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Hass: Manche Kinder sollte man töten!

Veröffentlicht: Mittwoch, 28. Oktober 2015

Ich ertappte mich wieder, die Faust zu ballen. Gerade in der U3. Also atmete ich tief durch die Hose und versuchte einfach, das dämliche Kind zu ignorieren. Einfach nicht aufzuspringen, um es zu erwürgen. Bevor mich noch irgendjemand schief anguckt. Denn Gewalt gegen Kinder ist verpönt. Aber dieses Kind ist zu verwöhnt, zu weich gepampert. Und einfach scheiße. Zum Glück sind wir in manchen Lebenslagen ja erwachsen genug, um nicht zu tun, wonach uns gerade der Sinn steht…

Irgendwo steht, den Kindern gehöre die Welt. Hoffentlich nicht diesem. Bitte wenigstens nur den mutigen. Ganz ehrlich: Ich beneide Leute, die von sich behaupten, ihr inneres Kind sei eine betrunkene Hure. Das trifft hier definitiv nicht zu. Auf mein inneres Kind. Es ist anders: Es ist naiv, disziplinlos und versteht oft den Ernst der Lage nicht. Vor allem ist es verweichlicht. Und ich hasse Weicheier.

Nichts ist unattraktiver als Schwäche – außer für Schwache

Wer mich kennt, der weiß, dass ich nichts unattraktiver finde als Schwäche. An anderen, ja. Vor allem aber an mir. Und wäre da nicht mein inneres Kind, hätte ich nie eine Frist verpasst, dann hätte ich nie auf mein Recht verzichtet, dafür ziemlich oft von jenem gebraucht gemacht, jemandem richtig derbe in die Fresse zu hauen. Zumeist mir selbst.

In letzter Zeit geht mir mein inneres Kind wieder besonders auf den Piss. Schon während des Heimwegs versuchte es mich ständig zu belabern. Mit Phrasen wie „Hey, du hattest doch einen harten Tag. Lass uns gleich was Lustiges machen, oder einfach chillen.” Es hat dabei so lieb gelächelt, dass ich mich gerade wieder darauf eingelassen habe: etwas zu tun, was es glücklich macht, nämlich kurz etwas zu texten, statt Dinge zu tun, die gerade Not tun. Anstrengende Dinge, unangenehme Dinge, angsteinflößende Dinge.

Ich hasse mein inneres Kind dafür und frage mich fürwahr, warum ich jüngst eigentlich immer nachgebe. Obwohl es alle Dinge auf sich vereint, die mich abturnen wie geringelte Regenbogensocken. Es ist zögerlich, es ist schwach, es ist faul und läuft Treppen langsam hoch. Es vermeidet Konflikte, geht komische Kompromisse ein, es kotzt mich meistens einfach nur an.

Mein inneres Kind hat nichts, was dich im Leben weiter bringt – außer Ausreden. Davon allerdings eine ganze Menge. Für alles. Sollte mein inneres Kind irgendwann zum Mann heranwachsen, wäre es definitiv der Typ Mann, denn ich niemals daten würde. Dann lieber alle betrunkenen Huren dieser Stadt. Ich glaube, mein inneres Kind wäre im Bett ein ziemlicher Loser. Es wäre zu weich, um nen Harten zu kriegen – und kriegte bestimmt nicht mehr hin als Kerzen und Céline Dion. Fabulous…

Bei der Geburt vertauscht

Zumindest in meinen Fantasien wird mein inneres Kind nie zum Mann werden. Meistens will ich es ertränken. Am besten in Alkohol. Und immer, wenn ich einen dieser „My inner child is a drunken whore“-Menschen begegne, denke ich: „Mensch, mein Kind wurde bestimmt bei der Geburt vertauscht. Das kann nicht mein Kind sein. Wir haben nichts gemein. Außer vielleicht die Vorliebe für Gin.“ Denn ich glaube manchmal, dass es ganz schön viel davon verträgt, sonst wäre es schon tot.

Leider reicht selbst der übermäßige Vatertagspegel nie aus, um es zu killen – oder wenigstens in eine coole Sau mit Cap zu verwandeln. Aber, nein, mein inneres Kind trägt Windeln und will gar nicht mit den großen Jungs pissen gehen. Kann nicht meins sein. Idiot!

Jetzt sitzen wir hier gemeinsam auf der Couch. Ich sage nichts und denke einfach: „Geh einfach sterben, Alter!“

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