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Gespiegelt: Nichts verletzt dich schwerer als deine Freunde

Veröffentlicht: Samstag, 4. April 2015

Ich war dann mal weg. Auf anderen Kanälen unterwegs. Für zwei Monate. Irgendwie dabei, mich in einen großen Job einzuarbeiten. Irgendwie vor der großen Herausforderung, mein erstes Buch zu veröffentlichen. Irgendwie total busy und in der knappen Freizeit schärfer darauf, Mister Big zu küssen als mich an diesen Blog zu ketten. Doch jetzt bin ich wieder hier – und um eine Einsicht reicher.

Die letzten Wochen waren vor allem reich an Stress und arm an Schlaf. Nicht, dass dieser Zustand neu wäre. Doch diesmal traf mich die Keule härter als das Jahr zuvor. Zuvorderst, weil ich die Rückkehr in den Journalismus definitiv meine letzte sein wird, und ich dieses Kapitel irgendwann zufrieden schließen möchte.

Auch, weil ich nicht gedacht hätte, dass es noch eine Steigerung zum „Ich schreibe ein Buch“-Stress gibt. Nämlich den „Ich bewerbe mein Buch“-Stress unter der verschärften Bedingung, dass irgendein frustriertes Arschloch meinen Blog gehackt und mit Malware verseucht hatte.

So verging die Zeit seit meinem letzten Eintrag hier mit dem Zurechtfinden in einer neuen Position, den Planungen für meine neue Homepage und neuerdings abends spät auch wieder mit penetrant viel Sport zum Ausgleich. Oft habe ich mich mit den Beats von Deichkind durch die Tage gepeitscht und folgenden Satz meist mantrisch vor mich her gemurmelt: „In harten Zeiten muss man Leistung zeigen. Wie ein Schwertransport voll mit Platinscheiben.“

Nun ist Psychologie bekanntlich Platin, das Machen dagegen ist Gold. Also habe ich mich gegen Zahlen, Uhrzeiten und zerzauste Haare durch die Tage gekämpft und dabei Folgendes gemerkt: Man kann mehr leisten, als man meint. Wenn man es ernst meint. Wenn man meint, Sinn und Zweck in dem zu sehen, was man tut. Wenn man tunlichst vermeidet, sich von Hindernissen aufhalten, oder schlimmer, abhalten zu lassen.

Manchmal muss man mit dem Kopf durch die Wand, und viel Energie auf wenige Ziele schießen, statt wahllos mit seinen Reserven zu haushalten. Denn nur so geht es nach oben. Unter der Brust trug ich trotzdem großen Schmerz mit mir.

Das hat mich verletzt

Ja, in der letzten Zeit bin ich hart angegangen worden. Dafür, zu viel zu arbeiten, meine Grippe nicht auszukurieren und das Leben im Leben zu vernachlässigen. „Lässt sich gerade nicht ändern“, habe ich mich immer wieder erklärt, wohl wissend, dass es selbst mein härtester Kritiker nur gut meinte. Wie Freunde eben sind.

Sicherlich habe ich viel vernachlässigt und mich hinter all dem Stress manchmal selbst nicht gesehen. Nicht nur diesen Blog, auch Party mit den Jungs und immer wieder das Ruhen. Und jetzt, da ich endlich wieder die Ruhe gefunden habe, an BradSticks zu sitzen, merke ich, wie sehr mir das private Schreiben gefehlt – und wie sehr mich die Kritik am 24/7-Unter-Strom-Sein wirklich verletzt hat. Weil es in meinem Leben nichts Wichtigeres gibt als meine Freunde. Und ihr Urteil immer doppelt wiegt. Gefühlt so viel wie zwei Schwertransporter voll mit Platinscheiben.

Wahrscheinlich kann uns niemand mehr verletzten als unsere Freunde. Und das ist okay. Weil sie unser Spiegelbild sind – besonders in Zeiten, in denen wir uns selbst nicht mehr sehen.

Also gelobe ich Besserung. Im wahren Leben und auf diesem Kanal. Weil ich gern mal wieder der wäre, der im Morgengrauen betrunken aus dem Club fällt, den die Absicht auf ein Traumdate vom Arbeiten abhält, der irgendetwas Aufregendes erlebt, das sich für einen Text auf BradSticks eignet. Ich bin euch noch Ausführungen über meine neuen Sneakers schuldig, einen Statusbericht zu „Zwei Jahre Nicht-Beziehung“ und die ersten Interviews, die ich im Kontext meines Buches „Kann ich Pflaster für mein Handy, Frau Steinbeck“ gegeben habe.

Das alles holen wir ab sofort nach – und denken weiter groß.

Ich bin wieder hier,

kurz-unterschrift11

Mehr aus meinem Tagebuch – HIER!

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