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Warum das beste F-Wort nicht F***** ist!

Veröffentlicht: Sonntag, 15. Dezember 2013

Ihr wollt ein Liebeslied? Kriegt ihr auch. Allerdings erst später. Denn während ich an meinem Jahresrückblick für 2013 saß, stellte ich Folgendes fest: Manche Menschen stecken wirklich in jedem Absatz, den du schreibst. Maximal. In jeder Zeile. In jedem Wort. In jedem Gedankenstrich. Bereits im Blindtext, den du einsetzt, bis die Hand das Hirn eingeholt hat. Zumeist sind diese Menschen Freunde.

Eigentlich sollten wir viel öfter dankbar sein. Gerade für die kleinen Dinge, die uns täglich wie Selbstverständlichkeiten erscheinen, zum Beispiel unsere Freunde. Denn auch die scheinbar kleinen Dinge sind selten selbstverständlich. Sehr selten.

Ich habe im letzten Jahr zwar ein paar tolle Texte über die Liebe geschrieben habe, aber mindestens genauso tolle über Freundschaften. Über meine Freunde. Deshalb gilt ihnen der erste von vier Jahresrückblicken in Text und Bild. Eine unkommentierte Ode an die Freundschaft. Weil das schönste F-Wort „Freundschaft“ heißt!

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14. November: „Gedicht in D-Dur“ für Dominik

Gestern wünschte ich, ich könnte komponieren. Dann hätte ich dir über Nacht ein Lied geschrieben. In D-Dur, wie die großen Violinenkonzerte der Klassik. Ein Lied, das so klingt wie du: nach Geigen am Himmel. Mit hohen und mit tiefen Tönen, mit Taktwechseln und einem Text. Einem Text, der so ist wie du: ein Gedicht. Habe ich aber nicht. Denn ich kann nicht komponieren. Nur sinnieren, wie es gewesen wäre, hätte ich die Texte über dich zu Sammelbänden zusammengesetzt – wie Mozart Melodien zu Symphonien, oder Cartier Karat zu Colliers. Zu irgendetwas, das goldwert ist, das so glänzt wie du.

 

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11. Dezember: „Für unsere Träume zu wenig Zeit!“ über Rauchen mit Sebastian

Dieser Abend endete mit der Gewissheit, dass Freundschaften an dem Punkt wichtig werden, an dem sich Freunde retten. Manche Freunde retten andere davor, ganz in ihren Träumen aufzugehen. Andere Freunde retten andere davor, ihre Träume ganz aufzugeben. Sie versuchen es zumindest. Die einen wie die anderen. Vielleicht versteht nicht jeder Freund deinen Traum, aber jeder Freund wird versuchen, dich ihm näher zu bringen so gut er kann. Selbst wenn er auf einer Milchmädchenrechnung fußt. Zum Glück ist gerade die Zeit des Jahres, in der das Wünschen wieder hilft. Schreibt eure Träume auf einen Zettel, einen Wunschzettel. Zeigt sie euren Freunden und lasst sie retten – euch, oder eure Träume.

 

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3. November: „Lorem Ipsum“ für André

Manchmal ist das Blatt bereits voll, bevor du überhaupt irgendein Wort geschrieben hast. Weil das Hirn schneller ist als die Hand, wenn irgendetwas in dir brennt, irgendwo im Herzen. Ein vages Gefühl vielleicht, das in dir steckt; das dich nachts erschreckt, weil es Bilder weckt. Bilder, die schneller an dir vorbeifliegen als du dich vor dem ersten Kaffee vom Bett an den Schreibtisch schieben kannst. Dann ordnest du deine Bilder, definierst das Design und beginnst zu texten. Und manchmal merkst du schnell, dass manche Menschen in jedem Absatz stecken, den du schreibst. Maximal. In jeder Zeile. In jedem Wort. In jedem Gedankenstrich. Bereits im Blindtext, den du einsetzt, bis die Hand das Hirn eingeholt hat: „Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipisici elit!“ Ich stand an der Bar, als der weiße Fleck meinen Samstagabend unvorbereitet befleckte. Er senkte den Kopf und da stand es, Schwarz auf Weiß: „Lorem ipsum!“ – als wollte mich irgendjemand daran erinnern, dass die großen Geschichten noch nicht fertig erzählt sind. Die vom Berliner Flughafen, die von der Elbphilharmonie. Auch diese nicht.

 

Gestern auf der A+ Modenschau der HAW Hamburg - Bericht folgt

14. Juli: „Oft ausgesprochen unausgesprochen“ für Debby

Und irgendwann zwischen Laufsteg und Taxistand hast du gestern gesagt, was lange ausgesprochen unausgesprochen war: „Wir sind keine Kollegen mehr. Wir sind Freunde.“ Komischerweise sind es immer die größten Komplimente, die uns am kleinsten erscheinen. Vielleicht aber auch, weil wir im kollektiven Kampf um kompromisslose Liebe übersehen, was wirklich wichtig ist. Wie so oft im Leben. Deshalb ist das eine Ode an die Freundschaft und eine Liebeserklärung an die Freunde da draußen. Denn als du mir gesagt hast, dass wir jetzt Freunde sind, war das weder ein Trostpreis, noch eine Facebook-Listenplatz. Komischerweise tun wir die größten Komplimente kurz mit einer knappen Umarmung ab. Weil Liebe immer Liebe bleibt – und uns sprachlos zurück lässt.

 

Leb dein Chillen - Chill dein Leben

22. Juni: „Back to basics – Mein Agulera-Ich“ über einen Tag an der Alster

Und während ich bei strahlendem Sonnenschein die Prachtkerle auf der Promenade beobachtete, wusste ich auch, was mir die Dose wirklich über die Flasche sagen wollte: Wer wirklich will, dass ihm die Sonne aus dem Arsch scheint, datet samstags lieber Freunde als Vollidioten.

 

Milli und Brad

22. Juli: „Lucky Ones“ für Maike

Du warst groß, blond und schön. Und du hast mich angelächelt. Wie so viele. Und unter all den Großen, den Blonden und den Schönen kamst du mit der größten Enttäuschung. Hätte ich das damals gewusst, hätte ich dich vielleicht nie angesprochen. Daran habe ich gedacht, als sie meinen Wagen von der lauten Kreuzung schoben, während ich schon leise ahnte, dass ich deine Trauung verpassen würde, bevor sie begonnen hat. Mit diesem Typ, um den ich dich immer beneidet habe. Weil er großherzig ist, nicht blond, aber wunderschön – besonders neben dir. Du warst die schönste Braut der Welt. Daran habe ich gedacht, als ich dich am Samstag am Jungfernstieg entdeckt habe. Strahlend zwischen all den Menschen mit Einkaufstüten und Sonnenhüten. Du warst noch immer groß, blond und schön. Und du hast mich angelächelt. Wie damals. Ich hätte dich wieder angesprochen. Aber ich habe nie ausgesprochen, dass du es warst, die mich immer wieder gerettet hat. Vor diesen Typen. Den Großen, den Blonden und den Schönen. Und weiteren Widrigkeiten. Heute sag ich’s dir. Auf dem Blog, zu dem du mich gezwungen hast wie zu so vielem Guten, Wahren und Schönen.

 

Lila Wolken am Hamburger Hafen - gesehen von Mia - Credits Cococucina II

29. Juli: „Lila Wolken“ für Christian

Ich und ich, dann du. Doch in Wahrheit sind wir die meiste Zeit trotzdem nicht auf der Suche nach dem, was uns einzigartig macht. Ganz genau gesagt geht es die gesamte Zeit um Gemeinsamkeiten. Um geteilte Gefühle und Gedanken zu bestimmten Gelegenheiten. Um Schnittpunkte, Schnittmengen und Schnitzel-Essen mit den anderen. Denn nichts ist so grausam wie einzigartig einsam zu sein. Es war gegen 9 Uhr abends, als das Foto mit dem Blick aus seinem Wohnzimmerfenster auf Facebook landete. 400 Kilometer fern von Frankfurt saß ich in Hamburg auf der Fensterbank und blickte in den Himmel. Und als ich das Bild mit den Farbspielen an seiner Pinnwand sah, fiel mir wieder ein, dass es der gleiche Himmel war. Vielleicht hatten wir den gemeinsamen Standort aufgegeben, nicht aber den geteilten Horizont. Auch nicht die geteilten Gefühle und Gedanken zu bestimmten Gelegenheiten.

 

Herz aus Hack

17. November: „Herz aus Hack“ für Marcel

Heute begegnete mir die Liebe gleich zweimal, in einer Küche in Hamburg – als Herz aus Hack und als Herz aus Tomate. Plötzlich hatte ich keine Tomaten mehr auf den Augen: Das Besondere an der Liebe ist, dass sie gar nicht spektakulär und glanzvoll sein muss. Im Gegenteil.Tatsächlich ist sie immer dann besonders beeindruckend, wenn sie simpel ist. Wenn sie sich in einem leichten Lächeln zeigt, einem wohltuenden Wort oder einer unerwarteten Umarmung. Die Liebe ist kein Special Effect – und deshalb besonders effektvoll, wenn sie pur ist. Tatsächlich gab es Momente, in denen uns die Liebe verließ, aber sie kehrte immer zurück. Vielleicht auf eine Weise, die wir nicht auf dem Plan hatten, vielleicht in einer Gestalt, in der wir sie nicht erwartet hatten, vielleicht an einem Ort, an dem wir sie nicht gesucht hatten. Aber sie kam immer wieder. Wie gerade in einer Küche irgendwo in Hamburg. Zwischen Zwiebeln, Salatblättern und Käse. Ohne Spektakel, dafür mit einer Würzmischung für Hackfleisch. Er formte sie aus einem Klumpen. Mit seinen bloßen Händen. Ich hievte sie auf Instagram. Als Commitment.

 

Freunde aus Frankfurt

29. September: „Unter dem selben Mond, unter einer anderen Kugel“ für Ben und Dirk

Als ich die Nachricht öffnete, musste ich an die vielen Nächte unter der anderen Discokugel denken, als wir Fotos wie diese noch gemeinsam verschickt hatten. Ich ließ den Barmann weiter einschenken. Zwei Stunden später schaut ich beim Verlassen der Reeperbahn kurz an den tanzenden Türmen nach oben. Da musste ich traurig einsehen, dass wir samstagnachts zwar alle unter dem selben Mond tanzen, nicht aber unter der gleichen Discokugel.

 

Jungfernstieg

28. Oktober: „Die besten Menschen bringt der Zufall“ über Marc

Es gab diese Momente, da saßen wir nebeneinander, und es fühlte sich so an, als würden wir uns bereits ein halbes Leben lang kennen. Dabei warst du lange Jahre nur ein Name, der irgendwie immer fiel, wenn irgendjemand in Frankfurt von Hamburg sprach. Und plötzlich warst du da. Lachtest mich an. (…) Es gab diese drei Stunden am letzten Sonntag, da wurde mir bewusst, dass du der erste Freund warst, den ich fern von zuhause im hohen Norden gefunden hatte. Und ja, wie schnell vergeht ein Jahr. Wir haben zusammen gefeiert, gepöbelt und geflirtet – und als wir uns endlich mal richtig gestritten haben, wusste ich auch, dass du kein Schönwetterfreund bist, sondern einer, der nach dem Gewitter noch immer da ist. Die besten Menschen bringt der Zufall. Und du bist ein ganz besonderer. Zufall und Mensch.

 

Lasse geht nach Bremen

2. Juni: „Die Autobahn nach Bremen“ für Jonathan

Es hätte einer dieser großen Romanzen werden können. Eine dieser großen Romanzen, über die die Welt spricht. Wie die von Romeo und Julia. Oder von Britney und FedEx. Eine dieser großen Romanzen zwischen heißen Hanseaten und herrlichen Hessen, die das kosmische Karma, beziehungsweise die wahnsinnige Wohnungssuche in einer Großstadt ohne Leerstand zusammengeführt hat. Für immer. Wurde es aber nicht. Grund: die Einsicht, dass es bestimmt sinnvoller ist, sich seine Nachbarn zu Freunden zu machen, als sich freundlich aber bestimmt an sie heranzumachen. Denn vielleicht muss ja mal eine Spinne aus der Küche getragen oder ein Rohr verlegt werden. Ein richtiges.

Disco-Lossssve

28. Mai „Die Unperfekten“ über geteiltes Leid

Jeden Morgen, wenn wir uns in der Teeküche augenrollend den letzten Abend zusammen fassen, denke ich: Nichts ist weniger inspirierend als plumpe Perfektion, das schnörkellos Schöne. Wo alles Abseitige fehlt, entfaltet sich selten ein großartiger Gedanke. Wenn das Leben im Fluss ist, stockt der Text. Denn dann vergessen wir die Tiefen. Tiefen, die wir für die Zwischentöne brauchen. Für die Textur. Ja, die Klaviatur des Wortspiels kommt selten ohne traurige, tiefe Töne aus. Also hau sie raus. Auf der Tastatur. Auf echt gefühlten Seiten.

 

Drachenboot-Fahren mit den Wannsea Dragons aus Berlin Foto Paco Rabanne

11. September: „Die wahren Farben“ über eine wechselhafte Freundschaft

Zum Glück ist es nie zu spät, sich Dinge in neuem Licht genauer anzusehen. Oder Menschen. Ich tat das Naheliegende und sah nicht mehr weg. Plötzlich sah ich klar. Ich sprang in eine Pfütze und sah, wie sich meine Farbe und das Marineblau meiner Jeans mit den Farben der Welt in einen bunten Wasserfarbkasten verwandelten. Im Chaos der Farbpunkte sah ich irgendetwas Wunderschönes. Und irgendwie hoffte ich, dass ich nicht der Einzige war. Steckt Menschen nicht gleich in eine Schublade. Nicht, bevor ihr sie nicht mit allen Farben durchleuchtet habt.

 

Frankfurt bei Regen

14. September: „Flambierter Freitag“ nach einem Telefonat mit Simon

Wie immer schmeckte dieser Jahreszeitenwechsel wie eine Crème Brûlée. Wie ein letztes Aufflammen der Sonne, die den Herbst noch überzieht wie ein goldener Schimmer – eine dünne Schicht, die leise knackend zerbricht. Noch während uns die letzte Sommersüße auf der Zunge zergeht, spüren wir bereits das kalte Licht, das oben durch die Wolken bricht, während unten auf den Wiesen silberner Nebel aufsteigt. Ein zauberhaftes Bild – auf Wiesen, Weiden – und im Text. (…) Das ist das Überraschende an Übergängen, immer wieder: Sie lassen uns beides spüren: die Euphorie und die Melancholie. Manchmal endet Septemberliebe im Novemberregen. Wie damals. Vier Jahre später sitze ich am Fenster und erzähle dir vom Herbst in Hamburg, vom flambierten Freitag und meinen Herbstrhythmusstörungen. Du sitzt in Frankfurt und sagst nur: „Das ist doch schön!“ Daran will ich denken, wenn ich gleich durch den Regen rennen werde, um wieder anzukommen. Durch nasse Straßen und einen neuen Jahreszeitenwechsel in einer anderen Stadt. Der Herbst prescht mit Hochdruck voran. Aber er fühlt sich nicht an wie ein Tiefdruckgebiet. Weil ich angekommen bin. Weil ich gleich da bin.

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Freunde sind Gold,

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