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Santa Bébé: Katharine Mehrling im „Whisky à Go-Go“

Veröffentlicht: Samstag, 24. Dezember 2011

Über dem Klavier Marilyn Monroe in Grautönen hinter Glas. Davor Katharine Mehrling live und in Farbe. Die Bühnenstar trinkt spanischen Rotwein und singt die Chansons der Piaf. Padam, padam. Die Mehrling ist auf Heimattour. Im Sendesaal des Hessischen Rundfunks hat sie mit der HR-Bigband gerade 800 Fans begeistert. Der Rest ist Kür: ein Barabend im Hanauer „Whisky à Go-Go“. In der kleinen Pianobar mit dem puffigen Interieur sei bereits ihr Vater aufgetreten, sagt sie der Journalist mit der Basecap an. Widerwillig. Doch was könnte man dieser Frau abschlagen?

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Bonsoir, Katharine. Zigarettenrauch hängt in der Luft, zieht flirrend an den gedimmten Lichtern vorbei. Im Hintergrund laufen alte Schlager; die schöne Kellnerin mit dem orientalischen Look kämpft sich durch den mit schweren Sesseln und Menschen zugestellten Raum. Noch ein Glas. „Merci!“

Es wäre einer diese Nächte, die zu französisch sind, um in Paris über die Bühne zu gehen – wäre der Wein eben kein Rioja sondern ein Bordeaux. Doch bordeaux sind nur die Möbel. „La vie en rose“ erklingt, Mehrling hat sich warm gesungen. Das Französische steht ihr wie eine nostalgische Haute-Couture-Kreation. Ihr Gesang aber ist schnörkelig, schnörkeliger als ein Chanel-Kostüm auf jeden Fall. Sicherlich nicht von der Stange. Von wegen prêt-à-porter. Aber prête à chanter? „Mais oui!“

Noch einmal geht Katharine Mehrling ans Mikrofon. Pianist Markus Höller reaktiviert das iPad. Noten erscheinen auf dem Display. Auf dem Sofa daneben sitzt – vis-à-vis gerahmter Fotografien von Frank Sinatra, Grace Kelly und Sophia Loren – Rolf Kühn. Kühn, dessen Lebenswerk gerade mit dem Jazz-Echo ausgezeichnet wurde, ist zum ersten Mal in Hanau. Die Stadt gefällt ihm. „Ich ziehe ins Café Menges“, sagt der 83-Jährige, während er seine Klarinette wieder zusammenbaut. Grinsend.

Petite Fleur“ will er heute nicht spielen. Aber Charles Aznavours „She“. Es ist kurz nach Mitternacht des 24. Dezembers. Aus Katharines Mund klingt „She“ wie eine weihnachtliche Offenbarung. Aznavour hat nicht mit Caterina Valente gearbeitet. Rolf Kühn schon. Und jetzt mit Katharine Mehrling. Sie haben sich an einem dieser „Pariser Abende“ fern Frankreichs kennen gelernt. Ebenfalls in einer Bar. Einer Berlin Bar. Beim Improvisieren. „Jam Session“ nennt man das im Musiker-Jargon. Entstanden ist mehr als Marmelade.

Sieben Jahre nach dem Rendezvous par hasard nahmen die beiden Künstler das Album „Am Rande der Nacht“ auf – eine magische Zeit, wie Mehrling sagt. Es folgt die weihnachtliche. „Winter Wonderland“, „Blue Christmas“ und noch ein Rioja. Cappuccino ist aus. Für mich einen Café au lait. Der schönste Mann des Abends heißt Jérôme. Die Pariser Nacht fern Frankreichs ist traumhaft. Aber sie wird kurz. Ralph-Lauren-Hemden sahen nie besser aus als an Jérôme. Non, je ne regrette rien. Pas du tout!

Bonne nuit, Katharine. A bientôt

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Mein Bar-Look zu Weihnachten – HIER!

Mehr zum Album “Am Rande der Nacht” HIER!

Kommentare

  1. Gepostet von Moritz am Samstag, 24. Dezember 2011

    Katharine ist der Hammer. Habe sie in “Birds” gesehen. Tolle Frau, super Stimme. Frohe Weihnachten, Moritz

  2. Gepostet von Brad am Samstag, 24. Dezember 2011

    Definitiv! Danke, zurück. Genieß die Feiertage!

  3. Gepostet von Coquette am Sonntag, 25. Dezember 2011

    Fühle mich beim Lesen so, als wäre ich dabei gewesen, und jetzt ist’s mir irgendwie très francais zumute… ;-) Merci!!

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