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No Limits: I do what I want – and I wear Julia Starp with pride!

Veröffentlicht: Sonntag, 14. September 2014

Kreativität entsteht nie beim Komasaufen und schon gar nicht beim Kiffen, auch wenn die Rapper der 90er Jahre uns das immer so verkaufen wollten. Lasst euch nicht für dumm verkaufen. Kreativität kommt immer im konstanten Austausch mit der Welt da draußen, sie kommt aus der Korrespondenz. Nach besonders uninspirierten Tagen treffe ich mich deshalb besonders gern mit einem meiner kreativen Freunde, Schauspielern, Musikern, Autoren oder Designern, um mir freshen Input zu holen.

Am Freitag saß ich mit meinem Architekten-Freund André bei Schweinshaxen, Rindergulasch und nicht-alkoholischen Getränken in St. Georg, um über Design zu sprechen. Und da habe ich ihm von Julia erzählt.

Atelier Julia Starp

Es war an einem unterirdisch uninspirierendem Dienstag, an dem ich gegen Mittag auf die Idee kam, Designerin Julia Starp in ihrem Hamburger Atelier zu besuchen. Einfach, um über die schönen Künste zu sprechen und ihr zur Fertigstellung ihrer Hoodie-Kollektion zu gratulieren, deren Entstehung ich als erster Hoodie-Träger meiner Hood auf BradSticks begleitet habe.

Und irgendwie ist der Release der Teile auch das Halten eines Versprechens, das Julia Marc und mir im Winter auf der Berliner Modewoche gab – nämlich, sich nach der heißen Phoenix-Kollektion mal um coole Klamotten für Jungs zu kümmern. Weil wir Jungs das verdient haben!

Ich treffe also Julia in ihrem Atelier. Zwischen Stoffen, Knöpfen, komischen Maschinen und Schokolade. Hier, im ungemein unspektakulären Teil Hamburgs, entsteht ihre Mode, die so unglaublich viel Lust auf prêt-à-porter macht wie Julia selbst unprätentiös ist.

Fast versteckt, an der Wand neben dem Anprobe-Spiegel, hängen Grußkarten von Prominenten, die sich mal mit ihren Entwürfen auf dem roten Teppich gezeigt haben. Eher beiläufig erzählt Julia, dass sie am Anfang ihrer Karriere ein Fotoshooting bei „Germany’s next Topmodel“ ausstatten durfte, dass sich bekannte Models von ihr einkleiden lassen, dass sie im Januar eventuell wieder auf der Fashion Week sein wird. Oder von den Auszeichnungen, die sie für ihre Verpflichtung zur nachhaltigen Produktion bekommen hat.

Bei aller Beiläufigkeit steht beim Erzählen immer wieder die große Begeisterung für ihre Arbeit im Mittelpunkt, für die sie steht, ohne sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. Alles eine Einstellungsfrage. Das Experimentieren mit Farben und Formen, das Denken in vorgegeben Rahmen, das freie Gestalten. Und immer wieder der Anspruch, im Produktionsprozess so viel wie möglich selbst zu machen.

Julia Starp ist keines der Püppchen, die irgendwas mit Mode machen.  Sie ist vor allem Handwerkerin. Das klingt wenig glamourös, ist aber doch die Grundlage des kreativen Schaffens – eine Konstante, die gegenüber Trends und Must-haves erhaben ist. Weil es das Handwerk ist, das Trends und Must-haves erst entstehen lässt, das sie formt und weiterentwickelt. Das ist beim Schreiben so, in der Architektur und auch im Modedesign. Nichts kommt aus dem Nichts und alles aus einer Wurzel.

 

In Julias Atelier sind diese Wurzeln deutlich zu sehen. Vielleicht in der Normalverbraucher-Nähmaschine, an der aus dem Stoff, aus dem Träume sind, Musterstücke werden, die irgendwann in Serie gehen, dann im Online-Shop landen. Vielleicht im bunten Drachen in Schmetterlingsform, der, in der Ecke zwischen Wand und Decke befestigt, quasi daran erinnert, wie dieser kleine Design-Betrieb mit all seinen Farben und Formen immer weiter an Auftrieb gewann. Getragen auf dem Wind, den Menschen, die sich von Herzen für ihre Sache begeistern, irgendwann machen müssen, um zu überleben. „Auch wenn das Kreativen wohl immer etwas schwer fällt“, wie Julia lächelnd sagt.

„Wenn du Modedesign studierst, nimmt dich erstmal keiner ernst“, erinnert sich Julia. „Ich habe mich anfangs dafür geschämt. Irgendwann kam der Punkt, an dem ich mein Handwerk wirklich beherrschte. Da kam auch das Selbstbewusstsein.“

Julia erzählt von ihrer Kindheit auf dem Land, von den Schwierigkeiten am Wirtschaftsgymnasium, vom Unwillen, in großen Modebetrieben uninspirierte Handlanger-Aufgaben erledigen zu müssen. Sie habe sich gegen die Sicherheit der Festanstellung und für ihre Ideen entschieden.

Genau diese Entscheidung ist es, die mir den Hoodie so wertvoll macht, den sie mir zum Abschied schenkt. „Ich habe leider keine Taschen hier. Stört es dich, wenn ich ihn einfach in eine Mülltüte packe?“ Es stört mich nicht. Stolz packe ich meinen Hoodie in die blaue Mülltüte und laufe Richtung S-Bahn. Ich bin nachhaltig beeindruckt von all dem, was ich gehört und gesehen habe, so werde ich diesen Abend später André zusammenfassen.

„Das Schlimmste ist, deine eigene Kreativität Zwängen unterzuordnen, dir Grenzen zu setzen, oder das Mitspracherecht nehmen zu lassen“, sage ich zu meinem Buddy, der noch an seinem alkoholfreiem Alsterwasser nippt.

André ist ein Großer. Ich habe ihn mal in einem Club auf der Tanzfläche kennen gelernt. Der kann was. Der ist Handwerker. Für BMW, für Adidas. Ich sollte ihn mal Julia vorstellen. Ich liebe Menschen wie André und Julia. Weil sie mir so viel geben, indem sie mich einfach zuschauen lassen, teilhaben lassen – an ihren alkoholfreien Getränken und an ihren Visionen.

We do what we want – and I wear THIS wie pride:

Julia Starps Hoodies gibt's im Online-Shop!

Julia Starps Hoodies gibt’s im Online-Shop!

Hoodie von Julia Starp

Hoodies Julia Starp

Beim Hoodie-„Shooting“ mit Markus in der Hafencity schaue ich an mir runter. Die Kette von Mayk Holländer, die Armbänder von Martin Hardt und Daniel Ramos – all die Schmuckdesigner, mit denen ich in meiner Heimat gechillt habe. Abends in Ateliers oder in schmutzigen Bars. Ja, ich lebe in ihren Arbeiten. Noch immer. Und ich lebe für diese Hamburger Abende mit Gesprächen über Design, die sich so nach Zuhause anfühlen. Das lasst euch mal gesagt sein von einem, der am liebsten Nike-Shox und Jogginghosen trägt! Für Julia habe ich natürlich extra ein Hemd geklaut. Lass dich nicht begrenzen. NEVER!

This one goes out to my designer-friends: There’s no limit,

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Mehr aus meinem Tagebuch – HIER!

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