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Gedicht mit Fehlern

Veröffentlicht: Montag, 13. Januar 2014

Wäre ich eine Stadt, wärst du die Hauptstraße. Der große Boulevard, der Leben in die Peripherie pumpt. Wie die Hauptschlagader Blut in die Körperteile. Und all die anderen Straßen wären nur Abzweigungen, die irgendwann wieder zu dir zurückführen. Vielleicht auf Umwegen, vielerorts ganz direkt. Weil du die Schlossallee bist, die zum Luftschloss führt, das ich für uns gebaut habe. Im Zentrum dieser Stadt. Dort, wo mein Leben beginnt. Wie am Anfang der Hauptschlagader. Dort, wo der Puls gemacht wird, den mein Herz schlägt.

Wir kommen eben nicht aus unserer Haut heraus. Besonders nicht, wenn wir eine dicke Haut haben. So wie ich. Und die muss ich auch haben, weil mein Gesicht wegen wiederholten Wutausbrüchen sonst längst von Akne zerfressen wäre. Jungs halt…

Was ich damit sagen will: Eigentlich war der Auftrag, eine Zeitschriftenkolumne zum Thema „Straßennamen“ zu schreiben. Entstanden ist gefühlsbedingt so etwas wie ein Liebesgedicht. Den Text muss ich für den Druck jetzt irgendwie anpassen oder originell einbetten.

Weil das Original ohne redaktionelle Kunstgriffe sehr schön ist, poste ich es sozusagen als Text-Fragment – mit allen Liedern, die ich während des Schreibens gehört habe. Die neu arrangierte Komplettversion dann demnächst.

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Wäre ich eine Stadt, wärst du die Hauptstraße. Der große Boulevard, der Leben in die Peripherie pumpt. Wie die Hauptschlagader Blut in die Körperteile. Und all die anderen Straßen wären nur Abzweigungen, die irgendwann wieder zu dir zurückführen. Vielleicht auf Umwegen, vielerorts ganz direkt. Weil du die Schlossallee bist, die zum Luftschloss führt, das ich für uns gebaut habe. Im Zentrum dieser Stadt. Dort, wo mein Leben beginnt. Wie am Anfang der Hauptschlagader. Dort, wo der Puls gemacht wird, den mein Herz schlägt.

Wärst du eine Stadt, wäre ich der Bürgermeister. Dann würde ich deine Straßen nach dem benennen, was dich ausmacht. Dem Wahren, dem Schönen und dem Guten. Und ich würde durch diese Straßen wandern und dich bewundern. Sehen, wie du im Morgentau glänzt, wie du im Sonnenuntergang leuchtest, wie du im Sternenlicht schimmerst. Und im Zentrum dieser Stadt läge der „Walk of Fame“. Und wenn ich dich am Ende dieser Straße erreiche, füllst du mich wieder mit Leben an. Wie die Lunge das Blut aus den Venen mit Sauerstoff.

Wäre ich eine Straße, würde ich zu dir führen. Schritt für Schritt, Minute für Minute. Über Kilometer und durch Lichtjahre, über Berge und durch Täler, durch Wüsten und über Meere. Bis zu deinen Toren und hindurch. Wie der große Boulevard, der in deine Mitte führt wie die Hauptstraße ins Zentrum deiner Stadt. Durch dein Ghetto, dein Vergnügungsviertel und deinen Sperrbezirk. Vorbei an am Elend deiner Peripherie, am Glanz deiner Schlösser und den langen Schatten deiner Wolkenkratzer, wenn deine Sonne im Zenit steht. Bis ich dich erreiche.

Wärst du eine Straße würde ich mit dir gehen. Tag und Nacht, über Stock und Stein, bei Wind und Wetter, durch Wälder und durch Nebelfelder. Bis wir auf gleicher Höhe sind. Und wenn ich den Weg verliere, würde ich dich suchen. In deinem Zwielicht und deinen Dunkelheiten, in deinen Höhenalgen und Untiefen. In dir, um dich und um dich herum. Bis ich wieder mit dir reise. In Richtung deines Herzens. Wie das Blut, das um das Herz kreist wie meine Gedanken um dich. Heute und morgen.

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Wäre ich ein Gedicht, dichtete ich dir den Himmel an. Wirklich: das Wahre, das Schöne und das Gute. Fuck you, Goethe, bin ich aber nicht! Im Grunde bin ich sogar meilenweit entfernt davon. So wie du. Und wäre ich eine Stadt, würde ich dich rausschmeißen. Hätte ich vielleicht schon früher machen sollen. Aus meinem Schlafzimmer. Aus Trotz. Weil deine Straße eine Einbahnstraße ist und deine Stadt jeder Belagerung trotzt. Weil die Wege, die in dich hineinführen, nicht die sind, die ich gehen will.

Wärst du ein Gedicht, dann eins mit Fehlern. In Rhythmus und Klang, in Ton und Tempo. Zum Glück bin ich kein Dichter. Also scheißen wir mal auf Schönwetterworte und nennen die Dinge beim Namen. Unverblümt: Im Regelfall beginnt Dichtung genau dort, wo die Räson endet. Und so ist Lyrik immer ein leichtes Mittel, um den Geist zu benebeln. Vor allem den eigenen.

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Herz drum. Fertig. Zumindest vorerst.

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