Phoenix Collection - Julia Starp Berlin Fashion Week klein

Feurige Nonchalance: Julia Starp auf der Berlin Fashion Week

Veröffentlicht: Sonntag, 19. Januar 2014

Wann immer die Fabelwelt der griechischen Antike Anlass für aktuelles Kulturschaffen ist, ahnt der Konsument Kunst – oder erwartet sie zumindest. Wohl wissend, wie schwierig es ist, diese spätestens seit der Renaissance wieder und wieder verwursteten Geschichten zur Leinwand für Neues zu machen.

Manchmal gelingt das glücklicherweise. Immer dann, wenn Kreative Schnittstellenarbeit leisten. Vielleicht zwischen klassischen idealen und modernen Interpretationen. Vielleicht auch, viel banaler, zwischen Kunst und Couture.

Julia Starp leistet diese Art von Schnittellenarbeit. Zu den Schnitten ihrer neuen Kollektion hat sie die Geschichte des zum Sprichwort gewordenen Feuervogels Phönix inspiriert. Sozusagen beflügelt. Sprich: Der ewige Kreislauf aus Leben und Tod, aus Sterben und Wiedergeburt. Und irgendwie passt diese Geschichte zum Konzept der jungen Designerin aus Schleswig-Holstein, deren Haute-Couture- und Prêt-à-porter-Kollektionen seit Sommer 2011 regelmäßig auf der Berliner Modewoche zu sehen sind.

Phoenix - Julia Starp Berlin Fashion Week

Phoenix – Julia Starp, Berlin Fashion Week

Nachhaltigkeit als Muster

Bekannt wurde Starp nämlich zuerst für nachhaltig gehandelte Mode und Accessoires, teils sogar aus recycelten – wiedergeborenen und erneuerten – Materialien erschaffen. Ökologie als Muster des modernen Designers in einer Branche, die sich klassischerweise in luxuriöser Verschwendung ergießt. Dennoch hat ihre Kollektion „Phoenix“ wenig mit dem Charme von Jutetaschen und Jesus-Latschen gemein. Nein, im Gegenteil. Sie ist mondän, opulent und high-end im gesamten Anspruch, was sich vor allem in ihrer Ausführung zeigt.

Phoenix Collection - Julia Starp Berlin Fashion Week

Phoenix-Kollection – Julia Starp Berlin Fashion Week

Kunst und Couture

Starps Designertum beginnt auch im Fall von „Phoenix“ dort, wo Mode ihre inszenierte Theatralik verlässt und in die Theaterwelt eindringt. Zu Recht schreibt die Hamburger Modebloggerin Sandra Geißler auf FashionSandrina begeistert: „Liebe Julia, Deine Kollektion ist Oper, Drama und Kunst zugleich.“ In den Roben, Kleidern, Korsagen und Mänteln der Designerin werde Frau zum Fabelwesen, ohne ihre sexuelle Kraft zu vergessen, sei mondän und elegant.

Einen „wunderschönen, geheimnisvollen Touch“ sieht auch die Wiener Modebloggerin Victoria Egger von Weibi im Misch aus mystischen Masken und Kleidung, die Starp selbst der Punk/Rock-Romantik zuordnet.

Berlin Fashion Week: Philips blogger-Event mir Sandra von FashionSandrina (links) und Viktoria Egger von Weibi

Berlin Fashion Week: Philips Blogger-Event mir Sandra von FashionSandrina (links) und Viktoria Egger von Weibi / Foto: Sandra Geißler

Das Ambiente der Modenschau passt zum Thema: In den Opernwerkstätten ist Berlin irgendwie genauso, wie man es erwartet: edgy. Fabrikhallenatmosphäre, Baugerüste und Musik. Nonchalance wie sie am Fashion-Week-Zelt am Brandenburger Tor selten zu finden ist.

Opernwerstätten Berlin

Was auf dem Laufsteg stattfindet, ist cooler als kaltes Licht auf unterkühlten Models. Hier passiert mehr als Präsentieren und Defilieren. Im Verlauf ihrer Show zeigt Julia Starp eine Geschichte in bewusst narrativ aneinander gereihten Entwürfen. Eben jene Geschichte vom Vogel Phönix. Von werden, vergehen und erneuern; übersetzt in rote, schwarze und goldfarbene Töne, in strenge Formen und wallende Stoffe. Der Stoff, aus dem Mythen sind: klare Botschaften in ausschweifendem Gewand.

Phoenix - Julia Starp Berlin Fashion Week - Runway

Phoenix Spitze - Julia Starp Berlin Fashion Week

Designerin Julia Starp auf der Berlin Fashion Week

Designerin Julia Starp

Rundum glücklich

Der Abend endet in der Skybar des Berliner Hotels Andel’s – mit Blick auf die Hauptstadt. Aus der Vogelperspektive. Mit feurig gewürzten Knabbereien zu kühlen Cocktails. Julia Starp wirkt entspannt und glücklich, während sie den großen Tag mit Freunden und Mitarbeitern des Elektronikkonzerns Philips ausklingen lässt. Philips, dessen Bügeleisen sie mit ihren Models gelegentlich zu Kunstobjekten stilisiert, der zu den Förderern der aufstrebenden Designerin zählt.

Blick aus der Skybar des Hotels Andel's, Berlin

Blick aus der Skybar des Hotels Andel’s, Berlin

Und irgendwie zählt jeder im Raum schon die Wochen bis zur Sommerausgabe der Berlin Fashion Week. „Dann gibt’s auch wieder Männermode“, verspricht die Designerin. Wir ahnen Kunst an Männerkörpern. Wir erwarten sie zumindest.

Stay fashionable,

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