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Wer Sprache lebt, liebt deutschen Hip-Hop

Veröffentlicht: Montag, 12. Oktober 2015

Manche Menschen meinen, dass Hip-Hop Musik ist, zu der dämlich grinsende Macker zwischen einer Tüte und ein paar Tüten Chips mittwochabends mit Emanuela und Anna auf dem Wohnzimmerboden poppen. Von vorne und von hinten – ohne ihren Ehering.

Das Ding: Man mag diesen Menschen widersprechen, oder es dabei belassen. Verderben lassen darf man sich den Hip-Hop allerdings nicht – auf keinem Breitengrad, schon gar nicht in der Horizontalen.

Denn Hip-Hop ist mehr. Sogar mehr als sexy. Und immer auf den Punkt:

Der Moment, in dem du skinny Jeans den Jecken lässt und dir lieber ‘ne neue Jogger kaufst. Der Moment, in dem du fröhlich nickend in der Bahn ins Büro sitzt, obwohl du lieber liegen geblieben wärst, zum Beispiel auf dem Wohnzimmerboden. Der Boden jeder Party und der Himmel der deutschen Reimkultur. Fack ju, Göhte!

Und mehr noch – Hip-Hop ist der Moment, in dem du die Verbindung zwischen Rhythmus und Reim so astrein aufgetischt bekommst, wie sonst nur russischen Wodka – und nie in „La Traviata“.

Alter, wer ein Leben lang lieber die Verdi-Schiene fährt, fährt im Juli lieber nicht mit offenem Verdeck durch die Stadt. Wie die coolen Kinder am Deich, die Aggros in Berlin, die Rocker aus Rödelheim, oder die Freaks vom Hamburg Beach aus deinem Freundeskreis.

Weil A im Alphabet zwar vor B kommt, Beatboxen aber alle Arien-Arien schlagen, wie Afrob Beethoven, Bach und Brahms schlägt, oder Michi Beck Andreas Bourani. Zu jeder Zeit. Zumindest in den Boxen an den Ampeln. Wenn wir cruisen – und populär mehr ist als eine Tatsache, nämlich ein Text. Kredenzt auf 3 Minuten 36, der mit 34 immer noch so reinknallt wie mit 26, so fett knallt wie Wodka auf Wasser.

Sprich: Lieber „Skinny Bitch“ als skinny Jeans. Oder besser ein Becks, wenn meine Gedanken, mein Herz, mein Leben, meine Welt hoch bis zum 16. Stock reichen. Wenn es knallt. Da oben. Und die Wörter wieder fließen. Pur vom Kopf direkt auf die Tastatur.

Meine ich ernst: Wer Sprache lebt, liebt deutschen Hip-Hop.

Ihr spürt diese Passion in der Satzkonstruktion – ob auf meinem Blog, oder in seinem Block, wo sie zumindest den Beats troy geblieben sind – trotz silbernem Besteck und goldenem Retriever. Wie in der guten, alten Zeit mit Southpole-Hosen und Southpark vor dem Feiern. Breit aufgestellt, an Fünf-Sterne-Deluxe-Abenden mit zwei Promille auf vier Fanta mit Schuss.

So blieb die Oper stets ein statisches Spiel, wo der Hip-Hop längst ein vibrierendes Lebensgefühl war. So wahrhaftig wie das, was die Leute auf der Straße keifen, wenn sie genervt aus dem Theater kommen und die Masken in ihren Gesichtern killen. Von kultiviert auf Credibility.

Auch ich bin im Kopf immer am Hip-Hop hängengeblieben. Lieber vulgär als unpopulär – oder Cher beim Liebe machen. Lieber derbe auf der Kühlerhaube als Ringelpiez mit Daumenschraube.

Als er noch in meinen Lyrics stand, hatte er sogar seine eigene Playlist. Für das Wohnzimmer. Sie startete mit Der Tobi und Das Bo. Und endete 78 Tracks später auch wieder so. Ein Reigen aus Reimen:

Denn das Herz schlägt nur schneller bei Rap. Wenn ich By-Nature-Jungs aus dem Norden küsse. Check. Die Reimkultur können wie Hochkultur, die nach der Wagner-Oper mit dir auf dem Wohnzimmerboden landen, die den Beat zum Bangen brauchen wie den Bass zum Ballern. Bäm.

Ganz ehrlich. Hip-Hop braucht kein Mensch. Aber Mensch braucht Hip-Hop! Beim Reimen und beim Ringelpiez. Und die im Norden, natürlich, verführen dich discomanisch, Digger. Deshalb sind sie sooo sexy!

Heftig? Heftig? Heftig?

Magnesium,

kurz-unterschrift11

Mehr aus meinem Tagebuch – HIER!

 

 

 

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