gefühlt gut

Gefühlt: Gequirlte Gülle!

Veröffentlicht: Dienstag, 14. Mai 2013

Ohne die befreundeten Radiojockeys im Süden zu kritisieren: In Hamburg ergibt es wirklich Sinn, von Temperaturen und gefühlten Temperaturen zu sprechen. Und wenn die Hanseaten „Jeans und T-Shirt“-Wetter ausrufen, würden wir Hessen trotzdem nur Tanks tragen, um ausdrücklich erregte Nippel vorzutäuschen. Wir sind Besser gewöhnt. Das nur nebenbei.

Umso bemerkenswerter, dass sich die im Dauernebel wandelnden Elb-Menschen in Sachen Selbsttäuschung überhaupt nicht von den Warmblütern zwischen Rhein, Main, Neckar und Isar unterscheiden. Das war mir bereits klar, als ich den fünften frustrierten Single sonntags seufzend auf meinen Sofa sitzen hatte. Wieder einen, der gestern einen sitzen hatte und nun den „SMS von gestern Nacht“-Verlauf mit einer weiteren Nachricht schönte. Panisch. Wie: „Das war doch nur ein Witz. Ich bin gar nicht in dich verknallt!“

Denn so ist es immer:

  1. Wir sind verliebt und gefühlt schon auf dem ersten Date.
  2. Wir sind in einer Beziehung und gefühlt schon vor dem Altar.
  3. Wie sind verheiratet und gefühlt schon in der Gartenlaube. Mit dem muskulösen Gärtner. Vom Regen durchnässt.

Gar nicht witzig.

Offensichtlich scheint es ein allgemeines Bedürfnis zu sein, auf schön’ Wetter zu machen, wenn wir uns mit der eigenen Realität konfrontieren. Mit den Geistern, die wir vertreiben, bevor wir eine weitere „SMS von Samstagnacht“ schreiben. Oder schlimmer: anrufen. Oder noch schlimmer: auf Mailboxen labern.

So wird die Frage nach dem Grad der Verneblung zur Gretchenfrage an uns selbst. Ich kam nicht umhin, mich zu fragen: Wie viel Realität ertragen wir? Und wann lohnt es sich, für seine Träume zu kämpfen?

In my family portrait we look pretty happy. Let’s go on to that… Foto: Diana Dramm

Sie war gerade in einer Nicht-Beziehung und gefühlt mit vier Kindern in einem Märchenschloss ohne Garten am Kuchen backen. Und wartete. Er war noch auf der Arbeit und gefühlt kurz vor Feierabend auf dem Weg zu ihr. Vielleicht, weil er Lust auf Kuchen hatte. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht würde er den Kuchen Kuchen sein lassen und lieber gleich ans Eingemachte gehen. Und so kam es, als er zwei Stunden später an ihre Tür klopfte. Die Erregung ihrer Nippel war echt… Als er ging, ging sie noch einen trinken. Allein. Und lächelte weiter.

Sie habe sich wie ein Vollidiot gefühlt, schrie sie ins Telefon, als sie mich Samstagnacht heulend von der Damentoilette anrief. Die Geister, die sie rief, antworteten – nicht. Sie war Besseres gewöhnt.

Ich saß gerade in einem Loft irgendwo hoch über der Stadt. Als ihr Aku leer war, schrieb ich dir eine SMS. Wie: „Das war doch nur ein Witz.“ So ist das, wenn wir auf schön’ Wetter machen: Gefühlt stehen wir im Regen.

You can stand under my umbrella… if you stay fashionable,

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