beats

Liebe, Sex und Wahrscheinlichkeiten

Veröffentlicht: Sonntag, 15. Dezember 2013

Ich werde oft gefragt, um wen genau es in meinen Texten geht. Zumindest, wenn sie sich um Liebe drehen. Ich werde diese Frage nicht beantworten. Aber ja, es gab 2013 wirklich einen, der mich mehr als einmal zum Texten getrieben hat. Genauer gesagt: sehr oft!

So wurde das Schreiben zur Therapie und die Therapie zum Erfolgsrezept. Denn allein an den Klick-Zahlen, Kommentaren und Mails nach bestimmten Beiträgen habe ich gemerkt, dass es offensichtlich eine Menge Menschen da draußen geben muss, die so einen kennen. Genauer gesagt: sehr viele!

Deshalb gilt der zweite Jahresrückblick 2013 der Liebe – und den schönen Geschichten, die sie manchmal schreibt. Auch wenn sich einige davon sehr grausam lesen.

Liebe

11. Juni: „P.S. Ich liebe dich“

Die Leute sagen, dass die Liebe das größte Geschenk sei, das wir zu geben haben. Deshalb gibt es Liebeslieder, Liebesschwüre und Liebeskugeln. Laber! Ich verrate euch heute was: Die Leute lügen! Aber wie ohne Lügen lieben – wenn wir bereits darauf getrimmt sind, beim Küssen cool zu gucken, beim Tanzen tapfer Distanz zu halten und schlimmer: beim Abschied allen Abstand zu wahren, wenn wir halbherzig umarmen, während unser Herz blutet. Es kostete mich zwei Liebesnächte und acht deiner leeren Bierdosen, um die zwei Euro am Aldi-Pfandautomaten rauszubekommen, Alter. Natürlich habe ich dir nie verraten, dass ich aus einem emotionalen Verlustgeschäft eine geile Geldmaschine gemacht habe. Die Leute sagen ja auch: Was er nicht weiß, macht ihn nicht heiß. Du machst mich ganz schön heiß.

31. Juli: „Wer zu viel denkt, vergisst zu vergessen“

Wer zu viel denkt, vergisst zu vergessen. Denn im Rad der Reflexionen drehen wir uns irgendwann so schnell um uns selbst, dass wir kaum den Absprung schaffen. Wie der Mond von seiner Umlaufbahn, wenn wir Für und Wider wiederholen wie er Ebbe und Flut. Und so fluten wir uns weiter mit Gedankenspielen und drehen uns weiter, weil Gefühle nicht zyklisch abebben. Manchmal bis wir durchdrehen, wenn wir beidrehen sollten – und schließlich schlaflos bleiben wie bei kreisrundem Vollmond. Ein grausames Spiel. So wie heute. Vielleicht weil ich bereits ein wenig zu viel an dich und ein wenig zu wenig an mich gedacht habe. Vielleicht, weil ich mich bereits so lange im Kreis gedreht habe, dass ich die Sache endlich rund machen will. Leider ist nichts schwerer als aus der eigenen Haut zu kommen und dabei nicht nur den Arsch in der Hose, sondern auch noch ein gutes Gefühl in der Brust zu behalten. Aber eben auch nichts befreiender.

[youtube_sc url=”https://www.youtube.com/watch?v=ZGoWtY_h4xo”]

3. November: „Kopfkino“

Vermische das Regenwetter mit Martini und alten Bryan Adams-Platten, und schon dreht der Kopf wieder die schönsten Filme. Die, die dir Gänsehaut machen, mit denen du abends einschläfst und morgens aufwachst. Träume, die dich daran erinnern, dass es Ziele gibt im Leben. Unerreichte Ziele. Ich erinnerte mich vor allem an unsere letzte Nacht. Plötzlich setzte das Kopfkino wieder ein. Diesmal war ich Regisseur. Gerade dämmerte mir auch das Prinzip dieses Traums: Immer wenn ich ihn fast fassen konnte, verlor er sich in einem fiesen Cliffhanger – um wenig später noch fantastischer in der Luft zu liegen. Deshalb hängen wir den schönsten Träumen hinterher, so lange wir können, manchen für immer. Weil kein erfüllter Traum so schön ist wie seine Fortsetzung, wenn wir unseren großen Zielen zwischen Nachtfieber und Tagträumen immer ein wenig näher kommen.

19. August: „Bon Voyage“

Wir sollten aufhören, wenn es am schönsten ist – und das Spiel am hässlichsten.

schreiben

9. Mai: „Ich liebe deine Eier“

Und plötzlich sprudelt alles aus uns heraus. Alles! Alles, was wir immer unterdrücken, wenn wir uns bücken; wenn wir uns innerlich zerreißen und trotzdem den Kopf in Kissen drücken und in Bezüge beißen; weil wir wissen, dass das Kissen niemandem verrät, was hier wirklich abgeht: Dass wir einmal nicht „Ich liebe das“, sondern „Ich liebe dich“ gesagt haben. Das nennt man dann Understatement. Unter uns: ein Stilmittel für Menschen mit Stil, die sich mit Mittelmäßigkeit zufrieden geben – oder einfach auf den richtigen Zeitpunkt warten, der beim verflixten vierten Date mit der Bemerkung: „Ich mag dich, wirklich…“ bereitwillig beiseite geschoben wird. Wieder.

12. Mai: „Mach’s dir doch selbst, Digga“

Seit wir erwachsen sind, geht es immer nur noch darum, es sich zu besorgen. Den richtigen Mann, den richtigen Job und falsche Brüste. Und heute gilt umso mehr: Wer es sich vor allem von anderen besorgen lässt, wird schnell als faul beschimpft. Oder als nymphoman. Auch mein Leben gewann an Schwung, als ich beschloss, es mir wieder selbst zu machen. Doch im Grunde will ich, dass du die engen Parklücken übernimmst, dass du Spinnen aus meinem Wohnzimmer trägst und meine Schränke aufbaust. Und ich würde mir wieder Fesseln anlegen lassen. Scheiß kurz auf den halb aufgebauten Schrank, die Spinnweben und die enge Parklücke. Weil ich am Tag an dich denke, nachts von dir träume und weil ich’s mir einfach nicht mehr selbst machen will. Denn das ist das Problem an DIY: Selbstbefriedigung macht blind. Dann lieber blind vor Liebe.

HSV

23. Mai: „Kopfsex kommt durch die Nase“

Es gibt Menschen, die wir nicht riechen können, und dufte Typen. Vor allem gibt es Typen, die schnell wieder verduften, und Menschen, die Duftmarken hinterlassen. Im Leben. Menschen, deren Geruch wir am liebsten konservieren möchten, wenn er morgens im Schlafzimmer steht wie der Nebel in London. Wenn er uns benebelt. Wie eine Nacht in Paris. Wenn wir wie von Sinnen sind. Weil wir ihn immer noch riechen.

2. Dezember: „Liebesspiele“

Die Leute sagen, dass die Liebe viele Gesichter habe. Ich glaube, sie haben Recht. Ich erkannte sie in meinem fragenden Gesicht, wenn ich auf eine Nachricht wartete, in meinem friedlichen Gesicht, wenn sie endlich eintraf, in meinem freudigen Gesicht, wenn er endlich eintraf und in meinem frechen Gesicht, wenn er sich verabschiedete und ich ganz cool sagte: „Wir sehen uns!“ Aber was sind schon Worte, wenn Blicke töten können – oder lieben. Wenn wir die Augen nicht vor dem verschließen, was wir sehen. Woche für Woche, um nicht enttäuscht zu werden.

Get on the bus

12. Mai: „Bussi-Bussi-Babes“

Seit wir uns getroffen haben, küsse ich nur noch dich. Und du scheinst das nicht zu checken. Sitzt da wie’n Checker mit deinem Bier und deinem Sixpack und fragst deine App, wann der letzte Bus nach Hause fährt. Und ich würde dir am liebsten eine langen. Links und rechts. Du hast nie gefragt, warum es bei mir immer perfekt aufgeräumt ist, welche Blumen ich mag oder ob ich eventuell mal Lust auf ein Feuerwerk hätte. Ein richtiges. Mit Musik und so. Und Händchenhalten. Nein, nach der Zigarette danach stehst du auf, hebst die Hand und verabschiedest dich mit High Five. Bin ich für dich die Bussi-Bussi-Puppe im Montagmorgenbus – so links, rechts und raus?

11. Juni: „The Blues”

Frag die Menschen nach der Farbe Blau. Sie werden vom Meer sprechen. Frag mich nach dem Meer. Und ich werde dir von Weite erzählen. Wenn meine Blicke mit den Wellen wandern, wird aus Weite wahre Sehnsucht und aus Sehnsucht sanfte Melancholie. Immer. Doch was genau fühlen Menschen, wenn sich ihr Himmel von Rosarot in Tiefblau verfärbt? Hören sie auf, blauäugig Illusionen hinterher zu hängen, oder lassen sie sich ganz bewusst auf eine Fahrt ins Blaue ein, wenn ihre Gedanken zur Leinwand himmelblauer Traumbilder werden?

[youtube_sc url=”https://www.youtube.com/watch?v=h6KYAVn8ons”]

3. November: „Fabelhafte Fantasieflüge”

Fantasien bleiben so lange fantastisch, wie wir sie immer wieder überprüfen und dann in Variationen wiederholen. So wie er und ich, am Tag als wir uns wiedersahen, und ich einsah, dass mystische Vereinigungen nie in Reihenhäusern enden, immer aber im siebten Himmel. Und das ist doch auch etwas Fabelhaftes. So hängt mein Traum weiter in der Luft wie der Duft süßer Limonade. Inzwischen weiß ich, dass er genau dort hingehört.

31. August: „Unendliche Geschichte“

Manchmal glaube ich, dass uns manche Menschen nicht nur um die Wahrheit, sondern vor allem um die Zeit betrügen. Wie in Michael Endes „Momo“. Nach drei Cola und zwei Kaffee fasste ich mir ein Herz und beschloss, dem Ende einen Anfang zu setzen und der Vergangenheit nicht mehr hinterher zu hetzen. „Denn Zeit ist Leben. Und das Leben wohnt im Herzen”. Anders gesagt: Verschwendet ruhig eure Zeit, aber nur in der richtigen Gesellschaft. Denn das Leben ist zu kurz für eine unendliche Geschichte. Ende!

köln

8. Juli: „Dinge, die wir für die Liebe tun“

All die Dinge, die wir für die Liebe tun – in der Summe sind sie meistens kleiner als drei: <3. Das ist eine graphische Konvention, keine mathematische. In der Liebe geht es nur wenig um Mathematik. Denn 1 und 1 ist nicht immer 2 und tendiert meistens gegen Null. So wie meine Lust, den Urlaub mit Liebeskummer in Hamburg zu verbringen. Sinnlos war die Reise in den Süden offenbar nicht. 400 Kilometer von zuhause wurde mir endlich klar, dass all die Dinge, die wir für die Liebe tun, auf unser Karma-Konto wandern. Und dass sie in der Summe zwar <3 aber immer größer als Null sind. Denn aus jeder Nullrunde nehmen wir mindestens eine neue Erkenntnis mit. Heute: Es bringt nichts, vor den Menschen, die wir lieben, fortzulaufen. Weil sie uns kriegen. So wie er mich.

10. August: “Bestimmter Wind”

Gerade habe ich meinen Routenplaner über Bord geworfen und beschlossen, einfach mitzusegeln. Mich einfach mal treiben zu lassen und auf den sanften Rückenwind zu setzen. Vorausgesetzt, du reißt das Ruder nicht wieder rum. Aber darüber mache ich mir heute Abend keine Gedanken. Weil ich morgen wieder mit der Stimme im Kopf aufwachen möchte, die sagt, dass alles gut wird. Dass ich mich in dir getäuscht habe, als ich weinte, weil ich meinte, dass du das größte Arschloch der Welt bist. Bestimmt habe ich immer ein wenig zu strikt auf meine Kurs bestanden und nicht verstanden, dass ich dich nicht überholen darf, um auf deinen zu kommen. Plötzlich warst du auf Sichtweite. Ich lange nicht am Ziel. Aber vielleicht in ruhigeren Gewässern.

[youtube_sc url=”https://www.youtube.com/watch?v=ONxXr25OHzM”]

1. August: „Weiter als alle anderen ist nicht weit genug“

Denn wenn keiner gewinnt, verliert immer, wer am meisten investiert hat. Münzen, Kraft oder Zeit. Gelegentlich Gefühle. Dann bleiben nur scheinbare Sieger. Die mit dem geringsten Einsatz.

14. Mai: „Gefühlt gequirlte Gülle“

Sie habe sich wie ein Vollidiot gefühlt, schrie sie ins Telefon, als sie mich Samstagnacht heulend von der Damentoilette anrief. Die Geister, die sie rief, antworteten – nicht. Sie war Besseres gewöhnt. Ich saß gerade in einem Loft irgendwo hoch über der Stadt. Als ihr Aku leer war, schrieb ich dir eine SMS. Wie: „Das war doch nur ein Witz.“ So ist das, wenn wir auf schön’ Wetter machen: Gefühlt stehen wir im Regen.

Paris? Weihnachtsmarkt in Hamburg

23. Oktober: „Idioten trotzdem daten“

Es gibt diese Dinge, die dich erst faszinieren, dann irritieren und schließlich malträtieren; denen du blauäugig begegnest, bevor du beide Augen zudrückst, um schließlich gerade noch mit einem blauen Auge davonzukommen. Dinge, die wir erst lieben, dann hassen und letztendlich dennoch nicht von ihnen lassen. Wie ein gebranntes Kind, das trotzdem gern mit dem Feuer spielt. Oder die geprügelte Frau aus der Vorabendserie, die immer kurz vor der Kehrtwende genau zu dem Idioten zurückkehrt, der dauernd auf dicke Hose macht. Denn manchmal sind diese Dinge Menschen. Oder Männer. Leider. Es ist schwer, anderen Menschen zu vermitteln, warum wir an Dingen festhalten, die uns weder gut stehen, noch gut tun. Vielleicht an Adiletten, vielleicht an Zigaretten. Vielleicht aber auch Idioten, die Adiletten tragen, Zigaretten rauchen und bis zum Verderben auf dicke Hose machen. Unserem Verderben! Außer uns platzt von Angesicht zu Angesicht mit der dicken Hose der Hemdkragen. Doch das passiert nicht, denn im Grunde spielen wir gern und gern von ganzem Herzen mit dem Feuer. Wohl wissend, dass das verkehrt ist.

[youtube_sc url=”https://www.youtube.com/watch?v=zIBJ9Kdcy9w”]

Liebe ist alles,

kurz-unterschrift11

Zum Rückblick aus der Perspektive „Freunde“ geht es – HIER!

Kommentare

Antworten

Teil mir Deine Meinung mit. Ich freue mich über Feedback!