstag, 10. Januar 2012

Manchmal frage ich mich, warum Carrie Bradshaws Leben so fabelhaft ist und Brad Shaws nicht, obwohl sie eigentlich sechs Staffeln lang nichts anderes tut als er das gesamte letzte Jahr: dem Typ hinterherlaufen, der ihr das Herz gebrochen hat und sich die Wochen dazwischen mit Dates, Cocktails und Shopping vertreiben. Beide verbringen viel Zeit mit Laptop und Zigarette am Schreibtisch, beide haben erfolglos versucht, ihre Fuckbuddys ernsthaft zu daten und beide würden für den perfekten Schuh töten. Trotzdem ist Miss Bradshaw Mister Shaw den entscheidenden Schritt voraus: nämlich die Hollywood-Perspektive.

Ganz ehrlich: Auch ich hätte die On-Off-Beziehung mit meinem Mr. Big noch weitere fünf Jahre laufen lassen, wäre im August auch nur die geringste Garantie für ein Happy End am Horizont erschienen. Nach dem großen Serien-Finale sagte Kim Cattrall, „Sex and the City“ sei als „valentine to being single“ angelegt. Vor „Sex and the City“ habe der Singlestatus den Zustand beschrieben, niemandem abzubekommen. „Danach bedeutete er, unabhängig zu sein und sein Leben so zu gestalten wie man es möchte.“

Um es im Jargon zu sagen: Natürlich betrachtet Cattrall hier sozusagen ein halbvolles Cosmopolitan-Glas. Im realen Single-Alltag zwischen hoffnungsvollen Dinner-Dates, „He’s so cute“-Telefonaten und dem abschließenden Frustfeiern mit wenig Stoff und viel Wodka ist das Glas allerdings schneller halb leer als es nachgefüllt werden kann.

Am nächsten Tag sitzt Brad Shaw auf der Waschmaschine, weil die wenigstens irgendwelche Vibrations von sich gibt und schreibt. Denn wie meine Freundin Yavi zu sagen pflegt, geht es im Leben doch oft einfach darum, Erlebnisse zu teilen, um sie wiederzubeleben. Manchmal aus nostalgischen, immer wieder aus therapeutischen Gründen.

Singles, die sich freiwillig an den Pranger der Öffentlichkeit stellen, befriedigen dabei nicht nur ihren exhibitionistischen Trieb, sondern geben sich außerdem das Gefühl, dass ihr Schrei auch außerhalb des eigenen Badezimmers gehört wird. Gerade wenn es darum geht, schmutzige Wäsche zu waschen oder – im wörtlichen Sinn – schmutzige Unterwäsche.

Hosenträger und Hemd: Ben Sherman / Tubesocks: American Apparel / Hose: G-Star / Schuhe: Adidas / Armband: Martin Hard, Unterhemd: Hugo Boss

Demnächst wird mein Mr. Big in eine andere Stadt ziehen. Nicht nach Paris, aber eben auch nicht von New York aus. Die Dimension ist die gleiche. Vielleicht wird alles anders, wenn er irgendwann wieder zurückkommt und erkennt, dass wahre Liebe wartet. Nicht nur in Paris, das genauso Dortmund oder Augsburg sein könnte.

Nach der „Think Big“-Theorie bedeutet sein Umzug vorerst lediglich eine Verlängerung der Hoffnung – oder des Leidens. Kommt ganz darauf an, ob das Glas gerade halbvoll oder halbleer ist. Und so verschwendet jeder seine Zeit eben auf seine eigene Weise. Beispielweise mit Wodka, Red Bull und der Zigarette danach vor dem Fernseher.

Nach einer kompletten DVD-Box, sechs Staffeln und 94 Folgen „Sex and the City“ habe ich gestern Nacht mal wieder festgestellt, dass es okay ist, Fehler zu machen. Und genauso okay, einfach ich selbst zu sein, a valentine to single life – for the others! Aber eben auch, dass ich selbst mit einem halbvollen Glas in der Hand trotzdem nicht damit rechnen kann, diese Geschichte in Hollywood-Manier auf ein Happy End zuzuschreiben.

In sechs Staffeln hat sich Carrie Bradshaw tatsächlich genauso wenig weiterentwickelt wie Brad Shaw. Der It-Faktor ihres Daseins rekrutiert sich auch nicht aus New York, 40000 Dollars spent on shoes oder einem begehbaren Kleiderschrank. Vielmehr aus der Tatsache, dass sie glaubt und in der Zwischenzeit genau das tut, worauf sie Lust hat.

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Deshalb werde ich heute Abend mit meinem Ex-Fuckbuddy Essen gehen, Cosmopolitans trinken und mich ab morgen bemühen, wieder zu glauben. Denn das war eine Liebeserklärung. Total hirnrissig, aber irgendwie süß.

Bradshaw: „Last night with Ray, I had the most intense orgasm of my entire life.“

Shaw: „I did my laundry. Continue.“

I broke my heart for every gain. To taste the sweet, I faced the pain. I rise and fall. Yet through it all. This much remains,

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Kommentare

  1. Gepostet von Susa am Dienstag, 10. Januar 2012

    Mein Mr. Big ist nach Australien – das war da Beste was passieren konnte…zumindest rede ich mir das ein ;)

    Kim Cattralls Sichtweise und Fazit finde ich ziemlich treffend. Sex and the City hat mir gezeigt, dass, egal wie sehr man sich in jm./etwas reinsteigert, es doch immer weitergeht und sich neue Optionen auftun…entweder man will und nutzt sie oder man hängt sich ans Altbewährte…aber Optionen hat man zumindest ;)

  2. Gepostet von Brad am Mittwoch, 11. Januar 2012

    Liebste Susa, ich empfehle dir die Bonus-CD der “Pink Edition”. Da sind richtig geile Interviews mit dem ganzen SATC-Team zur Serie. Du wirst sie LIEBEN! Lovski, sozusagen. Australien… ja, verstehe ich :) Auf die großen Jungs. Cheers! Brad

  3. Gepostet von Dina am Mittwoch, 11. Januar 2012

    Liebe diesen Style. Bradilicious!

  4. Gepostet von Brad am Mittwoch, 11. Januar 2012

    to good to deny it!

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