Kondom

Gott, verhüte mich: Durex Performa und die Bad-Performance-Garantie

Veröffentlicht: Mittwoch, 18. April 2012

Outings stellen das Selbstbewusstsein auf die Probe. Ich habe gestern Kaffee, Kondome und Zigaretten auf das Förderband einer Supermarktkasse gelegt – und zwar genau in dieser Reihenfolge angenommener Nutzung. Die Frau hinter de Kasse hat mich komisch angeschaut. Aber nicht mit diesem mitleidigen „Okay, der ist Single, sein Einkauf outet ihn“-Blick wie die Frau am Tag zuvor (Schokolade, Wodka, Tiefkühlpizza). Anders. Dann sagte sie: „Darf ich bitte Ihren Ausweis sehen?“

Ich hatte mich als übervolljährig geoutet. Als sie die Zigaretten schließlich selbst peinlich berührt über das Laserfeld zog, dachte ich so: „Entschuldige Sie mal. Sollte ich wirklich noch nicht volljährig sein, wäre der schwerwiegendere Punkt wohl, dass ich gerade acht Kondome gekauft habe. Sind denn alle Teenager nur noch verdorben?“ Und sagte: „Danke, Sie haben mir den Abend gerettet.“

Ich streichelte mir über die Babypopohaut und mein gebauchpinseltes Ego dachte: „Arschgeil, ich kann doch noch immer auf U27-Partys gehen.“ Auch so eine Mutprobe. Peinlicher als ein entlarvter Ü30 kann man vor dem Türsteher nämlich nicht scheitern

Den schönen Abend hatte ich übrigens – mit Kaffee, Zigaretten, Schokolade, Tiefkühlpizza, Wodka und ohne Kondome. Allerdings habe ich auch den Schaden. Nicht nur am Dach, sondern auch im Kühlschrank. Meine Mutter hat am Inhalt dieses Kühlschranks jüngst abgelesen, dass ich inzwischen nicht mehr mittelfristig, sondern langfristig Single bin. Sie stöberte noch ein Fach tiefer und stellte dann naserümpfend und irgendwie gleichfalls mütterlich beruhigt fest, dass ich wenigstens nicht allein lebe. Sie hat das Zeug in die Tonne gekloppt. Es hat nicht gebissen. Trotzdem mutig, Mama. Meine Mudda ist eine Amazone.

Ich lebe aber allein. Sonst hätte ich heute nämlich Oropax und noch mehr Alkohol gekauft. Meine vegetarische Single-Freundin hat gestern ähnlich ungesunde Dinge hinter meine Einkäufe auf das Förderband gelegt. Ausnahme: eine Aubergine. Ich habe das unkommentiert gelassen, während sie mir im Bus strahlend erzählte, wie sehr sie das Single-Leben derzeit ausfülle. Schon klar. Idiotin!

Kondome des Grauens

Aber was mache ich jetzt mit den Kondomen? Auf der Packung steht in Zeile 9: „Wenn Ihnen Durex Performa Kondome nicht helfen, sollten Sie sich an einen Arzt wenden.“

Bisher haben die Kondome mir bei der Abendrettung überhaupt nicht geholfen. Ich werde trotzdem nicht zum Arzt gehen. Denn einer meiner Kumpels, gerade mal 25 Jahre alt, wurde vor nicht allzu langer Zeit von seinem Hals-Nasen-Ohrenarzt gefragt, ob er aktiv Oralsex praktiziere. Konkreter: als Nehmender. Ihm wäre beinah das Stäbchen im Hals stecken geblieben. Und das will in seinem Fall wirklich was heißen! Sorry…

Besser ist, ich lass’ es einfach. Ein weiteres Outing, egal in welche Richtung, brauche ich diese Woche nicht mehr. Außer Poldi outet sich. In diesem Fall hätte ich noch acht Kondome, zwei davon mit Noppen.

Tötet mich,

Warum wir Kondome wirklich brauchen – HIER!

Mehr aus meinem Tagebuch – HIER!

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Kommentare

  1. Gepostet von Mirco am Dienstag, 17. April 2012

    Herrlich, mein Lieber! JEder outet sich mit seinem Supermarktwagen. Sei beruhigt. Das mit dem HNO ist übrigens eine interessante Warnung :)))))

  2. Gepostet von Brad am Dienstag, 17. April 2012

    das beruhigt mich wirklich. toll, dann hatte der text servicecharakter :)

  3. Gepostet von Susa am Dienstag, 17. April 2012

    Sehr gut! Ich erkenn mich im Einkauf wieder^^ Schau selbst auch immer interesssiert, was so meine Mitschlangestehenden aufs Band legen :D

  4. Gepostet von Brad am Dienstag, 17. April 2012

    You are my female alter ego, Alter

  5. Gepostet von Sylvia am Dienstag, 17. April 2012

    Sehr gelacht, mal wieder. Ich träume heute Nacht von Einkaufswagen – und Dir. LOVSKI

  6. Gepostet von Brad am Dienstag, 17. April 2012

    I LOVSKI you, too. Morgen wieder TITTWOCH auf Trendlovski!

  7. Gepostet von Sebastian am Mittwoch, 18. April 2012

    göttlich

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