Julia Starp Berlin Fashion Week Fairy Tale Heroes

Fashion-Week-Vorfreude: Julia Starps Fairy Tale Heroes

Veröffentlicht: Donnerstag, 18. Dezember 2014

Als ich im Sommer meinen hoch geschätzten Kollegen Aljoscha Grabowski und die Hamburger Designerin Julia Starp zwecks eines Interviews zusammenführte, war mir nicht bewusst, dass ich damit indirekt an ihrem Beitrag zur kommenden Berlin Fashion Week mitwirkte.

Denn im Interview über den modischen Wert der Kostüme von Superhelden wie Batman für das Online-Magazin Juiced habe ihre Idee, sich thematisch mit dem Themenkreis der Brüder Grimm auseinander zu setzen, den entscheidenden Dreh bekommen, wie sie mir letztens live im Facebook-Chat berichtete. „Meine Kollektion wird den Titel ‘Fairy Tale Heroes’ tragen“, so Starp.

Hier ein kleiner Vorgeschmack:


Was Julia Starp nicht weiß, ist, dass Josch und ich aus der offiziellen Brüder-Grimm-Stadt Hanau stammen – und ich lange Zeit in direkter Nachbarschaft zum Geburtshaus der weltweit wohl bekanntesten Märchensammler wohnte. Für gewöhnlich lasen mir meine Eltern zum Einschlafen ein Märchen der Grimms vor. Noch heute höre ich zum Einschlafen Märchen-Podcasts. Weil mich nichts mehr runter bringt. Außer mein Märchenprinz vielleicht.

Ob mein Lieblingsmärchen „König Drosselbart“ Einzug auf der Berliner Modewoche Einzug halten wird, bezweifele ich. Denn aus schiefer Nase und krummem Kinn lässt sich kaum Couture machen. Dafür möchte Starp Figuren wie Dornröschen, Schneewittchens böse Stiefmutter oder eben, in Anlehnung an Hans Christians Andersens „Die kleine Meerjungfrau“, die Medusa aus der griechischen Mythologie auf den Laufsteg bringen.

Ich liebe Märchen. Als Kind waren sie mein ständiger Begleiter, und wenn ich sie heute lese, kommen Erinnerungen von damals auf – aber auch neue Erkenntnisse, was Märchen aussagen können“, sagt Starp. Diese Bilder im Kopf hätten ihre Entwürfe geprägt. „Ich möchte Elemente der klassischen Darstellung, große Kleider und Korsagen, mit modernen Stilelementen und Materialien interpretieren“, erklärt sie weiter. „Das Flüssiglatex, das bei der Medusa zum Einsatz kommt, ist ein Beispiel.“

 

Irgendwo zwischen mondänem Auftritt und sexy Ausdruck knüpft Starp in Berlin also an ihr Vorjahreswerk Phönix an. Persönliche Erinnerung und Nostalgie sind Ausgangspunkt für den progressiven Ansatz Starps beim Bearbeiten des literarischen Traditionsstoffs. Detailverliebt holt sie die Märchenfiguren aus ihrer surrealen Welt in die Moderne – ein Transfer, bei dem ausgefallene, teils sehr abstrakte Kreationen entstanden sind.

Kollektion "Phoenix" - Berlin Fashion Week, Winter 2014

Kollektion “Phoenix” – Berlin Fashion Week, Winter 2014


Das Ergebnis, ich durfte schon einige Kleider auf Fotos sehen, fasziniert – schon im Materialmix: Durch Flüssiglatex werden besagte, divenhaft körperbetonende Couture-Kleider geformt, bevor Pailletten und Perlen in Handarbeit aufwändig bestickt werden. Seltene und edle Ahimsa Peace Silk nach traditioneller Herstellung aus Indien kombiniert die Hamburgerin mit Funktionsstoffen, die nach Bluesign zertifiziert sind.

Typisch Starp: Speziell die Schulterpanzer und kunstvollem Kragenkonstruktionen sind echte Hingucker. Diese wurden aus Rest- und Demeterleder gefertigt, ergänzt durch gebrauchtes Plakat- und Kordel-Material sowie Stoffmusterlaschen aus Milchprotein.

In Starps Märchenwelt prallen metallische Farbklänge in Blau-Grün, Anthrazit, Silber und Gold auf kräftiges Rot und Schwarz, gelegentlich akzentuiert sie mit Pink-Tönen. Die Grenzen zwischen tragbarer Couture und opulenten Kostümen verschwimmen. Die Fairy Tale Heroes sind gelebte und erlebbare Fantasie aus Magie und Konstruktion. Sie laden ein in die Welt des Scheins.

Zu sehen gibt es das Ganze am 21. Januar.

Julia Starp Fairy Tale Heroes

Starp selbst wollte als kleines Mädchen übrigens selbst immer Prinzessin sein. Erinnert auch an dieses Foto, solltet ihr mal ihr Dornröschen-Kleid zu Gesicht bekommen.

CU at Fashion Week & stay fashionable,

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