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Idioten trotzdem daten: Was unsere Freunde nie verstehen werden

Veröffentlicht: Mittwoch, 23. Oktober 2013

Es gibt diese Dinge, die dich erst faszinieren, dann irritieren und schließlich malträtieren; denen du blauäugig begegnest, bevor du beide Augen zudrückst, um schließlich gerade noch mit einem blauen Auge davonzukommen. Dinge, die wir erst lieben, dann hassen und letztendlich dennoch nicht von ihnen lassen. Wie ein gebranntes Kind, das trotzdem gern mit dem Feuer spielt. Oder die geprügelte Frau aus der Vorabendserie, die immer kurz vor der Kehrtwende genau zu dem Idioten zurückkehrt, der dauernd auf dicke Hose macht. Denn manchmal sind diese Dinge Menschen. Oder Männer. Leider.

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Es ist schwer, anderen Menschen zu vermitteln, warum wir an Dingen festhalten, die uns weder gut stehen, noch gut tun. Vielleicht an Adiletten, vielleicht an Zigaretten. Vielleicht aber auch Idioten, die Adiletten tragen, Zigaretten rauchen und bis zum Verderben auf dicke Hose machen. Unserem Verderben! Außer uns platzt von Angesicht zu Angesicht mit der dicken Hose der Hemdkragen. Doch das passiert nicht, denn im Grunde spielen wir gern und gern von ganzem Herzen mit dem Feuer. Wohl wissend, dass das verkehrt ist.

Ich hatte mich verbrannt und schnell erkannt, dass der Funke trotzdem nicht erloschen war. Im Grunde brannte ich mehr als zuvor. Und ich war nicht der Einzige, der heiß war: Mein Ego brannte auf Vergeltung, meine Libido auf Verführung und mein Herz brannte sowieso. Lichterloh. Also ging ich durchs Feuer und datete die dicke Hose noch einmal. Weil ich wusste, dass mein Hirn in der Hitze der Nacht ohnehin aussetzen würde, und der Morgen nach der Zigarette danach lang genug sein würde, um sich mit den Brandmalen auseinander zu setzen. Wieder einmal.

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Ich setzte alles auf eine Karte und verlor. Erst all meine guten Vorsätze irgendwo im Esszimmer, dann mein V-Neck-Shirt irgendwo im Wohnzimmer, dann meinen Verstand irgendwo im Schlafzimmer. Plötzlich wurde mir klar: Ich war die geprügelte Frau aus der Vorabendserie, die immer kurz vor der Kehrtwende genau zu dem Idioten zurückkehrt, der dauernd auf dicke Hose macht. Und es war Sommer. Es war der Sommer meines Lebens!

Mal ehrlich: Können wir das unseren Freunden vermitteln, ohne dass sie uns für völlig hirnverbrannt halten?

Können wir, denn zur Erklärung sämtlicher Dummheiten gibt es irgendwie immer irgendwo in der Hochliteratur eine irgendwann überstrapazierte Zeile zu finden. Bei inflationär zitierten Autoren, die sich wahrscheinlich nicht darüber bewusst waren, dass naseweise Menschen in ihren Büchern nicht nach Weisheit suchen, sondern nach Rechtfertigung für wenig weise Entscheidungen. Zum Beispiel in Büchern des bis zum Exzess gegoogelten Exupéry. Aber sieht man wirklich nur mit dem Herzen gut? Ist das Wesentliche für die Augen wirklich unsichtbar?

Ich glaube nicht. Zumindest nicht, wenn man noch ein klein wenig Kleinhirn vor der allgemeinen Überhitzung gerettet hat. Ich zumindest sah irgendwann ein, dass der Idiot mit der dicken Hose zwar untragbar, aber mir trotzdem wichtig geworden war. Und lieb.

Aber vermittele das mal deinen Freunden, ohne dass sie dir einen Vogel zeigen.

Mein Rechtfertigungsversuch vor einem Freund schoss heute auf dem Weg zur U-Bahn Richtung Büro den Vogel ab: Ich ertappte mich selbst dabei, aus Exupérys „Der kleine Prinz“ zu zitieren.

Die Zeit, die du für deine Rose verloren hast, sie macht deine Rose so wichtig“, tippte ich in das Facebook-Nachrichtenfeld. „Gefällt mir nicht“, kam zurück, „aber ersetzte doch einfach ‘Rose’ durch ‘Hose’, dann stimmt’s wieder!“

Alles Klar

Die Zeit, die ich für meine dicke Hose verloren habe, sie macht meine dicke Hose so wichtig“, murmelte ich. Der geremixte Exupéry fasste meinen Sommer super zusammen, ließ den kleinen Prinzen nur noch halb so kitschig erscheinen und lehrt euch jetzt Folgendes: In jedem rauchenden Idioten mit Adiletten steckt irgendetwas Liebenswertes, für das es sich lohnt, an ihm festzuhalten. Ich zumindest habe das Wesentliche seines Wesens unter der dicken Hose gesehen – nicht mit meinem Herzen, aber in seinem.

Aber vermittele das mal deinen Freunden… Ich hab’s aufgegeben.

Manchmal geht das Leben eben komische Wege. Zwischenmenschlich gesehen. Dann werden aus abartigen Idioten neue Freunde und aus alten Freunden Frischverliebte. Vielleicht, weil die geprügelte Frau aus der Vorabendserie, die immer kurz vor der Kehrtwende genau zu dem Idioten zurückkehrt, der dauernd auf dicke Hose macht, in Wahrheit einen genialen Masterplan hat. Definitiv, weil das Leben ohne Katastrophen und Kitsch nur halb so fabelhaft wäre.

Das ist kein Liebeslied, aber eben auch kein Abgesang. Vor allem ist es keine Hasstirade mehr.

Also brennt, aber brennt von ganzem Herzen.

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