An sich glauben

Glaub an dich selbst – wer sollte es sonst tun?

Veröffentlicht: Mittwoch, 8. April 2015

Das Prinzip Hoffnung ist ein zweischneidiges Schwert. Nichts gibt mehr Kraft, die es braucht, um seinen Träumen entgegen zu fliegen, gleichfalls bietet nichts eine steilere Vorlage, um richtig auf die Fresse zu fliegen. Das Prinzip Hoffnung ist immer Nährboden für große Errungenschaften und große Enttäuschungen im selben Moment – in jenen Momenten, in denen es zählt. In diesem zählte nur die richtige Antwort. „Natürlich glaube ich daran“, erwiderte ich halb trotzig, halb entschuldigend, „wenn nicht ich, wer dann?“

Wir hatten schon eine Weile gesessen und philosophiert. Über all diese Fragen, die das Leben aufgeworfen hatte, seit wir uns zum ersten Mal begegnet waren. Über die Herausforderungen, die wir gemeistert, und die Tiefpunkte, die wir überwunden hatten. „Weißt du, vor genau einem Jahr war mein Plan ein völlig anderer“, erinnerte ich sie. „Und dann wählte ich doch einen anderen Weg. Ich wäre doch bescheuert, jetzt nicht aufs Gas zu drücken.“

Sie drückte mich. Schließlich sah sie mir überzeugt in die Augen. „Okay, ich habe verstanden.“ Während wir wieder zum Essen übergingen, hatte ich ihre Ausgangsfrage noch lange nicht verdaut: „Du glaubst sehr an alles, was du derzeit machst, nicht wahr?“ Eine Frage mit zwei Seiten: der empathischen und der enttäuschten.

Ich war nicht sicher, welcher Unterton überwog. Jener, der mich daran erinnerte, dass ich vor lauter Arbeit seit Wochen weder erreichbar bin, noch auf Nachrichten antworte und sogar Verabredungen platzen lassen. Oder jener, der neben Verständnis vor allem das Versprechen ausdrückte, an meiner Seite zu bleiben. Weil der Moment gekommen war, in dem es zählte. Eben nicht, „Du wirst schon wissen, was du tust“, sondern: „Du weißt, wie du mich erreichst, wenn du Unterstützung brauchst.“

Sie brauchte mich nicht darauf hinzuweisen, dass ich zuletzt wie ein Roboter durch perfekt durchgetimte Tage marschiert war. Sie tat es trotzdem: „Vielleicht wollen wir alle wieder ein wenig mehr von dem sehen, was dich wirklich ausmacht, wenn du mal abschaltest“, sagte sie halb verständnis-, halb vorwurfsvoll. Ich nickte betroffen. „Aber du weißt, was mich ausmacht: nie bloß den halben Weg gehen, selbst wenn der ganze Blessuren hinterlässt. Vor allem: nie im Energiesparmodus fahren!“

Manchmal muss man seinen Träumen folgen. Volles Risiko #justdoit

Posted by BradSticks – Lifestyle-BLOG on Samstag, 27. Dezember 2014

 

Sie wusste, was ich meine. Am Ende sind die wirklich wichtigen Entscheidungen im Leben eine Ansammlung von Glaubensfragen, die wir immer mit dem Prinzip Hoffnung abwägen, manche davon regelmäßig neu. Immer wissend, dass wir mit dem Glauben an das, was wir sind und tun, mit Leichtigkeit fliegen lernen, oder hart auf die Fresse fliegen können.

Doch was wäre, wenn wir den Glauben an das Prinzip Hoffnung aufgäben und mit ihm den schmalen Grat zwischen fliegen und fallen? Würden wir uns nicht in den unendlichen Weiten der Langeweile verlieren? Der Perspektivlosigkeit? Der Unentschiedenheit?

Ich war kein Heide mehr. Ich glaubte wieder. Und ich glaube, sie hatte verstanden, warum. Wir gingen zum Tagesgeschäft über. Endlich. Imposante Männer, indiskutable Outfits, irrationale Beziehungsentscheidungen. Vielleicht macht unsere Beziehung gerade aus, dass wir uns nicht immer auf derselben Seite befinden, manchmal nicht mal im selben Universum. Doch wir ziehen stets am selben Strang. Dafür bin ich dankbar.

Manchmal muss man im Leben alles auf eine Karte setzen und schonungslos an sich glauben. Wenn nicht wir, wer dann? Es ist genau diese Begeisterung, die uns voranbringt und andere mitzieht, manche zurück auf unsere Seite. Diese Empathie schafft Vertrauen und Verständnis. In unserem Fall vielleicht, weil wir beide wissen, dass wir ohne das Prinzip Hoffnung schon vor Jahren jämmerlich vor die Hunde gegangen – und uns nie begegnet wären.

Don’t stop believing,

kurz-unterschrift11

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