Elbe1

Wellenreiten

Veröffentlicht: Sonntag, 16. Februar 2014

Die Leute sagen, das Leben verlaufe wellenförmig und trotzdem verdammt formlos. Vorzugsweise wahllos im gesamten Verlauf. Wie das Wasser, wenn es sich seinen Weg bahnt. Von den Wolken hinunter auf die Wege, die wir gehen. Und dann und wann sehen wir, wie es hier in Flüsse fließt und dort weiter in Ozeane. Manchmal vorbei an dieser Stadt. Denn Wasser ist im Fluss. Wie das Leben.

Mir stand das Wasser bis zum Hals. Ich kam nicht umhin mich zu fragen: Wenn wir verstehen, seine Wellen zu reiten, statt bloß mitzuschwimmen – dürfen wir hoffen, irgendwann im sicheren Hafen zu landen? Im richtigen?

Manchmal, wenn ich an den Landungsbrücken entlanglaufe, frage ich mich, wo ich heute wäre, wäre ich nie in diese Stadt gelandet, wären wir uns nie begegnet. Während dieser kurzen Momente scheint mir die Zeit mir dir so lang und launisch wie die Elbe mit ihren Strudeln und Stromschnellen; mit ihren ruhigen Stunden, wenn sie sanft der Sonne entgegen fließt. Richtung Meer.

Dann frage ich mich, wo unsere Geschichte münden wird. In welcher Bucht, in welchem Hafen, oder doch nur in einem Meer aus Gedanken?

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Mehr noch: Es sind diese Momente, in denen ich am meisten hasse, dass wir uns begegnet sind – und trotzdem jene, in denen ich so verliebt bin wie das Meer groß ist. Weil du meine Welt geflutet hast und jeden Weg fort von dir weggewischt. Weil Wasser seinen eigenen Willen hat: Wir können es stauen, wir können Deiche und Dämme bauen, um es zu begradigen. Doch am Ende findet es seinen Weg. Gelegentlich auf Umwegen. An warmen Tagen. Geradewegs zurück zu den Wolken. Nebulös wie die Liebe.

Viel Wasser ist die Elbe hinuntergegangen, seit wir uns getroffen haben. Damals. An einem stürmischen Wintertag. Irgendwo in dieser Stadt. Ich war eingenommen und eingestiegen. Wellenförmig war auch diese Reise verlaufen. Auf unsicheren Gewässern. Gewiss, wie Ebbe und Flut hatten wir uns immer wieder vom gemeinsamen Grund entfernt und waren doch immer wieder aufeinander geprallt. Im Leben. Manchmal furchtbar mit Wucht wie die Flut, wenn der Wind sie gegen das Hamburger Ufer peitscht; manchmal sagenhaft sanft wie die Brandung. Irgendwo in der Karibik.

Manchmal haben wir uns einfach treiben lassen, manchmal ritt jeder einfach seine Welle. Aber abgeebbt sind wir nie. Vielleicht, weil ich mit allen Wassern gewaschen bin. Vielleicht, weil auch du nur mit Wasser kochst – und ich immer wusste, wie ich dich zum Kochen bringe. Das hat uns vorangebracht. Meile um Meile. Bis ich die Eile vergaß und einfach auf guten Wind setzte. Denn Wellenreiten heißt den Moment erwischen. Wieder und wieder.

Wie das Wasser sind wir seither durch Meerengen und weite Wasserstraßen gekommen – bis zu diesem stürmischen Wintertag. Du warst spät, ich habe gewartet. Als wir uns gegenüberstanden, war es wie beim ersten Mal. Wieder wie ein Sturm. Wie eine Flut, die alles umreißt, was zwischen uns steht. Gefühlt trotzdem wie ein Hafen.

Warum ich mich nie habe von dir fort treiben lassen? Weil ich längst Anker geworfen habe, während du mich umkreist hast, um immer wieder Segel zu setzen. In meine Richtung. Das hat mich über Wasser gehalten. Weil deine Kreise kleiner wurden. Und deine Gewässer ruhiger.

Anders gesagt: Es gibt Dinge, die sich ändern wie der Wind. Und Änderungen, die sich bedingen, wenn wir Bedingungen stellen. Im richtigen Moment – im Leben und in der Liebe. Meine heißt Sichtweite. Und so magst du dich weiter in weiten Wasser winden, solange wir uns finden. Immer wieder. Irgendwo in dieser Stadt. Bis wir im Hafen sind. Im richtigen.

Herz drum,

kurz-unterschrift11

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Kommentare

  1. Gepostet von Martin am Sonntag, 16. Februar 2014

    Wann heiratet ihr endlich!!?? :)

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