Brad und der HSV

Wirklich nur der HSV? Der Feind in meinem Bett – und Kühlschrank!

Veröffentlicht: Mittwoch, 25. September 2013

Integration hat viele Chancen. In Deutschland hat sie im Zweifelsfall zwei: Grillen und Fußball. Problem: Deutschlands schönstes Bundesland hat gefühlt weniger Sonnentage als die Bundesliga Spieltage – und Trikots stehen mir einfach besser als Schürzen. Also schürte ich meine Liebe zu Hamburg nicht auf der Grillwiese, sondern auf dem grünen Rasen. Beziehungsweise sah es so aus, als ich mir das neue Trikot treulos überzog und für Gegenliebe warb. Die kam. Vielleicht ist eine neue Liebe wirklich wie ein neues Leben. Doch immer, wenn die Frankfurter Eintracht gegen den HSV antritt, spüre ich wieder, dass da immer noch ein anderes Herz in meiner Brust schlägt, ein stärkeres!

Es war der sechste Spieltag, an dem der Himmel über meiner neuen Heimat voller grün-weißer Fahnen hing und ich mein blaues Wunder erlebte – an einem schwarzen Tag für Hamburg. Zuletzt hatten wir wenig Grund zur Freude im Norden. Als auch noch das Derby gegen Bremen verloren war, dämmerte mir, dass ich mein Fähnchen vielleicht in den falschen Wind gehängt hatte, beziehungsweise mein Leibchen. Ich war ein heimatloser Loser. Dabei wollte ich mich doch einfach nur integrieren – und dabei möglichst gut aussehen. Im HSV-Heimtrikot.

 

Fakt ist: Ich hatte die Eintracht mit meinen Frankfurter Freunden in der Heimat aufs Spiel gesetzt, um „Nur der HSV“ zum neuen Fashion-Statement zu erklären. Weil Kleider Leute machen, weil mir blau-schwarz ein klein wenig besser steht als rot-schwarz – und weil wir irgendwann fast alles machen, um irgendwie dazuzugehören. Besonders wenn wir irgendwo neu sind. Doch langsam beschlich mich das Gefühl, dass mich mein Integrationswille schleichend Richtung Zweitklassigkeit katapultiert hatte. Da hörte ich das andere Herz umso lauter pochen. Von oben.

Aber sollte ich mein blau-schwarzes Trikot heimlich wieder an den Haken hängen? Bisher hatte ich zuhause verschwiegen, dass der Feind in meinem Bett war. Jetzt war es Zeit, Farbe zu bekennen. Heißt: Mit den herrlichen Hanseaten in den Keller fahren oder mir den hessischen Adlern an Aufwind gewinnen?

Integration hat viele Schlupflöcher, manchmal einen Kompromiss. Ich entschied mich für den schönsten: das weiß-rote Auswärtstrikot der Hamburger. Weil ich Fashion schon immer über Fußball gestellt habe, auch weil Schnittmengen alles sind. Besonders wenn man als Auswärtiger aus der Wahlheimat immer wieder ungeschlagen in der alten Heimat ankommen will. Ohne einen Kinnhaken zu kassieren.

Ob nun das hamburgische oder das hessische Herz stärker ist, wird sich wohl am kommenden Samstag vor dem Fernsehen entscheiden, beziehungsweise am Abend zuvor im Supermarkt. Wenn ich Holsten kaufe – oder Henninger. Oder auch nicht! Ich habe nämlich beides zuhause und werde den Himmel über der Commerzbank-Arena ganz genau beobachten. Feiern ist vorprogrammiert, denn gelungene Integration ist eine sichere Bank, wenn es um Glücksmomente geht. Mit Doppelherz lebt es sich gerade für Raucher besser – und im Zweifelsfall habe ich immer zwei Optionen. Zwei Freude-Optionen und zwei Fashion-Optionen.

Ich habe ja nicht gesagt, dass mir Rot-Schwarz überhaupt nicht steht. In meiner Küche findet sich übrigens auch Bremens Bestes: Becks! Es gibt eben nichts Prickelnderes als den Feind im Bett – oder im Kühlschrank! Den gemeinsamen Feind.

Stay fashionable,

kurz-unterschrift11

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