Katharine Mehrling.  Foto: Jim Rakete

Am Rande der Nacht: Katharine Mehrling veröffentlicht ihre neue Platte

Veröffentlicht: Donnerstag, 5. Mai 2011

Tippi bald im Tipi: Katharine Mehrling ist nicht nur in der Berliner Künstlerszene ein Name. Als einzige Deutsche hat sie das Hair-Revival am Londoner West End gespielt. Im Film „Operation Walküre“ durfte sie Tom Cruise bezirzen. Seit einigen Monaten steht die Sängerin als Tippi Hedren im erfolgreichen Musical „The Birds of Alfred Hitchcock“ auf der Bühne – eine Rolle, die ihr der Komponist William Ward Murta persönlich auf den Leib schrieb. Klar, dass sich zur Live-Premiere ihrer neuen Platte „Am Rande der Nacht“ im Berliner Tipi am Kanzleramt zahlreiche Prominente angekündigt haben. Darunter so illustre Gäste wie Alfred Biolek, Gitte oder Mary. Brad Shaw traf die vielseitige Sängerin und Schauspielerin kurz vor dem großen Auftritt in einer kuscheligen Piano-Bar.

Die Location ist bedacht gewählt. „Wow“, sagt Katharine Mehrling, während sie die kleine Bar im Herzen der Altstadt betritt, wo die Wände puffig rot und voller Bilder legendärer Showgrößen sind. Im Schlepptau hat sie den sprichwörtlichen Koffer aus Berlin. Gerade noch war Katharine zum Interview beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt. Jetzt nimmt sie vis-à-vis gerahmter Konterfeis der ganz Großen auf einem Sofa Platz. Liz Taylor, Sophia Loren, James Dean. Und klar: Frank Sinatra. Katharine bestellt einen Tee. Der Barmann legt Roy Orbinsons „Pretty Woman“ auf. Später wird er ihre neue Platte „Am Rande der Nacht“ spielen“ Das weiß er nur noch nicht. Und sie auch nicht.

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Katharine, Deine Platte “Am Rande der Nacht” eröffnet mit dem Song LECKER. Für den hast Du gleich einen Videoclip produziert. Was ist lecker?

“Wie ich im Lied singe, sind Schlagsahne und Mousse au Chocolat lecker. Aber auch Musik kann lecker sein. Und natürlich Männer“

Welche Männer?

„Humorvolle Männer. Ich stehe auf Humor. Der Schauspieler aus dem Video war übrigens richtig lecker.“

Wo hast Du das Video gedreht?

„In einer alten Berliner Pension. Die sich ‘Belle Étag’ nennt. Eine toller Ort. So nostalgisch. LECKER gehört zu meinen Lieblingsstücken der neuen Platte. Es swingt so schön. BITTERSÜSS mag ich ebenfalls sehr gern. Das hat dieses New York-Feeling. Du bist einsam im Big Apple. Und plötzlich erklingt irgendwo Miles Davis. Das ist der Song!“

Wann ist der perfekte Moment, um „Am Rande der Nacht“ zu hören?

„Wie der Name verrät: Abends, zur blauen Stunde. Bei einem Glas Wein. Auf den Titel kam übrigens der Fotograf Jim Rakete, der für das CD-Artwork zuständig war. Ich wollte, dass das Wort ‘Nacht’ vorkommt. Doch alle meine Ideen hörten sich banal an. Eines Tages schrieb mir Jim eine E-Mail. Da stand ‘At the edge of the night’. Ich übersetzte das einfach ins Deutsche. Et voilà!“

Du hast die Platte gemeinsam mit dem legendären Klarinettisten Rolf Kühn geschrieben und produziert. Woher kennt ihr euch?

„Wir trafen uns auf einer Party in Berlin und wollten unbedingt was zusammen machen. Die Arbeit am Album war ein langer, aber schöner und kreativer Prozess. Wir nahmen die Songs später in den Berliner Hansa Studios auf. Das ganze Projekt war eine tolle Erfahrung. Da Rolf und ich das Album gemeinsam produziert haben, haben wir jeden Schritt selbst entschieden. Vom Abmischen der Songs im Studio bis hin zur Bildauswahl für das Cover und das Booklet.“

Wie würdest Du den Sound der Platte beschreiben?

“Ich mag es nicht, Musik in Schubladen zu stecken. Dennoch: Ich glaube, es ist eine Mischung aus Blues, Jazz, Chansons und Pop. Im Gegensatz zu Annett Louisan etwas weniger Pop und etwas mehr Blues. Das atmosphärische Vorbild ist der Film Noir, wobei es nicht ganz so düster zugeht. Es sind heitere, swingende Stücke drauf, aber auch nachdenkliche, sehr atmosphärische.”

Ihr werdet das Album bald live in Berlin vorstellen. Wie sieht ein Konzertabend mit Katharine Mehrling aus?

„Ich arbeite gern mit Kontrasten. In diesem Fall soll die Intimität der Songs beispielsweise durch eine Big Band aufgebrochen werden. Zwischendurch erzähle ich Geschichten. Rolf und ich freuen uns auf die Live-Premiere. Neben der Sängerin Sharon Brauner wird uns auch ein Tänzer begleiten. Wir hoffen auf viel Resonanz. Umso mehr, da wir am ersten der beiden Abende sozusagen gegen den Eurovision Song Contest laufen.“

Kannst Du dem ESC persönlich etwas abgewinnen?

„Früher habe ich vor dem Fernseher mitgefiebert. Heute finde ich die Veranstaltung weniger spannend. Trotzdem habe ich mich total gefreut, dass Lena letztes Jahr für Deutschland gewonnen hat.“

Wenig spannend? Dabei bist Du doch selbst einmal im Vorentscheid angetreten…

„Das stimmt, sogar mit einem Lied von Ralph Siegel. Aber darüber spreche ich nicht gern. Es gibt so viel Interessanteres zu bereden.“

Plötzlich steht Katharine auf. „Ich muss kurz den Barmann sprechen“, sagt sie. Wenig später kommt sie zurück. Mit einem Foto in der Hand. „Ich erkannte die Bar aus den Erzählungen meines Vaters wieder“, sagt sie und zeigt überglücklich auf das vergilbte Bild. „Mein Vater ist tatsächlich hier aufgetreten.“ Kurz darauf erklingt die Stimme ihrer Mutter durch die Lautsprecher. Katharine verkneift sich eine Träne. Live-Aufnahmen aus der TENNE in Nidderau-Ostheim, der Musikbar ihrer Eltern. „Meine Mutter war eine Naturgewalt, sie hat viele Menschen mit ihrer Stimme berührt“,  sagt sie. Da hat der Barmann auch schon Katharines PIAF-Aufnahmen aufgelegt. „Die CD hat mir dein Vater mal geschenkt“, sagt er. „Der war mächtig stolz auf dich.“ Katharine ist gerührt. „Leider sind beide nicht mehr unter uns“, bemerkt sie schließlich. “Dein Vater war mein Freund”, ergänzt der Barmann. “Und wenn der hier spielte, war die Bude voll!”

Bist Du noch sehr mit Ostheim und der Region Hanau verbunden?

“Sehr. Und ich liebe es. Ostheim findet auch immer Platz in meinen Soloprogrammen. Es ist total schön, mal wieder in Hessen zu sein. Facebook macht es glücklicherweise leichter, die alten Kontakte zu pflegen und zu reaktivieren. auf Facebook lese ich mit Freude über alte Wegbegleiter. Beispielsweise über die Sängerin Simone Kerchner, der ich, wenn überhaupt, nur noch kurz auf Galas begegne. Heute führe ich ein ganz anderes Leben fern der alten Heimat.“

Inwiefern?

„Ich bin längst in der Berliner Künstlerszene verwurzelt. Ich gehe auch privat viel ins Theater, in Konzerte und auf Ausstellungen. Wenn ich in Charlottenburg in den Park gehe, treffe ich vielleicht Annette Humpe und andere Kollegen. Ich fühle mich wohl in Berlin.“

In deinem Song CASTROP-RAUXEL dagegen singst Du, dass Du ein Star seist – in der Provinz. Ich zitiere: Dich kennt die ganze Welt in Bielefeld. Und in Hamm will man Dein Autogramm. Du durftest steppen in Meppen. Dein größter Fan heißt Lothar – Lothar aus Gotha.

„Das Stück handelt augenzwinkernd von zahllosen Auftritten in Stadttheatern. Und ich habe diese Zeit geliebt. Der Text kam mir im Zug zwischen zwei Terminen. Für mich stellt sich nicht die Frage, wo ich auftrete, sondern ob ich die Möglichkeit habe, eine Rolle zu entwickeln. So war das bei BIRDS OF HITCHCOCK – in Bielefeld. In diesem Moment verspüre ich große Lust, hier in dieser kleinen Bar aufzutreten. Und ich werde es demnächst tun!“

Der Tee ist ausgetrunken. Katharine bestellt sich ein Bier. Inzwischen sind der Musical-Regisseur Benjamin Baumann und ihre Nichte Louise zur Runde gestoßen. Katharine freut sich tierisch, die beiden zu sehen. Sie spricht über die „Broadway Bar“ in Wien, über alte Zeiten in Ostheim und über aktuelle Projekte. Beispielsweise das Stück „Ewig Jung“, das sie am Berliner Renaissance Theater spielt. Dem Barmann schenkt sie eine der „Am Rande der Nacht“-CDs. Klar legt er sie gleich auf. Und er kann gar nicht genug bekommen – nicht von der Platte, aber auch nicht von der adretten Blondine. „Die Runde geht auf mich“, sagt Katharine, bevor sie sich verabschiedet. Das ist mal ein Wort. Und ganz ehrlich: Ein klein wenig habe ich mich ja schon in sie verliebt. Bonsoir, Katharine!

Stay tuned,

 

 

 

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Mehr Infos zu Katharines Live-Auftritten hier!

Mehr über Katharine morgen bei den Kollegen vom HANAUER ANZEIGER!

Kommentare

  1. Gepostet von Jan am Donnerstag, 5. Mai 2011

    Schönes Interview!

  2. Gepostet von Milli am Donnerstag, 5. Mai 2011

    That’s why I love you! Great

  3. Gepostet von Brad am Donnerstag, 5. Mai 2011

    Hey, Danke Milli. War auch ein tolles Interview. That’s why I love writing :o)

  4. Gepostet von Jan am Donnerstag, 5. Mai 2011

    Edel-Blogging! You know that! Stimme Milli zu.

  5. Gepostet von thorsten am Donnerstag, 5. Mai 2011

    Toll, macht wirklich Spaß zu lesen, bitte mehr davon !

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