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Lageplan

Veröffentlicht: Montag, 11. Mai 2015

Ich glaube, dass es kein schlimmeres Gefühl gibt als das Vermissen. Weil es uns in die missliche Lage bringt, genau zwischen den Spannungsfeldern von Liebe und Hass zu stehen, was uns irrational handeln lässt. An manchen Tagen wollen wir uns einfach ins Auto setzen und zu ihm fahren, an anderen würden wir uns am liebsten vor ein Auto werfen.

Weil wir uns nicht entscheiden können, ob es ein traumhaftes Gefühl ist, jemanden zu vermissen – oder eben einfach nur ein Albtraum. Denn ihr wisst, wer vermisst, der weiß selten selbst, was überwiegt: Jemanden dafür zu lieben, dass er da ist, prinzipiell – oder ihn zu hassen. Punktuell. In eben diesem Moment, in dem er gerade nicht da ist.

Immer, wenn wir uns für eine Seite entscheiden, treffen wir doch nicht mehr als die Wahl, uns weiter im Kreis zu drehen. Und so wird der Kreislauf zur Einbahnstraße. Das Gefühl, zu vermissen, besiegen wir nämlich nie bewusst durch eine Entscheidung.

Eigentlich ist genau das Gegenteil der Fall: Die einzige Chance, die wir haben, ist, es im Unterbewusstsein zu überwinden, sobald sich unser Bewusstsein wieder an anderen Dingen festsetzt, um mit der Welt zu drehen, anstatt im Kreis zu gehen.

Manchmal liegt das Verlieren darin, vergessen zu werden, manchmal liegt der Sieg im Vergessen. Und das ist eine gute Nachricht. Weil wir den Sieg immer vor den eigenen Augen haben. In all den schönen Dingen, die wir da draußen sehen. Dinge, die gerade in Zeiten einen Gedanken wert sind, in denen sich unser Weltbild auf das Vermissen allein konzentriert. Weil dann plötzlich wieder passiert, was wir gerade noch für unmöglich halten: Wir kratzen die Kurve und kommen irgendwie doch bei dem an, was ein Ausweg sein kann.

Wahrscheinlich gibt es wirklich kein schlimmeres Gefühl als das Vermissen. Weil es uns irrational handeln lässt. Ich ließ die Abfahrt links liegen und steuerte bewusst weiter in den Kreisverkehr. Weil ich in Wahrheit der Meinung bin, dass es ein schaurig-schönes Gefühl ist, zu vermissen. Zumindest nach drei Wodka auf Eis –und irgendwas vom Snow Patrol.

Du fehlst mir,

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