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Philosophisch gesehen: GNTM und der Currywurst-Effekt

Veröffentlicht: Mittwoch, 7. Mai 2014

Jedes Jahr nehme ich mir fest vor, „Germany’s next Topmodel“ zu ignorieren. Und jedes Jahr stelle ich am Tag des großen Finales fest, dass ich es nicht geschafft habe. In diesem Jahr schafft mich vor allem die große Frage, wem ich heute Abend die Daumen drücken soll. Nicht, weil ich jemals die Cosmopolitan, einen Opel oder den Gilette Venus kaufen würde. Eher, weil sich die Suche nach der Siegerin für mich so anfühlt wie ein Spiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem HSV.

Separieren oder integrieren? Die Frage, ob mein Trash-TV-Herz für Ivana Teklic aus dem hessischen Bad Homburg oder für Jolina Fust aus dem herrlichen Hamburg schlägt, ist für mich sozusagen eine Frage des Lokalpatriotismus’. Weil ich mich fragen muss, ob ich lieber eine Siegerin aus der alten oder der neuen Heimat feiern will. Weil man in harten Zeiten ja irgendwas feiern muss.

So ist die Freude über den nächsten Klum-Klon für mich auch ein Indiz für die ureigene Selbstdefinition. Womit mal wieder widerlegt wäre, dass Casting-Shows keine philosophische Dimension hätten – wenn man sie sucht.

 

Zwei Jahre nach dem Umzug vom Main an die Elbe gibt es noch immer diese Tage, an denen ich aufwache und fest davon überzeugt bin, mich im heimischen Hessen zu befinden. Zumeist, bis ich den Nebel vor meinem Fenster bemerke. Manchmal will ich dann trotzdem nicht glauben, jetzt Hamburger zu sein.

Wenn ich die Supermärkte weiter stur nach Rindswürsten und Apfelwein abgrase, beispielsweise. Wenn ich wenigstens in Selbstgesprächen stur an meinem Dialekt festhalte. Wenn ich mir demonstrativ noch die warme Kapuze ins Gesicht ziehe, während am Jungfernstieg bereits die ersten Cabrios vorbeiziehen.

Andererseits bin ich stets bemüht, mindestens einmal pro Woche Backfisch zu essen, norddeutsche Wörter wie „pieschen“statt „pissen“ zu sagen – oder „snacken“ statt „schwätzen“. Ich habe mich sogar schon überreden lassen, bei 11 Grad in ein Auto ohne Verdeck zu steigen. Einfach, um mal durchzusteigen, wie sich Norddeutsche so fühlen. Weil man Herz irgendwie immer noch hessisch schlägt.

Zumeist ziehe ich es in solchen Momenten vor, an der nächste Ecke eine Currywurst zu essen. Weil die in jeder Gemütslage geht – und vor allem überall. Dann denke ich sowas wie „Ich bin ein Berliner“, was krass kosmopolitisch kommt und die Frage nach der Selbstdefinition kurz obsolet macht.

Dann kommt die Klum und versaut mir den coolen Currywurst-Effekt. Also habe ich mich entschieden: Ich drücke Ivana die Daumen. Weil Äppler am Ende dicker ist als Astra – und eben nichts über die hessischen Mädchen geht. Was die Jungs betrifft, würde ich diese Frage übrigens anders beantworten. Aber das ist eine andere Geschichte. Eine, die ihr schon kennt.

Go, Ivana!

Und ihr: Stay fashionable,

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