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Ich liebe deine Eier!

Veröffentlicht: Donnerstag, 9. Mai 2013

Von den Eltern haben wir gelernt, uns in höflicher Bescheidenheit zu üben. Wir küssen nicht beim ersten Date, beim zweiten pressen wir in letzter Minute zögernd ein „Getrennt!“ raus, wenn der Kellner die Rechnung bringt. Beim dritten sagen wir im Gehen geübt cool vier Wörter wie „Ich liebe dein Lächeln / dein Fahrrad / dein Animal-Print-Louis-Vuitton-Leder-Portemonnaie“ – wenn wir uns auch in drei Wörtern sogar viel präziser hätten ausdrücken können. Eine Rechnung, die NIE aufgeht.

Das nennt man dann Understatement. Unter uns: ein Stilmittel für Menschen mit Stil, die sich mit Mittelmäßigkeit zufrieden geben – oder einfach auf den richtigen Zeitpunkt warten, der beim verflixten vierten Date mit der Bemerkung: „Ich mag dich, wirklich…“ bereitwillig beiseite geschoben wird. Wieder.

Ich kam nicht umhin, mich zu fragen: Wenn Sex Kommunikation ist, und guter Sex fruchtbare Kommunikation – warum halten wir beim Nachspiel das gleiche Maul, das wir beim Vorspiel noch ganz gut aufbekommen haben? Haben wir keine Eier mehr?

Dabei fällt es uns doch sonst so leicht, über ihn strahlend in drei Wörtern zu sprechen. Mit Beifahrern, Bäumen UND Betrunkenen in der Schlange vor der Clubtoilette: Bemitleidenswerte, die im Regelfall nicht wirklich weglaufen können, ohne sich in die Hosen zu machen. In die Hosen machen wir uns selbst. Und wenn beim fünften Date auf Zittern, Zaudern und zu tief ins Glas schauen erst die lange Sechs-Sekunden-Pause zwischen „Ich liebe d…“ und „… deine Eier“ kommt – wünschen wir uns, EINMAL selbst Eier zu haben. Nicht nur beim Kampf um die letzten Airmax in Größe 42,5.

Wann immer das Sprachzentrum wieder aus dem Kopf oder der Hose zurück ins Herz rutscht, befinden wir uns garantiert wieder allein im dunklen Schlafzimmer und reden mit der Wand. Und plötzlich sprudelt alles aus uns heraus. Alles! Alles, was wir immer unterdrücken, wenn wir uns bücken; wenn wir uns innerlich zerreißen und trotzdem den Kopf in Kissen drücken und in Bezüge beißen; weil wir wissen, dass das Kissen niemandem verrät, was hier wirklich abgeht: Dass wir einmal nicht „Ich liebe das“, sondern „Ich liebe dich“ gesagt haben. Natürlich ganz leise. Das nennt man(n) dann Understatement. Oder Gebet.

Als ich das letzte Mal in die Knie ging, war irgendwie klar, dass kein Gebet folgen würde. Aber ich will mich bessern. Schließlich ist heute Himmelfahrt. Und um es nochmal deutlich zu sagen: Genau da gehört das Ding eigentlich hin. Auf Wolke 7. Scheißt auf Understatements wie „Herz drum. Fertig“ und Animal-Print-Louis-Vuitton-Leder-Portemonnaies.

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Heiratet herrliche Hanseaten & Stay fashionable,

… because THESE are statements!

Mehr aus meinem Tagebuch – HIER!

Kommentare

  1. Gepostet von Tom am Samstag, 18. Mai 2013

    Finde du hast Recht, von nix sagen kommt auch nix

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